NÖ Hundehaltegesetz: „Gesetz ist ausreichend“. Gutes Funktionieren der bestehenden Regelung bestätigt Tierarzt. Gewisse Skepis äußern Hundefreunde an praktischer Umsetzung eines Sachkundenachweises.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 29. Juli 2020 (03:26)
Der zehnjährige Welsh-Springer-Spaniel „Diego“ ist treuer Begleiter des Ober-Grafendorfers Walter Horinek.
Horinek

Die Diskussion über die Haltung von Hunden in Niederösterreich ist durch den Vorstoß von FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl wieder entflammt. Die NÖN hat sich bei Hundehaltern und Hundeexperten im Bezirk bezüglich noch schärferen Bestimmungen umgehört.

Der Ober-Grafendorfer Polizist und Gemeinderat Walter Horinek ist begeisterter Hundebesitzer. „Nicht nur beruflich als Exekutivbeamter, sondern auch als Privatperson begrüße ich natürlich jegliche Maßnahme, die der Sicherheit dienlich und förderlich ist“, betont er. Dass jedoch ein „Beratungsgespräch“, ein Sachkundenachweis und ein Hundepass notwendig sein müssen, um einen Hund in der Zukunft halten zu dürfen, dem steht er skeptisch gegenüber. „Ich denke, dass das niederösterreichische Hundehaltegesetz bereits jetzt ausreichend Möglichkeit gibt, um einen auffälligen Hund entsprechend einstufen zu können und dem Hundehalter Auflagen zu erteilen“, meint er. Bei Vorfällen mit auffälligen Hunden wird dieses, weiß er aus beruflicher Erfahrung, auch angewendet.

„Ich sehe Überbürokratisierungen in allen Lebensbereichen, und da fällt auch die Hundehaltung hinein, sehr kritisch.“ Wolfgang Schiessl, Tierarzt

Er sieht auch die praktische Umsetzung des Sachkundebeweises nicht einfach, oft seien ja Kinder oder Jugendliche mit einem Familienhund unterwegs. Dann müsste jede Person, die Gassi geht, diesen Sachkundenachweis, erbringen. „Das würde auch auf mich selbst zutreffen, denn der Besitzer unseres Hundes ist meine Ehegattin“, schmunzelt er.

Sein Hund „Diego“ ist stets dabei und daher mit anderen Menschen vertraut. „Vielleicht ist auch das ein Erfolgsrezept für ein zufriedenes Miteinander zwischen Hundebesitzern und Nicht-Hundebesitzern“, meint er.

Dass das bestehende System ausreichend ist, davon ist auch der Rabensteiner Tierarzt Wolfgang Schiessl überzeugt. Behörden und Veterinärämter seien dadurch stets involviert, „um die wenigen schwarzen Schafe unter Beobachtung zu haben“. „Ich sehe Überbürokratisierungen, und da fällt auch die Hundehaltung hinein, in allen Lebensbereichen sehr kritisch“, richtet er aus. Er meint, dass die Novelle letztlich nicht viel ändern wird. Prinzipiell sei es aber richtig, betont er, einen künftigen Hundehalter vor der Anschaffung eines Tieres über alle damit verbundenen Pflichten aufzuklären. Außerdem meint er, dass es schwierig sei, im Vorfeld eine Hundequalifikation zu beurteilen, denn mit Hundehaltung stelle sich dann auch zunehmende Erfahrung im Umgang mit dem Tier ein.

Ein Beratungsgespräch ist beim Tierschutzverein St. Pölten Voraussetzung, um überhaupt einen Vierbeiner übernehmen zu dürfen. „Dabei reden wir darüber, ob die Lebensumstände für eine Haltung dieses Tieres geeignet sind und welche Eigenschaften dieses aufweist. Wir sprechen auch etwaige Probleme an und verschweigen nichts. Dieses Beratungsgespräch führen wir seit Jahren erfolgreich durch. 99,9 Prozent unserer abgegebenen Tiere verbleiben beim Halter“, betont Willi Stiowicek, Obmann des Tierschutzvereins St. Pölten.

Dass künftig mit dem neuen Hundepass ein zusätzliches Dokument von Nöten ist, stellt der St. Pöltner Tierheimleiter Davor Stojanovic infrage: „Ich schlage vor, dass man alle Unterlagen zu Hunden, daher auch den neu angedachten Hundepass, in einem Dokument unterbringt; sonst hat man künftig den herkömmlichen Impfpass, den internationalen Pass und noch den Hundepass. Das sind dann ja schon drei Pässe“, gibt er daher zu bedenken.

Hunde immer willkommen sind im Steinschalerhof von Johann Weiß, der seinen Betrieb in Warth auch stolz als „Hundehotel“ bezeichnet.

„Sich ein Haustier zu nehmen, ist eine moralische und soziale Verantwortung, die mit einer entsprechenden Grundausbildung einhergehen sollte“, sagt er. Wichtig sei es, dass das Tier als Teil der Familie gilt. Er empfiehlt auch, bei der Auswahl des Hundes, ein den Familien- und Lebensumständen angepasstes Exemplar zu wählen. Vom verpflichtenden Sachkundenachweis hält er nur wenig: „Es gibt so viele ältere Personen, die sich wirklich rührend um ihre Vierbeiner kümmern. Muss man von denen wirklich noch einen Sachkundenachweis verlangen?“, stellt er in den Raum.

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