Pielach wird wieder natürlicher. Die Lebensader des Dirndltals ist Untersuchungsobjekt für ein österreichweites Projekt. Es gibt Handlungsbedarf.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 10. Februar 2021 (03:51)

Ein neuer Vorstoß in Richtung zur abschnittsweisen Renaturierung der Pielach wird im Bereich Ober-Grafendorf und Weinburg unternommen. Im Rahmen des österreichweiten LIFE-Projektes „IRIS Austria“ werden unter Leitung des Bundesministeriums für Landwirtschaft an acht Flüssen, darunter auch die Pielach, neue Wege zu einem integrativen Planungsprozess für die heimischen Fließgewässer beschritten. An der Pielach beschäftigen sich Experten mit der gesamten Strecke von der Mündung in die Donau flussaufwärts bis zur Einmündung in den Nattersbach bei Flusskilometer 59,3.

Derzeit wird am Gewässerentwicklungs- und Risikomanagementkonzept kurz „GE-RM“ gearbeitet. Ziel dieses Projektes ist es, zukünftige Wasserbauprojekte hinsichtlich des Hochwasserschutzes und der Herstellung eines guten ökologischen Zustandes besser aufeinander abzustimmen. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, dass die Gewässer in guten Zustand gebracht werden müssen oder dieser erhalten werden muss. Das GE-RM soll heuer fertig werden. „Parallel wird mit der Planung von Pilotmaßnahmen mit Priorität in Ober-Grafendorf und Weinburg begonnen“, berichtet Martin Mühlbauer von der Firma EZB (Technische Büros für Angewandte Gewässerökologie, Fischereiwirtschaft, Kulturtechnik und Wasserwirtschaft). Weil die Pielach in früherer Zeit stark begradigt und reguliert wurde, kommt es zu starker Eintiefung und die natürliche kiesige Sohle geht großteils verloren. „Für die Lebewelt ist aber der Schotter nötig“, weiß Mühlbauer. Im Zuge des Projektes soll das Flussbett aufgeweitet werden, damit der Fluss wieder im Kiesbett pendeln kann. Dadurch komme wieder mehr Schotter zum Liegen. Im Bereich Rennersdorf kann man sich das zum Teil ansehen.

„Fischfresser wie Kormoran, Gänsesäger und Fischotter demaskieren jetzt die Probleme der Pielach, die es seit vielen Jahren gibt.“ Martin Mühlbauer, EZB

Für ein solches Projekt werden natürlich auch Grundstücksflächen benötigt. Weinburgs Bürgermeister Peter Kalteis hat bereits erste Gespräche mit den Eigentümern geführt. „Bisher sind sie positiv verlaufen“, berichtet er und hebt die Wichtigkeit des Projekts für ihn hervor. „Es ist zwar eine abgespeckte Version zu damals, aber ich bin froh, dass das jetzt umgesetzt wird“, sagt Kalteis. Schon seit Anbeginn seines Engagements für den Umweltschutz stehe die Pielach dabei ganz weit oben. Dass sich zum Thema Renaturierung etwas tut, darüber freut sich auch Ober-Grafendorfs Bürgermeister Rainer Handlfinger: „Es ist gut, dass wir jetzt zumindest einen Teil der Maßnahmen umsetzen können.“

Insgesamt werden im Rahmen des LIFE-Projektes „IRIS Austria“ rund 1,2 Millionen Euro für die Umsetzung der Pilotmaßnahmen von EU, Bund, Land Niederösterreich und den Gemeinden aufgebracht. Diese sollen als Vorbild für zukünftige Sanierungsmaßnahmen an der Pielach dienen. „Ziel im Gemeindegebiet von Ober-Grafendorf und Weinburg ist es, die Eintiefung des Flussbetts zu bremsen und den gewässerökologischen Zustand zu verbessern. Von den gewässertypischen Strukturen, die entstehen, wie Kiesbänke oder tiefe Kolke, sollen nicht nur seltene Arten, sondern auch Erholungssuchende und die ansässige Bevölkerung profitieren“, erläutert Johann Nesweda von der Abteilung Wasserbau des Landes.

Die Pielach ist in schlechtem Zustand

Notwendig ist das Ganze, weil sich die Pielach, wie neueste Daten zeigen, in keinem guten ökologischen Zustand befindet. „Die Pielach wird im Vergleich zu früher immer wärmer. Wir fürchten, es sind bereits drei Grad“, sagt Mühlbauer. Besonders für den Pielach-Huchen, den schon der Unterhaltungskünstler Peter Alexander gerne hier angelte, ist das ein Problem. Der Fisch, der zu den Forellenfischen zählt, kommt in kühleren Gewässern vor. Noch ist der Huchenbestand in der Pielach einer der bedeutendsten nördlich der Alpen. „Der Huchen ist ein Fischfresser, aber die Futterfische werden weniger“, erklärt Mühlbauer.

Zu den Futterfischen zählen etwa Barbe, Nase, Aitel und Äsche. „Über die Jahre sind etwa Nasen und Barben im Bereich Ober-Grafendorf fast ganz verschwunden“, berichtet der Experte. Grund für den schlechten Zustand der Pielach sei das Geschiebedefizit über die Jahre sowie die Kraftwerksnutzung. Die Fischpopulation verändert sich aber nur langsam. Es dauert 30 bis 50 Jahre und länger bis man am Fischbestand merkt, dass etwas nicht passt. „Fischfresser wie Kormoran, Gänsesäger und Fischotter demaskieren jetzt die Probleme der Pielach, die es seit vielen Jahren gibt“, erklärt Mühlbauer. Das System „Pielach“ sei zu wenig widerstandsfähig. Um dem Huchen weiterhin einen guten Lebensraum zu bieten, ist die Schaffung einer Durchgängigkeit für seine Wanderung nötig und die Schaffung von Lebensraum für die benötigten Futterfische. „Sonst verlieren wir den Huchen über die Jahre. Es ist ein Rennen gegen die Zeit“, weiß Mühlbauer.

GE-RM für Pielach ist in finaler Phase

Schon 2019 wurde der Auftrag für das GE-RM gemeinsam mit der Vorstudie vergeben. Die Abteilung Wasserbau des Landes Niederösterreich hat dazu ein Team Experten aus den Bereichen Hochwasserrisikomanagement und Gewässerökologie mit der Erstellung dieser Studie beauftragt.

„Die Vorstudie sowie die Bestandsaufnahmen für die GE-RM Planung wurden im Jahr 2020 abgeschlossen. Aufbauend auf diesen Grundlagendaten wurden Leitbilder und Entwicklungsziele für einzelne Abschnitte der Pielach formuliert. Aktuell wird an der Erstellung des abschließenden Maßnahmenkonzeptes gearbeitet.“, erklärt Nesweda.

Das LIFE-Projekt läuft bis 2027. Die auszuarbeitenden Pilot-Maßnahmen für die Pielach sollen also zeitnah umgesetzt werden. „Es wird im Rahmen des Projektes auch ein Monitoring stattfinden, damit wir sehen können, wie die Maßnahmen wirken“, erklärt Mühlbauer. „Die Ergebnisse des GE-RM sollen den Rahmen für zukünftige Planungen bilden“, führt Nesweda aus. Es ist ein neues Planungstool, das flächendeckend für Gewässer- und Flusseinzugsgebiete eingeführt werden soll, bei denen in Bezug auf Hochwassersicherheit und die gewässerökologische Entwicklung Handlungsbedarf besteht.