Dirndl stärkt die regionale Identität. Hotelier Johann Weiss sieht die Pflanze als Glücksgriff für das Pielachtal: „Touristisches Interesse steigt.“

Von Marlene Groihofer. Erstellt am 31. Dezember 2019 (04:09)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7782040_pie01_dirndl_johanna_weiss.jpg
Tochter Johanna Weiss mit Hund Dirndl zwischen Dirndlsträuchern am „Steinschaler Dirndlbahnhof“.
NOEN

Rund um das orthodoxe Weihnachtsfest Anfang Jänner wünscht man sich im serbokroatischen Sprachraum: „Zdrav kao dren“ – „Bleib so gesund und stark wie die Dirndl“. „Ein Dirndl-Zweig wird an die Haustür gehängt und man isst ein, zwei Knospen“, erzählt Steinschalerhof-Hotelier Johann Weiss – ein Brauch, der fürs neue Jahr stärken soll.

In ganz Europa ist Johann Weiss mit Dirndl-Liebhabern vernetzt: „Die Dirndlpflanze ist eine echte Europäerin. Von Spanien bis Finnland, von Norwegen bis Nordgriechenland ist sie überall vertreten.“ Es gebe einen ganzen „Club der Dirndl-Verrückten“, lacht Weiss.

440_0008_7782042_pie01_dirndlbluete_weiss.jpg
Ab etwa Mitte März ist der Dirndlstrauch in voller Blüte zu bewundern
Groihofer, privat

Von Chutneys über Marmelade bis zu Dirndl-Oliven findet sich die rote Frucht auch in allen ihren Facetten im Steinschaler Naturhotel in Rabenstein. Denn Johann Weiss will die Dirndl noch mehr unter die Leute bringen – gemeinsam: „Alles, was im Tal rund um die Dirndl gemacht wird, stärkt die regionale Identität.“

Auch wenn die Dirndl in anderen Regionen ebenso vertreten sei: „Im Pielachtal wird die Pflanze geschätzt und genutzt.“ Somit gebe es auch bereits Nachahmerregionen – etwa mit der Elsbeere im Wienerwald.

„Alles, was im Tal rund um die Dirndl gemacht wird, stärkt die regionale Identität.“

Schon Keltenausgrabungen in der Nähe von St. Pölten hätten gezeigt, dass Dirndln damals roh verspeist wurden. Auch gibt es Geschichten, dass noch vor nicht allzulanger Zeit Dirndlschnaps als Zahlungsmittel genutzt wurde, berichtet Johann Weiss. „Die Pielachtaler schätzen die Dirndl“, so der Steinschalerhof-Hotelier, der sogar seinen Hund nach der Frucht benannt hat.

Ab Ende Februar öffnen sich die Knospen des Dirndlstrauchs ein wenig, ab dem 10. März erstrahlen die Blüten in kräftigem Gelb und Anfang April ist der Zauber wieder vorbei: „Die Dirndlblüte hat der Marillenblüte einiges voraus“, ist Johann Weiss überzeugt, „sie ist genauer prognostizierbar. Und sticht viel mehr ins Auge. Wo gibt‘s schon eine Pflanze, die zum Winterende so toll blüht!“

Das touristische Interesse an der Dirndlblüte steige, freut sich Johann Weiss.: „Wir haben vermehrt Bustouristen, die extra dafür anreisen.“