Ober-Grafendorfer Ponykraft für fast alle Fälle. Ob Holzrücken, Reisigziehen oder Arbeit am Acker: Carol Streefkerk setzt auf ganz kleine Pferde.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 18. Februar 2021 (04:36)
Carol Streefkerk möchte heuer mit wieder mit ihren beiden Ponys „Perestroika“ und „Paddy“ ackern.
privat

Kein Motorenlärm, keine großen Maschinen, auch keine zwei Arbeitskräfte mit Motorsäge und Scheibtruhe, nur ein gerade einmal hüfthohes Shetlandpony und eine Frau: Carol Streefkerk ist abwechselnd mit ihren Ponys „Perestroika“ und „Paddy“ in den Christbaumkulturen, aber auch auf anderen Wald- und Wiesenflächen des Guts Fridau unterwegs.

Trotz Schnee setzt das Pony souverän einen Schritt vor den anderen und zieht dabei einen sechs Meter langen Baumstamm aus dem Forst. „Ponys sind trittsicher und wendig.“ Sie betont, dass diese kleinen Equiden gerade zu „ideal für die Waldarbeit sind.“ Normalerweise kommen nur schwere Kaltblüter wie Noriker in der Rückearbeit zum Einsatz. Die Leistung ihrer nur rund 180 Kilogramm schweren Tiere ist aber nicht zu unterschätzen.

Sechs Festmeter Holz in nur zwei Stunden

Ein einziges Pony schafft in zwei Stunden sechs Festmeter Holz aus dem Wald. Streefkerk und ihr Pony marschieren weiter. Hin und wieder ist ein Schnauben zu hören, aber keine Überforderung des Tieres merkbar. „Das ist eben Ponykraft“, schmunzelt Streefkerk.

Diese traditionelle Form der Waldbearbeitung ist nachhaltig, ressourcen- und vor allem bodenschonend. Davon ist auch Grundbesitzer Ludovico Tacoli überzeugt. „Eine Christbaumkultur ist einem Rasen ähnlich. Ein Traktor hinterlässt dort tiefe Fahrrinnen. Es bilden sich Wasserlacken“, weiß er. Das Pony ist beim Marschieren durch die Kulturen nur 20 Zentimeter von den Jungbäumen entfernt, ohne dabei einen zu beschädigen. Der Pferdemist wird eingesammelt und als Dünger verwendet.

Die Betätigungsfelder werden für Streefkerk stetig mehr: Reisig wird eingesammelt, Einzelstämme werden aus dem Forst gezogen, die später als Sprungstangen für den Pferdesport aufbereitet werden. Efeu wird entfernt, weil die Ponys diesen locker davonziehen. Es wird auch mit den Tieren in der entsprechenden Jahreszeit geackert. „Das ist keine Spielerei oder Liebhaberei. Die Arbeit mit den Ponys hat sich bei uns sehr gut bewährt“, betont Tacoli. Streefkerk und ihre Shettys wird man künftig daher nicht nur als Christbaumlieferanten, sondern in vielen Bereichen der Wald-, Feld- und Gartenarbeit sehen.