Musikschule im Lockdown: Hoffen auf analogen Unterricht. Pielachtal: Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Anna Maria Backnecht. Erstellt am 14. April 2021 (04:00)
Juliana Högel beim Online-Unterricht. 
Musikschule Ober-Grafendorf

Die Musikschulen im Bezirk mussten wegen der Pandemie schnell handeln, um weiterhin unterrichten zu können. Nach einem Jahr Corona ziehen die Musikschule Pielachtal und Ober-Grafendorf Bilanz: Kreative Unterrichtsmethoden sind gefragt und kommen gut an. Eine gewisse „Online-Müdigkeit“ sei dennoch zu spüren. Eine Schülerin berichtet von ihrer „Online-Erfahrung“.

„Uns fehlt einfach die Möglichkeit in größeren Gruppen zu arbeiten. Es dürfen keine Orchester gebildet werden und auch das Klassenmusizieren in Zusammenarbeit mit den Pflichtschulen darf nicht stattfinden“, bedauert Friedrich Anzenberger, Leiter der Musikschule Pielachtal. Selbst im kleinsten Rahmen sind Konzerte oder Klassenabende derzeit nicht möglich. Der Unterricht findet seit letztem Jahr überwiegend online statt. 

„Uns fehlt einfach die Möglichkeit in größeren Gruppen zu arbeiten"

Sein Lehrerteam ist nach wie vor sehr bemüht. Während der Lockdowns wird privates Equipment im Distance Learning von zu Hause aus eingesetzt, Lernvideos und Material zusammengestellt. Ebenso stellt er die tatkräftige Unterstützung der Eltern in den Vordergrund. „Manchmal müssen auch Unterrichtszeiten geändert werden“ erzählt Anzenberger, etwa wenn das Handy von den Eltern zum Online-Unterricht benötigt wird. Er bewundert seine Schüler, die „Großartiges leisten“ und die Übungen gut umsetzen. „Ihnen gebührt Hochachtung“, betont der Musikschulleiter. Dennoch fehle vor allem den Jüngsten der persönliche Kontakt und Bezug zu den Lehrern.

Um die Schüler bei Laune zu halten, sind kreative und pädagogische Maßnahmen erforderlich. Daher entwickelte der Musiklehrer ein „Komponie-Puzzle“, das die Motivation steigert. Die Schüler bekommen kleine Notenkärtchen zum Ausschneiden mit einzelnen Takten. Die Kärtchen können so in beliebiger Reihenfolge zusammengesetzt werden. „Damit ‚komponieren‘ die Kinder selbst kleine Melodien“, erzählt Anzenberger. Dies fördere die Kreativität und hebt den Spaßfaktor. 

Trotz der ganzen Herausforderungen schaut der Musikschulleiter positiv in die Zukunft: „Wir versuchen zuversichtlich zu bleiben und wollen sobald als möglich wieder schrittweise zur Normalität zurückkehren, es geht um die Zukunft unserer Kinder und um die Zukunft unserer Kultur, auf die wir zu Recht stolz sein können.“ Sobald die Lockdown-Phase vorbei ist, bietet die Musikschule Pielachtal Schnupperunterricht für Interessenten an. Dafür kann man sich jetzt schon auf der Homepage der Musikschule voranmelden. 

Schülerin fehlt das Singen im Ensemble

Auch in der Musikschule Ober-Grafendorf sehnen sich Schüler sowie Lehrer nach dem  Präsenzunterricht. „Die ersten Online-Unterrichteinheiten waren spannend. Jetzt ist es zur Routine geworden und nichts besonderes mehr“, stellt Musikschulleiterin Anna Thallauer fest. Klassenkonzerte via Videokonferenz werden gerade geplant. „Schüler einer Instrumentalklasse spielen sich über eine Video-Konferenz-Plattform gegenseitig vor, der betreffende Lehrer moderiert dieses Online-Konzert“, erzählt Thallauer. Dass diese Form keine Bühne und echtes Publikum ersetzen kann, steht außer Frage. Dennoch sei ein Online-Klassenkonzert ein Ziel, auf das man aktuell gut hinarbeiten kann. 

Juliana Högel besucht an der Musikschule Ober-Grafendorf die Fächer Gesang und Tenorhorn, sie berichtet von ihrer Erfahrung mit dem Online-Unterricht: „Gesangsunterricht online ist okay, aber Präsenzunterricht bei meiner Gesangslehrerin Elisabeth Zeh kann es leider nicht hundertprozentig ersetzen. Live werde ich von Elisabeth am Klavier begleitet, das wirkt sich positiv auf den Klang der Stimme aus“, erzählt die 16-Jährige. Außerdem fehlt der Schülerin das Singen im Vokalensemble, denn das ist im Lockdown ebenso nicht möglich. Auch das Jugendorchester Jomo, wo Julia mit ihrem Tenorhorn mitwirkt, muss derzeit pausieren. „Ich freue mich schon darauf, wenn der Musikschulunterricht wieder regelmäßig in gewohnter Form stattfinden kann“, berichtet sie. 

„Ich freue mich schon darauf, wenn der Musikschulunterricht wieder regelmäßig in gewohnter Form stattfinden kann“

Trotz der Corona-Bedingungen hat sich die Schüleranzahl im Vergleich zum letzen Jahr kaum geändert: „Sehr viele unsere Schüler haben Einzelunterricht gebucht.“ Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern gehe oft über ein klassisches Lehrer-Schüler-Verhältnis hinaus. „Man lernt ein Instrument und trifft dabei nicht nur einen Lehrer, sondern oft einen Freund und Vertrauten. Dieser Aspekt geht beim virtuellen Unterrichten ein wenig verloren“, bedauert Thallauer. Im Vordergrund stehe dabei immer die gute pädagogische Ausbildung der Lehrer, um die Schüler „bei der Stange zu halten“. Eine positive Ebene zwischen ihnen sei wichtig, „so kommen die Schüler gerne in die Musikschule“.

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