Gemeinden gefordert: Lockdown nötig, aber vermeidbar. Klare Worte für Regierung findet Peter Kalteis. Fehlende Disziplin verärgert Bürgermeisterkollege Kurt Wittmann (VP).

Von Gila Wohlmann und Gerhard Hackner. Erstellt am 18. November 2020 (03:29)
Frankenfels Bürgermeister Heinz Putzenlechner weist auf den eingeschränkten Betrieb am Gemeindeamt hin.
Fahrngruber

Die Coronazahlen steigen. Bundesweit, trotz aller Maßnahmen der Regierung für den Eigen- wie Selbstschutz. Der Teil-Lockdown der letzten Wochen brachte nicht den erhofften Effekt. Zu Wochenbeginn waren es 868 positiv getestete Personen im Bezirk St. Pölten-Land und 2.082 aufrechte Absonderungen. Auch im Pielachtal werden laufend neue Fälle gemeldet. Jetzt hat sogar Schwarzenbach, die bislang – seit Auftreten von Covid-19 – einzig coronafreie Gemeinde im Tal, den ersten positiven Fall.

„Nur wenn alle die Vorgaben einhalten, werden wir im Land die Situation in den Griff bekommen“, meint Schwarzenbachs Bürgermeister Andreas Ganaus (VP).

Mit Dienstag ist der zweite, totale Lockdown in Kraft getreten. „Dieser war unvermeidlich. Ich gebe dieser Regierung die Schuld, dass es zu diesen Zahlen gekommen ist. Den Sommer verpennt und den Vorsprung verspielt, inhaltsleere Pressekonferenzen, Vertrauen verspielt und unverhältnismäßige Maßnahmen“, grollt Weinburgs Ortschef Peter Kalteis (SP). Vor allem die Schließung von Schulen und Kindergärten kritisiert er: „Man nimmt den Kindern die für ihre Zukunft so wichtige Bildung.“ Die Regierung agiere wie die Wild-West-Helden, die Daltons: „Diese verbreiteten auch Angst und Schrecken und traten wieder ab“, ätzt er.

„Nur wenn alle die Vorgaben einhalten, werden wir im Land die Situation in den Griff bekommen“

„Der Lockdown ist notwendig, wäre aber vermeidbar gewesen.“ Davon ist Rabensteins Bürgermeister Kurt Wittmann (VP) überzeugt. „Die Menschen haben sich zu wenig an die Regeln gehalten. Es absehbar, dass es zu Verschärfungen kommt“, meint er. Er fürchtet, dass die Finanzlage der Gemeinden jetzt noch prekärer wird. „Hier wäre es dringend notwendig, dass es einen weiteren Bundeszuschuss gibt“, unterstreicht Wittmann.

St. Margarethens Ortschefin Brigitte Thallauer (r.) bietet für Erkrankte und Risikogruppen wieder einen Einkaufsservice mit Freiwilligen an. Dabei soll auch der örtliche Nahversorger von Monika Fraunbaum gefördert werden.
privat

„Fatale Folgen“ für die Wirtschaft ortet auch St. Margarethens Ortschefin Brigitte Thallauer (VP). Ihre Bürger unterstützt sie. Der Betrieb in Volksschule und Kindergarten wird für jene, die keine Betreuungsmöglichkeiten haben, aufrecht erhalten. „Wir bieten außerdem wieder einen Einkaufsservice an und holen Medikamente aus der Apotheke“, informiert sie. Den Lockdown „als unumgänglich“ bezeichnet Kirchbergs Bürgermeister Franz Singer (VP). Dieser sei notwendig, um die medizinische Versorgung sicher zu stellen. „Wichtig ist jetzt, dass jeder das mitträgt“, betont er. Nur dann werden mit 7. Dezember, dem angekündigten Ende des Lockdown, die Zahlen gesunken sein.

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