Fremdlinge am Pielachufer. Invasive Pflanzen breiten sich im Tal aus. Die Bekämpfung ist schwer. Meinungen darüber differieren.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 23. Juni 2021 (04:17)
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Der japanische Staudenknöterich wuchert auch im Pielachtal.
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Drüsiges Springkraut, japanischer Staudenknöterich, Robinie, Eschen-Ahorn oder Götterbaum: Sie wuchern im Pielachtal und haben alle etwas gemeinsam: Sie sind ursprünglich keine heimischen Pflanzen.

Vor allem entlang der Pielach, aber auch an Bachufern und Straßenrändern sind die Neophyten verbreitet. „Bei uns findet man sie natürlich entlang der Pielach, vor allem aber auch neben der Straße in Fridau“, berichtet der Ober-Grafendorfer Bürgermeister Rainer Handlfinger. Dort, wo es möglich ist, werden sie entfernt, entlang des Pielachufers wäre das zu aufwendig. Das bestätigt auch sein Weinburger Bürgermeisterkollege Peter Kalteis. „Unsere Bauhofmitarbeiter entfernen die Pflanzen im Gemeindegebiet, möglichst vor der Blüte, an der Pielach aber nicht.“ Letzteres falle nicht in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde. Man müsse auch damit leben, das sei eben die Natur mit veränderter Vegetation.

„Unsere Bauhofmitarbeiter entfernen die Pflanzen im Gemeindegebiet, möglichst vor der Blüte, an der Pielach aber nicht."

Die Naturschutzabteilung des Landes hat ihr Hauptaugenmerk bei der Neophyten-Bekämpfung auf Naturschutzgebiete gelegt. „Dort wird darauf geachtet, dass ein Eindringen von invasiven Neophyten verhindert oder diese zurückgedrängt werden, sodass hochrangige Schutzgüter nicht in Bedrängnis geraten“, berichtet Sandra Klingelhöfer von der Abteilung Naturschutz des Landes. Neophyten sind aber nichts Neues.

„Das sind Pflanzenarten, die bewusst oder auch unabsichtlich bereits vor mehreren hundert Jahren durch Zutun des Menschen in Bereiche der Welt verbracht wurden, die sie aufgrund ihrer natürlichen Ausbreitungsfähigkeit nicht erreicht hätten“, erklärt sie. So sind das drüsige Springkraut oder der Riesen-Bärenklau, als Bienentrachtpflanzen, die Robinie oder der Götterbaum als forstwirtschaftlich wertvolles Gehölz ausgebracht worden.

Doch ihre Verbreitung stellt laut Naturschutzbund eine große Bedrohung der heimischen Biodiversität dar. Klingelhöfer: „Sie sind oft konkurrenzstärker, andererseits verändern sie oftmals den Bodenchemismus dahingehend, dass der Aufwuchs standortspezifischer Pflanzenarten verhindert wird.“ In Rabenstein finden sich im Bereich des Oggersheimerplatzes Neophyten.

„Einerseits sind sie invasive Pflanzen, andererseits eine reichhaltige Bienenweide und Alternative zum fehlenden Nahrungsangebot“, meint Umweltgemeinderat Bernhard Treitl. Auch Naturvermittler Peter Neuhauser merkt die zunehmende Ausbreitung von Neophyten im Tal. Sie stellen laut ihm eine Gefahr für Magerwiesenarten wie Margeriten dar. Jeder könne seinen Beitrag leisten, heimische Blühwiesen zu fördern. Nicht zu früh und zu oft mähen, lautet seine Devise. „Leider sind herkömmlichen die Samenmischungen oft nicht ideal“, stellt er fest. Er weiß aber auch, dass die Robinie, ebenso eine invasive Pflanze, beliebte Bienenfutterplätze sind.

„Einerseits sind sie invasive Pflanzen, andererseits eine reichhaltige Bienenweide und Alternative zum fehlenden Nahrungsangebot“,

Naturliebhaber Johann Weiss vom Steinschalerhof meint: „Wer über Neophyten schimpft, denkt nicht konsequent bis zum Schluss. Dann hätten wir keinen Paprika, Kukuruz oder Spinat.“

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