Der Schutz für Arzt & Apotheke hat Vorrang. Marien-Apotheke Ober-Grafendorf appelliert daran, den extra eingerichteten Lieferservice zu nutzen, verstärkter Telefondienst wird bei Arzt Oliver Mick geleistet.

Von Bernhard Burmetler. Erstellt am 25. März 2020 (03:19)
Plexiglas schützt die Mitarbeiter der Marien-Apotheke in Ober-Grafendorf seit letzter Woche, im Bild Christoph Stelzer.
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Ärzte und Apotheker sind aktuell besonders gefordert, so auch in Ober-Grafendorf. „Bei uns ist der Andrang momentan sehr hoch. Gleichzeitig ist das Rezeptmanagement umgestellt worden. Das bedeutet eine Umstrukturierung unserer Arbeitsweise, da plötzlich eine Flut an Rezepten fast gleichzeitig zu bearbeiten ist“, erklärt Johanna Stelzer von der Marien-Apotheke. Familie Stelzer greift derzeit auch auf Erfahrungswerte italienischer Kollegen zurück. So entschloss man sich letzte Woche zur Installierung einer Plexiglaswand in der Apotheke.

„Die Wand ist jedoch kein hundertprozentiger Schutz, sondern nur eine Barriere“, sagt Johanna Stelzer, die daran appelliert, ihren Lieferservice, Tel. 02747/2224, in Anspruch zu nehmen: „Leider beobachten wir, dass viele unserer Kunden, die der Risikogruppe angehören, zu uns kommen.“ Immerhin aber sei eine verstärkte Liefer-Nachfrage spürbar: „Wir merken, dass jeden Tag mehr Leute wegen einer Zustellung anfragen. Es muss sich erst herumsprechen.“

Hinsichtlich der Lieferkette von Medikamenten beruhigt die Apothekerin: „Die Lieferbarkeit von Dauermedikamenten ist gewährleistet. Aufgrund der Situation kann sich die Nachlieferung aber etwas verzögern, denn der Großhandel leistet gerade Enormes und Lieferungen können im Moment oft einen Tag, statt einem halben Tag, dauern.“

„Aktuell wird in unserer Ordination jeweils ausschließlich ein Patient aufgerufen"

Ein Großteil der Patienten nehme die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus sehr ernst, so Oliver Mick von der Gruppenpraxis „Dr. Mick und Partner“. „Aktuell wird in unserer Ordination jeweils ausschließlich ein Patient aufgerufen, wobei nach Betreten der Praxisräumlichkeiten ein sofortiges Händewaschen mit anschließender Desinfektion durchgeführt werden muss“, teilt Oliver Mick mit. Weiters bekommen Patienten mit grippeartigen Symptomen sofort eine Maske und werden in separaten Räumlichkeiten behandelt. „Wir lüften derzeit außerdem überdurchschnittlich viel, um eine möglichst schnelle Reduktion der möglichen Keimzahl zu erzielen.“

Rezepte sollten, so gut es geht, telefonisch ausgestellt und dann direkt in der Apotheke abgeholt werden. Hin und wieder sei etwas Unmut zu verspüren, wenn jemand um seine Dauermedikation komme und auf das telefonische Service verwiesen werde. Aber, betont Mick: „Jeder nicht notwendige Aufenthalt in der Ordination stellt ein unnötiges erhöhtes Infektionsrisiko dar, weshalb wir diese Maßnahmen sehr streng umsetzen.“
Aktuell sei die Zahl der Patientenbesuche in der Praxis demnach sehr gering, da versucht werde, alles was möglich ist, telefonisch zu klären. „Den Andrang so gering wie möglich zu halten, wird auch das Ziel in den nächsten Tagen und Wochen sein“, sagt Mick. Und: „In der aktuellen Situation die größte Herausforderung ist der Mangel an Schutzausrüstung, im Speziellen an Schutzmasken.“

„Pulsoximeter“ dient der Überwachung

In Zusammenarbeit der Gruppenpraxis „Dr. Mick und Partner“ mit Marien-Apotheke und Marktgemeinde stehen sogenannte „Pulsoximeter“ parat. Mit dem kleinen Messinstrument lässt sich zuhause die Sauerstoffsättigung eines erkrankten Menschen überwachen. Wird ein kritischer Punkt erreicht (Sauerstoffsättigung unter 93 %), können dank dieser Information durch das Gerät sofort weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Dieses Gerätefeedback sei insofern wichtig, da Patienten sich subjektiv nicht sofort schlecht fühlen und die bestehende Atemnot oft erst verzögert wahrnehmen.
Sowohl das Team der Gruppenpraxis als auch Familie Stelzer appellieren: „Bitte kommen Sie bei einem Verdacht auf Ansteckung mit dem Coronavirus auf gar keinen Fall in die Praxis oder die Apotheke, rufen Sie die Hotline 1450 an.“