Film-Projekt präsentiert Davos als "Ort der Extreme". Der aus Loich stammende Regisseur Daniel Hoesl drehte Dokumentation beim Weltwirtschaftsforum.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:02)
Der Filmemacher Daniel Hoesl während der Dreharbeiten beim Weltwirtschaftsforum in Davos.
European Film Conspiracy

Money, money, money – schon in den ersten beiden Spielfilmen von Daniel Hoesl drehte sich alles um das liebe Geld und dessen Preis. „Ich bin der Ansicht, dass Geld jede Art von Religion abgelöst hat“, erklärt der Loicher seinen filmischen Schwerpunkt. Für seine aktuelle Dokumentation begab sich der Pielachtaler Filmemacher nach Davos. Jedes Jahr findet dort das Weltwirtschaftsforum statt, Zentrum von Globalisierung und Kapitalismus.

Rund vierzehn Monate verbrachten der Regisseur und seine Kollegin Julia Niemann in der Schweizer Gemeinde. Reichtum, Leerstand, Tourismus, Forschung und Flüchtlingszentrum – er erlebte den Ort voller Gegensätze und Überraschungen. In dem Zeitraum kamen die beiden mit den unterschiedlichen Bewohnern ins Gespräch. Sie gingen fischen mit portugiesischen Zuwanderern und waren dabei, als eine Bauernfamilie sich zur Aufgabe ihres Hofes entschied.

„Wir sind alle Bürger von Davos. Wir leben alle in der Globalisierung und haben kaum Mitspracherecht.“ Daniel Hoesl, Filmregisseur

Das Spiegelbild dessen bildete das Weltwirtschaftsforum, Hoesls Meinung nach eine „Gartenbaumesse der Mächtigen“. Hier präsentieren sich Staaten und Unternehmen bestmöglich. Hier werden hinter verschlossenen Türen zentrale Entscheidungen getroffen. Kritische Veranstaltungen dienten lediglich als Feigenblatt. Mit seiner Dokumentation will Hoesl daher zum Nachdenken anregen: „Wir sind alle Bürger von Davos. Wir leben alle in der Globalisierung und haben kaum Mitspracherecht.“

Auf internationalen Filmfestivals war der Film bereits zu sehen. Wegen Corona lief er jedoch noch nicht im Kino. Für Pielachtaler ist das eventuell ein Segen: Ab Freitag, 5. Februar, können sie die Dokumentation bequem online auf der heimischen Couch streamen. „Ich freue mich, dass das jetzt so geht“, sagt Hoesl. Das erspare die weite Fahrt und unterstütze lokale Kinos trotzdem.

Er selbst lebt mittlerweile in Wien, hat aber weiterhin einen Zweitwohnsitz in Loich. Einen Film über seine Heimat plant er allerdings nicht. Stattdessen arbeitet er mit Ulrich Seidl aktuell an einem Spielfilm über eine Milliardärs-Familie, die mit dem Gesetz spielt. Außerdem beschäftigt er sich filmisch mit dem größten Casino Europas im Tessin. „Das Paradoxe ist, dass es Pleite ging. Das macht es für mich spannend“, kündigt er an.