Haubenwirt Hubert Kalteis: „Nicht zu früh beenden“. Haubenwirt Hubert Kalteis über die aktuelle Situation in der Gastronomie.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. Februar 2021 (09:58)
Hubert Kalteis ist auch im Vorstand der NÖ Wirtshauskultur vertreten.
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NÖN: Wie geht es der Branche?

Hubert Kalteis: Einerseits gibt es die Betriebe, die viele vorgefertigte Waren nutzen und dadurch weniger Mitarbeiterkosten haben. Sie erzielen Umsatz mit Takeaway, den sie vor dem Lockdown gar nicht hatten. Staatliche Unterstützungen werden direkt vom Verkaufspreis der Tagesgerichte abgezogen. Diese Betriebe haben wahrscheinlich nichts dagegen, wenn der Lockdown andauert und die Förderungen weiter ausbezahlt werden. Ich möchte meinen Gästen in einigen Monaten nicht erklären, warum die Gerichte jetzt wieder 40 bis 60 Prozent mehr kosten und nicht nach Hause geliefert werden.

Der zweite Teil sind Betriebe, die sehr zeit- und personalintensiv produzieren und hochwertige Lebensmittel aus der Region benutzen. Die Mitarbeiter müssen geschult werden, innovativ mit ihren Inhaberfamilien und belastbar sein. Ergo: gastronomische eierlegende Wollmilchsäue. Diese Betriebe können derzeit gar nicht arbeiten, da die mühsam aufgebauten Strukturen nicht funktionieren und keine angebotene Speise dem Qualitätsverständnis entspricht.

Was sind Ihre aktuellenHerausforderungen?

Kalteis: Da wir eher zum zweiten Teil gehören, ist es derzeit wichtig, so wenig wie möglich zu produzieren, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. Positives Denken und mittelfristige Planungen für danach sind ebenfalls wichtig. Wir investieren viel Zeit für Förderanträge und diverse Telefonate.

Wie schätzen Sie die Situation ein? Reichen die Maßnahmen?

Kalteis: Ich glaube, die Hilfen sind derzeit ausreichend, wenn man die letzten Jahre die Registrierkasse „benutzt“ hat, seine Mitarbeiter anständig angemeldet hatte und seine Investitionen nicht mit Schwarzgeld finanzierte. Das Wichtigste wird für viele die Liquidität sein. Deshalb wird meiner Meinung nach die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Hausbank am wichtigsten sein. Wir haben uns im zweiten Lockdown noch mehr auf unsere Produkte des „Kalteis im Glas“ konzentriert und einige regionale Vertriebspartner dazu gewinnen können. Die Wirtshausklassiker im Rexglas sind kalkulierbar und bieten individuellen Wirtshausgenuss.

Was sind Ihre Lösungsansätze?

Kalteis: Ich glaube, es bringt nichts, den Lockdown zu früh zu beenden. Jetzt sind alle Kühlräume leer, wenn wir zu früh aufsperren, wieder voll produziert wird, bleiben die Wirte nicht mehr voll förderfähig. Wenn wir dann in einen neuerlichen Lockdown schlittern, ist der Schaden ein drittes Mal nicht mehr zu finanzieren. Darum lieber noch etwas länger im Lockdown als nach zwei bis drei Monaten in den nächsten.

Für unsere Lehrlinge, vor allem die, die vorm Lehrabschluss stehen, hat sich eine riesige Ausbildungslücke aufgetan. Da muss man über Ausbildungsverlängerungen mit staatlich finanzierten Lohnanpassungen nachdenken. Die Wirtsleute führen meist seit Generationen Familienunternehmen, in denen sie bis zur Belastbarkeitsgrenze tätig sind. Wenn Wirtinnen oder Wirte ausfallen, ist für viele Zulieferbetriebe, Mitarbeiter, Gäste wieder für längere Zeit Schluss.

Was ist also ihr Vorschlag?

Kalteis: Es muss die Möglichkeit bestehen, dass sich Wirte impfen lassen können, weil das die einzige halbwegs sinnvolle Planungssicherheit darstellt. Das kann auch entgeltlich sein, da geht es nur um die Minimierung von vermeidbaren Risiken.