Lehrwerkstätte "Linie 8" vor dem Aus. Ein Fortbetrieb der Pielachtaler Tischlerausbildungsstätte ist für die Betreiber nicht mehr kostendeckend.

Von Gila Wohlmann und Nadja Straubinger. Erstellt am 25. September 2018 (04:25)
Hackner
Die Linie 8 Lehrwerkstätte wird geschlossen. Dort wurden Jugendliche, die besonderer Förderung bedürfen, in Kooperation mit AMS, der WK und dem BFI ausgebildet.

Zwei Preise – Josef-Staudinger-Preis und Kreativpreis – konnte die Lehrwerkstätte des Vereins Linie 8 heuer bereits einheimsen. Jetzt ist alles vorbei. „Die Luft ist raus!“ So unterstreicht der Kirchberger Tischlermeister Leopold Gansch das nahende Ende der überbetrieblichen Lehrwerkstätte. Diese Woche sperrt die Ausbildungsstätte für herangehende Tischler und Holzbautechniker zu. „Endgültig“, wie Gansch, ehemaliger Obmann des Vereins, betont.

Der Grund ist für ihn leicht erklärt: „Es wurde trotz Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice und BFI immer schwieriger. Einerseits bekamen wir zu wenige Lehrlinge vermittelt, andererseits waren dann oft jene, die uns geschickt wurden, so schwach, dass auch wir sie nicht übernehmen konnten“, führt er aus. Und: „Der ganze Betrieb der Lehrwerkstätte war somit einfach nicht mehr kostendeckend, sodass wir vor zwei Wochen fix den Entschluss gefasst haben, zu schließen.“

„Es wurde trotz Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice und BFI immer schwieriger"

Erste Erwägungen in diese Richtung hätte man schon vor rund einem halben Jahr gehabt, aber dann noch versucht, weiterzumachen, auch, damit zumindest ein Teil der Auszubildenden noch die Lehre vollenden kann. „Vier Lehrlinge haben diese Woche ihre Abschlussprüfung, die zwei anderen wechseln in eine Lehrwerkstätte nach Loosdorf“, erzählt er.

Was ihn ärgert: „Es gab einfach zu wenig Unterstützung für uns, auch von politischer Seite.“ Er verstünde zwar, dass die Wirtschaft Lehrlinge direkt in den Unternehmen brauche aufgrund des Fachkräftemangels, aber gerade eben schwächere Jugendlichen bekämen, mutmaßt er, dort nicht so eine individuelle Förderung wie bei der „Linie 8“. „Man kann nur hoffen, dass sie dann auch ihrem Vermögen entsprechend ausgebildet und nicht ausgebeutet werden“, stellt er in den Raum.

„Dass wir zu wenige oder eben leider für dieses Berufsprofil viel zu schwache Bewerber vermittelt bekommen haben, war einer der Hauptgründe für unseren Entschluss.“

Seit zwei Jahren fungiert der Kirchberger Tischlerkollege von Gansch, Günter Grassmann, als neuer Obmann. Er schließt sich der Meinung von Gansch an: „Dass wir zu wenige oder eben leider für dieses Berufsprofil viel zu schwache Bewerber vermittelt bekommen haben, war einer der Hauptgründe für unseren Entschluss.“ Die Kooperation der Pielachtaler Holzbetriebe bleibt aber bestehen und wird als Verein unter der ,Linie 8‘ weitergeführt. „So ist es leichter, etwaige neue Projekte zu starten“, meint Grassmann.

Den Schritt bedauert auch Kirchbergs Bürgermeister Anton Gonaus: „Es wurde alles versucht, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Es ist schade, denn auch Jugendliche, die es schwer haben, eine Lehre zu finden, sind dort untergekommen.“