Immer mehr Hochwasser-Einsätze im Pielachtal. Die Pegelstände steigen. Feuerwehr Kirchberg musste zum Soisbach ausrücken.

Von Gila Wohlmann. Update am 22. Juni 2020 (07:36)

Erste Auswirkungen zeigt der Starkregen im Pielachtal. Wegen der andauernden Niederschläge war der Soisbach stark angestiegen und drohte, eine Betonbirne bei der Baustelle Soisbach-Pielacheinmündung zu gefährden. Sofort rückte die Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Kirchberg aus. „Mit dem Kran wurde das Baugerät aus der Gefahrenzone gebracht“, schildert Feuerwehrmann Franz Dirnbacher.

„Ansonsten gab es bislang“, so Abschnittskommandant Andreas Ganaus, selbst Kommandant der FF Schwarzenbach, „bislang nur kleinere Einsätze.“ Sein Stellvertreter, Hofstettens Feuerwehrchef Walter Bugl, sagt, dass „die Mannschaften aber die Lage beobachten und in Bereitschaft seien“.

Seit Sonntagmorgen ist Rabenstein Bürgermeister Kurt Wittmann unterwegs, um stets die Wassersituation in seiner Gemeinde zu beobachten. „Derzeit regnet es sehr stark. Ich bin gerade von einer Begehung mit der Wildbach- und Lawinenverbauung zurückgekommen“, erzählt er.

Mögliches Hochwasser in Weinburg

Auch die Gemeinde Weinburg hat sich auf ein mögliches Hochwasser eingestellt: Beim Mühlbach wurden im Bereich der Fischteiche Sandsäcke ausgelegt. Die Feuerwehr Weinburg musste schon zu einem kleinen Kellereinsatz ausrücken. „Am Vormittag hat der Wehrbetreiber -  die Mühlbachgenossenschaft -  die Wehr auf ihre Tauglichkeit vorsorglich getestet“, informiert Vizebürgermeister Michael Strasser. Die Gemeinde Weinburg hat nämlich vor drei Jahren eine Pegelmessstelle  im  Bereich der Wehranlage installiert. „Diese hat am Vormittag erstmals eine kleine Warnmeldung, aber keine Alarmmeldung, abgegeben“, erzählt er.

Diese wurde installiert, um im Falle eines Versagens der automatischen Wehrsteuerung den Wehrbetreiber und Einsatzkräfte zu verständigen. Als Pegelstand der Pielach ist jedoch die Messstelle Hofstetten aussagekräftig. „Wir behalten den Pegelstand im Auge, in Weinburg sollte aber dieses Hochwasser keine Schäden anrichten“, meint der Vizeortschef.

„Bei uns hat sich die Situation zugespitzt. Im Bereich Edlitz-Öd und am Luberg ergießt sich Hangwasser über die Straßen. „Bauhof und Feuerwehr sind im Einsatz“, schildert Vizeortschef Michael Strasser.

Auch Rabenstein und Hofstetten-Grünau in Gefahr

„Wir haben derzeit ein zirka fünfjährliches Hochwasser. Laut hydrologischem Dienst soll der Höhepunkt noch heute erreicht sein“, sagt Rabensteins Bürgermeister Kurt Wittmann am späten Sonntagnachmittag. Feuerwehr und Gemeinde sind im Einsatz. „Bitte vermeidet, ans Wasser zu gehen. Das ist viel zu gefährlich!“, warnt das Gemeindeoberhaupt. Der Pielachtal-Radweg ist bereits teilweise gesperrt.

Da die Pielach im Bereich der „Pielachtaler Sehnsucht“ über die Ufer getreten ist, wurde in Hofstetten-Grünau ein Hochwasserschutz errichtet.

145 Einsätze von 40 Feuerwehren

Gegen 17 Uhr verzeichnete die Leitzentrale des Bezirksfeuerwehrkommandos St. Pölten-Land seit 7 Uhr morgens 145 Einsätze für die Bezirke St. Pölten-Land und Lilienfeld, rund 40 Feuerwehren waren ausgerückt. „Keller wie Straßen wurden überflutet, es gab etliche Verklausungen“, schildert Bezirksfeuerwehrkommandant Georg Schröder die Lage. In Maria Anzbach ist ein Baum auf ein Auto gestürzt und in Traisen hinter der VOEST ein Baum auf die Gleise der Traisentalbahn.

Lawinen- und Wildbachverbauung auf Hochwasserkontrolle

Seitens der Wildbachverbauung wurde im Laufe des Sonntags die Hochwassersituation in den Zubringerbächen der Pielach beurteilt. Das Hauptaugenmerk galt kritischen Bachbereichen, insbesondere bei Brücken und Durchlässen im Ortsgebiet, wo die Möglichkeit der Verklausung mit abgeschwemmten Wildholz besteht.
„Die Lage ist zwar stellenweise kritisch, aber es muss auch betont werden, dass sich die Investitionen in den Hochwasserschutz der letzten Jahre gelohnt haben und damit größere Schäden vermieden werden konnten“, sagt Christian Amberger von der Wildbach- und Lawinenverbauung.

Unmittelbarer Handlungsbedarf bestand beim aktuellen Baufeld am Loitzenbach in Rabenstein. Durch die derzeitige provisorische Wasserableitung bestand aufgrund der großen Mengen abgeführten Wildholzes die Gefahr einer Verlegung des Provisoriums und einer Überflutung der Baustelle. „Durch den raschen Einsatz eines Baggers unter Koordinierung durch Baupolier Manfred Klauser in enger Abstimmung mit Bürgermeister Kurt Wittmann und der Gebietsbauleitung konnte diese Situation aber schnell entschärft werden“, berichtet Amberger.