Corona-Hochzeit: „Ja“ per Video in den USA. Der Kirchberger Leo Bachinger und seine Frau Sarah heirateten. Familie daheim sah online zu.

Von Marlene Groihofer. Erstellt am 13. Mai 2020 (03:22)
Die Künstlerin Sarah und der Sozialwissenschaftler Leo Bachinger mit den Kindern Miles und Evelyn. Die Familie lebt in „Round Lake“, drei Stunden von New York City entfernt.
Tracey Buyce

Heiraten in Coronazeiten? Stellt so manches Paar vor Herausforderungen. Die meisten Hochzeiten mussten aufgrund der Pandemie abgesagt werden. Der Kirchberger Leo Matteo Bachinger und seine Frau Sarah entschieden sich für die einzige momentan mögliche Variante eines Hochzeitsfests: die Online-Vermählung.

In ihrem eigenen Garten gaben sich Leo und Sarah Bachinger im engsten Kreis und mit Masken und Sicherheitsabstand das Jawort. Per Video waren sie mit ihren Familien und Freunden verbunden.
NOEN

Seit mittlerweile fünf Jahren lebt Leo Bachinger in den USA. Für sein PhD-Studium am Department für Science and Technology Studies des Rensselear Polytechnic Institute hat es den Kirchberger nach Übersee gezogen. Hier arbeitet er als Fellow im Bereich Disasterwissenschaften, Klimawandel und Anpassung. In seiner neuen Heimat hat er vor zweieinhalb Jahren seine Frau Sarah kennengelernt. Mittlerweile wohnt das Paar mit Sarahs zwei Kindern in Upstate New York, in einem idyllischen Dorf am See namens „Round Lake“, einer kleinen Künstlerenklave etwa drei Stunden von New York City.

Spezielle Situation für die Hochzeitsglocken

Bei ihrem ersten Date verbrachten der Pielachtaler Sozialwissenschaftler und die amerikanische Künstlerin einen Tag im Museum. Nun entschlossen sie sich, ihre Liebe mit dem Jawort zu besiegeln – trotz Coronakrise: „Wenn man sich in der Quarantäne nicht den Kopf abreißt, sondern sich noch mehr mag, und nicht genug voneinander bekommen kann, dann heißt das etwas“, lacht Leo Bachinger, „dass wir die Hochzeit tatsächlich inmitten der Quarantäne durchgezogen haben, liegt vor allem auch daran, dass wir doch sehr unkonventionell sind. Es ist einfach auch etwas Spezielles, wenn man mit Freunden und Familie zusammen sein kann, und gemeinsam feiern kann, über die Distanz hinweg, und in Zeiten einer Krise dieses Ausmaßes.“

Gesagt, getan: Via Videokonferenz „Zoom“ feierten Leo Matteo Bachinger und seine Sarah Ende April ihre Hochzeit. Location: der eigene Garten. Persönlich anwesend waren neben dem Brautpaar und den Kindern Miles und Evelyn, die Trauzeugen, eine Fotografin und ein Freund, der die beiden in seiner Funktion als Offiziant, Standesbeamter, traute.

„Wenn man sich in der Quarantäne nicht den Kopf abreißt, sondern noch mehr mag, dann heißt das etwas.“ Leo Bachinger, frisch gebackener Ehemann

„Jeder hat Masken getragen, wir haben die Sicherheitsabstände genau ausgemessen. Wer zusammen lebt, stand zusammen – also wir mit den Kids zum Beispiel“, erzählt Leo Bachinger. Nach der Zeremonie wurde mit Mini-Sektflaschen und individuell abgepackten Hochzeitscupcakes über sichere Entfernung angestoßen.

Familie und Freunde verfolgten die Trauung aus der Ferne, so auch Leos Familie aus dem Pielachtal. „Die Übertragung hat sehr gut funktioniert“, erzählt Vater Leo Bachinger senior, der sich bereits darauf freut, seinem Sohn und dessen Gattin persönlich gratulieren zu können. Erst einmal heißt es aber abwarten, bis man einander wieder besuchen darf.

In die Flitterwochen kann das Paar vorerst nicht fahren. „Die sind auf unbestimmte Zeit verschoben“, erzählt Leo Bachinger, der im nächsten Monat sein Doktoratsstudium abschließen wird. Die Coronasituation in den USA sei dramatisch, schildert er (siehe Artikel unten). Die nächsten Jahre will das frisch vermählte Paar auf jeden Fall noch in den USA leben. „Der Plan ist, nachdem die Kids mit der Schule fertig sind, wieder nach Europa zu kommen“, so der Kirchberger. Vielleicht sogar wieder in heimatliche Gefilde? „Noch sind wir nicht sicher, wohin es für uns gehen wird, aber bestimmt in Österreich-Nähe, wahrscheinlich auch nach Österreich selbst – aber das hat ja noch Zeit.“

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