Wolfgang Stix warnt vor Betrügermasche. Ober-Grafendorf: Gutes Geschäft entpuppte sich als Rip-Deal. Wolfgang Stix warnt Kollegen. Zur Ergreifung der Täter-Gruppe führte Visitenkarte.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 28. Januar 2021 (03:36)
Wolfgang Stix warnt Unternehmerkollegen zur Vorsicht: „Wenn ein Geschäft zu schön ist, um wahr zu sein, ist Skepsis angebracht.“
Styx Naturcosmetic GmbH

Der Ober-Grafendorfer Unternehmer Wolfgang Stix staunte nicht schlecht, als sich das Landeskriminalamt Wien bei ihm meldete. Bei Ermittlungen gegen eine Betrügerbande sei man auf die E-Mailadresse der Styx Naturcosmetic GmbH gestoßen. Mittlerweile hat Stix ausgesagt und mahnt nun in seiner Funktion als Obmann des Landesgremiums für Außenhandel seine Unternehmerkollegen zur Vorsicht.

„2018 bekamen wir eine Anfrage von einer Agentur in London, worin es darum ging, die Generalvertretung für Aserbaidschan zu übernehmen“, berichtet Stix. Seine Mitarbeiter seien in Kontakt und der Jubel sei groß gewesen, als der Kunde Produkte im Wert von 650.000 Euro bestellte. „Ich war da schon skeptisch“, erinnert sich Stix.

Weil es im Unternehmen Usus ist, bei Erstaufträgen nur bei Vorauszahlung zu liefern, wollte das Team abwarten. Geld kam jedoch keines. Allerdings eine Einladung nach Mailand, wo Stix den neuen Geschäftspartner treffen sollte. „Wir saßen in einem wirklich noblen Restaurant. Es kam mir schon dubios vor, weil es immer geheißen hat, dass dieser und jener nicht kommen kann“, erklärt Stix. Zwei Herren kamen jedoch, gut gekleidet, einer sprach Englisch, der andere Deutsch. Die beiden wollten die Ware sofort und in Cash mit Schwarzgeld bezahlen. „Das machte mich stutzig. Ich habe gesagt, das geht nur mit Überweisung und dass ich das erst mit meiner Bank und dem Steuerberater sprechen muss“, berichtet der Unternehmer. Damit war der Deal geplatzt.

„Ich habe eine Aussage gemacht und den Betrüger sogar noch identifizieren können“

Zwei Jahre später folgte der Anruf des Landeskriminalamts. Eine Visitenkarte aus Metall führt zur Ergreifung der Täter. „Ich habe sie auf meiner Pinnwand aufgehoben, weil ich so eine noch nie bekommen habe“, erklärt Stix. Darauf konnten Fingerabdrücke und DNA-Spuren sichergestellt werden. „Ich habe eine Aussage gemacht und den Betrüger sogar noch identifizieren können“, berichtet Stix. Laut WK NÖ richtete die Betrügergruppe 27 Millionen Euro Schaden von 2017 bis 2019 in Deutschland und Österreich an. Stix warnt: „Wenn ein Geschäft zu schön ist, um wahr zu sein, ist Skepsis angebracht. Fahren Sie niemals auf Aufforderung nach Mailand, Verona oder Antwerpen. Das sind die Hotspots der ‚Rip-Deal‘-Betrüger.“