Kennzeichen geklaut: 20 Monate Gefängnis. 49-Jähriger muss in Haft, weil er sich Verkehrskontrolle entzog und Kennzeichen während Haftausgang gestohlen hat.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 01. August 2017 (05:54)
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Erst vor einem halben Jahr wurde er aus dem Gefängnis entlassen – jetzt sitzt ein 49-jähriger gebürtiger St. Pöltner schon wieder vor dem Richter. Angeklagt wird er wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Urkundenunterdrückung. Außerdem hat er 100.000 Euro Schulden. Festen Wohnsitz kann der Angeklagte keinen vorweisen. „Ich helfe bei einem Bauern im Mostviertel und darf dafür dort wohnen“, sagt er dem Richter.

Der Vorfall aufgrund dessen, der 49-jährige Österreicher schon wieder angeklagt ist, ereignete sich bei einer Verkehrskontrolle in der Nähe von Frankenfels. Der Angeklagte blieb kurz stehen, als ihn die Polizei aufhielt, aber als ein Polizist ins Auto hineingriff, um den Schlüssel abzuziehen, ist er davongefahren. Einige Achterl Wein hat er getrunken. „Ich war nur leicht beeinträchtigt“, ist der Angeklagte überzeugt.

Was zum prompten Rückzug führte, war das fremde Kennzeichen, das er auf seinem Auto montiert hatte. „Das haben die Polizisten bemerkt, als ich ihnen den Zulassungsschein gezeigt habe“, so der St. Pöltner.

Zusammenbrüche in der alten Heimat

Besonders pikant: Das Kennzeichen hat er sich während eines Haftausganges bei seiner letzten Inhaftierung besorgt. „Das ist schon frappant – die Strafvollzugsmaßnahmen scheinen bei Ihnen nicht zu greifen. Aber ich sehe oft Leute, die mehr Angst vor einer Psychotherapie haben, als vor dem Gefängnis“, so der Richter. Der 49-Jährige ist geständig. „Immer, wenn ich in meine alte Heimat St. Pölten oder Krems komme, habe ich Zusammenbrüche“, sagt er. Der Richter kontert: „Sie sind ein klassischer Alkoholiker, der die Schuld bei anderen sucht.“

Der Angeklagte war bereits acht Monate in einer Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher. „Das hat offensichtlich nichts gebracht“, so der Richter. Neun einschlägige Vorstrafen liegen vor. Erschwerend kommt der Diebstahl während des Ausgangs dazu. Bis zu drei Jahre Haft kann der Richter verhängen, 20 Monate Freiheitsstrafe werden es. „Versuchen Sie, eine vorzeitige Haftentlassung zu bekommen, machen Sie einen Entzug – aber nicht nur für ein paar Wochen“, rät der Richter. Das Urteil ist rechtskräftig.