Leopold Lugbauer: Der Wetterfrosch aus Ober-Grafendorf. Hobby-Meterologe Leopold Lugbauer führt mit seiner Wetterstation genaue Aufzeichnungen. Sein Fazit: „Die Extreme sind klar am Zunehmen.“

Von Anna Maria Backnecht. Erstellt am 22. Oktober 2020 (03:41)
Leopold Lugbauers private Wetterstation in Ober-Grafendorf führt genaue Aufzeichnungen der Wetterveränderungen. Mit seiner „Davis“, dem Mercedes unter den Stationen, ist er bestens ausgestattet.
Leopold Lugbauer

Der Hobby-Meterologe ist auch Obmann des Musikvereins.
privat

„Die Regenmengen im ersten Halbjahr lagen teilweise bei 900 Liter pro Quadratmeter. Im Vergleich zur Wachau ist das deutlich mehr“, erzählt der Hobby-Meteorologe Leopold Lugbauer. Die massiven Niederschlagsmengen seien auch für die zahlreichen Überschwemmungen im Pielachtal verantwortlich.

Die Faszination für das Wetter hat sich bei Lugbauer vor 30 Jahren entwickelt. Damals beobachtete er die täglichen Veränderungen und führte ein Wettertagebuch, in das er drei Mal pro Tag eintrug. Im Jahr 2005 hat er sich das erste Gerät angeschafft und kurze Zeit später den „Mercedes“ unter den Wetterstationen. „Die ‚Davis‘ ist das beste Modell, das man am Markt bekommt. Landwirte in Amerika benutzen sie vorwiegend“, erzählt der Wetterbegeisterte. Trotz dieser modernen Technik führt er aber zusätzlich weiterhin seine händischen Aufzeichnungen. Für einen kleinen, jährlichen Beitrag von 30 Euro kann der Hobby-Meterologe seine Daten online stellen. Versicherungen sowie Piloten des Völtendorfer Flugplatzes verwenden regelmäßig seine Wetteraufzeichnungen. Auch die TU Graz hat bei ihm angefragt.

„Sogar die TU Graz nutzt meine Wetterdaten“ Leopold Lugbauer

Auf die Frage, was sich in den letzten Jahren geändert habe, antwortete er: „Die Extreme sind klar am Zunehmen.“ Die Niederschlagsmenge erreichte dieses Jahr schon den Höchstwert, im Vergleich zum letzen Jahr. Auch die Stürme sind mehr geworden, 104 Kilometer pro Stunde wurden heuer bereits gemessen. Der Wind habe sich, meint er, generell verändert. „Früher hatten wir viel mehr Westwind, mittlerweile messe ich 50 Prozent Ostwind und 50 Prozent Westwind“, erklärt Lugbauer. Der Ostwind sei 2019 für die Trockenheit verantwortlich gewesen. Besonders auffällig und eine vieler Folgen des Klimawandels seien auch die langen Regen- oder Hitzeperioden. Der radikale Jahreszeitenwechsel macht sich stark bemerkbar. „Frühling und Herbst werden immer kürzer, Sommer und Winter dafür länger“, erklärt der Hobby-Meterologe. 

Ein Wetterphänomen ist Leopold Lugbauer besonders in Erinnerung: Die Hagelverwüstung in Wieselburg. Auch er fiel diesem Wetterspektakel zum Opfer, da sein Auto grobe Schäden davon trug. „Gott sei Dank ist mir und meiner Familie nichts geschehen, die Hagelkörner waren so groß wie Tennisbälle“, erinnert sich Lugbauer.