Kaum Öffi-Pendeln ohne Himmelstreppe im Pielachtal

Erstellt am 14. Juni 2022 | 20:04
Lesezeit: 4 Min
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Günter Draxler pendelt seit 33 Jahren nach Wien. Heute nutzt er dafür die Himmelstreppe ab Steinklamm und dann ab St. Pölten die ÖBB. In Wien steigt er in die Vorortelinie S 45 um.
Foto: Hackner
Ob Schüler, Arbeitnehmer oder Ausflügler: Die Mariazellerbahn hat sich im Tal zum unverzichtbaren Reisebegleiter entwickelt.
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Überfüllte Züge und Busse, die Passagiere mit gültigen Tickets verlassen mussten, haben die Diskussion um den öffentlichen Verkehr belebt. Die NÖN hat sich umgehört, wie die Pielachtaler mit den Öffis im Tal zufrieden sind – und es stellt sich klar heraus:  Das bedeutendste Angebot ist natürlich die Mariazellerbahn.

55.000 Fahrgäste im Mai, Reservieren empfohlen

Auch hier kann es durchaus, wenn Schüler und Pendler am Morgen zur Arbeit fahren, zu vollen Zügen kommen, denn die moderne Himmelstreppe ist – obwohl Schmalspurbahn – beliebt. Im Mai waren knapp 55.000 Fahrgäste mit den Zügen der Mariazellerbahn unterwegs. Sitzplatzreservierungen empfiehlt NÖ-Bahnen-Sprecherin Katharina Heider-Fischer jedoch vor allem auch im Freizeitverkehr.

„Besonders an Wochenenden. Da lohnt es sich, Sitzplätze zu reservieren oder Tickets vorab online zu buchen. Ganz besonders wichtig ist das, wenn Fahrgäste ein Fahrrad mitnehmen möchten“, informiert sie.

Der Fahrplan der Himmelstreppe wird in Abstimmung mit dem Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) erstellt. „So wird sichergestellt, dass eine gute Anbindung an andere öffentliche Verkehrsmittel gegeben ist“, betont Heider-Fischer. Sämtliche Verbindungen sind über die kostenlosen Routingservices des VOR unter anachb.vor.at oder der VOR-AnachB-App abrufbar.

95 Prozent der Fahrgäste empfehlen Mariazellerbahn

Bei einer Umfrage 2021 haben die Fahrgäste der Mariazellerbahn ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt. Die Gesamtzufriedenheit liegt bei 1,18 laut Schulnotensystem. 95 Prozent der Befragten würden die Bahn weiterempfehlen, die NÖN berichtete:

„Besonders gut bewertet wurden unser Zugpersonal sowie Pünktlichkeit und Sauberkeit unserer Züge“, freut sich Heider-Fischer. Bei den Fahrgastbefragungen kam aber auch oft das Feedback, dass sich die Fahrgäste besonders in den Morgenstunden mehr Verbindungen wünschen.

Heider-Fischer: „Darauf haben wir reagiert. Ab 5. September 2022 stehen an Werktagen – außer Samstag – neue Frühzüge zur Verfügung – um 4.09 Uhr ab Laubenbachmühle und um 5.35 Uhr ab St. Pölten Hauptbahnhof.“

Der Frankenfelser Alfred Hollaus nutzt, wenn er nicht im Home-Office ist, seit vielen Jahren die Mariazellerbahn, um zur Arbeit zu kommen. „Bevor die NÖ Bahnen den Betrieb übernommen haben, waren die Verspätungen wirklich ein Problem. Es gab zu wenig Kreuzungen. Oft ist man 20 Minuten auf der Strecke gestanden, bis der Gegenzug kam“, weiß er noch.

Damals betrug die Fahrzeit von Boding bis St. Pölten-Alpenbahnhof mitunter eineinhalb Stunden. „Heute ist die Himmelstreppe wirklich ein attraktives Verkehrsmittel und ein gute Alternative zum Auto, um das Klima zu schützen und Kosten zu sparen. Eine Jahreskarte lohnt sich“, meint er.

Der Rabensteiner Markus Wieland, selbst ÖBB-Bediensteter, pendelt regelmäßig aus privaten Gründen von Rabenstein nach Vorarlberg – alles öffentlich. Mit der Himmelstreppe geht es nach St. Pölten und mit den ÖBB ins Ländle. Die Vorteile des öffentlichen Verkehrs liegen für ihn klar auf der Hand. Klimaschutz ist für ihn dabei ein wichtiger Grund, aufs Auto zu verzichten. „Man spart viel CO2. Außerdem lohnt es sich, bei den derzeitigen Treibstoffpreisen, den Zug zu nutzen“, sagt er.

Klimaticket als attraktiver Anreiz zur Öffi-Nutzung

Sicherer sei eine Zugfahrt ebenso. Mit vollen Waggons war er schon in der Himmelstreppe als auch in den ÖBB-Zügen konfrontiert. „Für die Strecke St. Pölten-Vorarlberg mache ich eine Sitzplatzreservierung, in der Himmelstreppe für die paar Stationen nicht“, erzählt Wieland. Er merkt, dass das Klima-Ticket bei den Fahrgästen gut ankommt. „Das ist auch ein gutes Angebot“, findet er.

Günter Draxler, Obmann des Modellbahnmuseums in Kirchberg, ist bekennender Bahnfahrer. Von Steinklamm nach St. Pölten fährt der IT-Servicemanager mit der Mariazellerbahn, dann mit den ÖBB weiter nach Wien-Hütteldorf und von dort mit der Schnellbahnlinie S 45 zu seiner Dienststelle. Er begrüßt die Einführung des Klimatickets und weiß um die Vorteile des Bahnfahrens: „Es ist bequem, man kann am Laptop arbeiten oder sich ausruhen. Die lästige Parkplatzsuche fällt weg, ebenso die Gefahr im Straßenverkehr, insbesondere von Wildunfällen in der Dämmerung.“

Schon lange keine Bahnverbindung mehr hat St. Margarethen/Sierning. Diese Schmalspurbahn-Strecke wurde aufgelassen. Es fahren aber Busse. Darüber ist Bürgermeisterin Brigitte Thallauer froh, da diese zumindest für die Schüler gut getaktet sind. Dazwischen würde sie aber mehr und bessere Intervalle begrüßen, „damit die Bürger zu anderen als den Pendlerzeiten nicht auf das Auto angewiesen sein müssen, um Erledigungen zu machen.“

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