Streetwork Pielachtal: „Lage zuhause spitzt sich zu“. Jugendliche leiden unter Krise, weiß Streetwork Pielachtal. Probleme auch bei Erwachsenen: Mehr Wegweisungen.

Von Nadja Straubinger und Gila Wohlmann. Erstellt am 04. Februar 2021 (03:45)
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Seit über einem Jahr hat die Corona-Pandemie die Welt im Griff. Wie sehr Jugendliche im Pielachtal unter der Situation leiden, weiß etwa Barbara Rieder von Streetwork Pielachtal. Auch die Behörden orten schon Auswirkungen der Krise: Gefährdungsmeldungen und Wegweisungen werden mehr.

„Die Verlängerung des Lockdowns war aus Sicht der Jugendarbeit katastrophal“, betont Rieder. Das Thema Homeschooling sei für viele eine Belastung. Weil das Lernen über Emotionen besser funktioniere, aber die Sozialkontakte eingeschränkt seien, tun sich neue Problemfelder auf. Die Jugendlichen verlieren ein ganzes Jahr. „Wenn der Sprung ins Berufsleben ansteht und man schlechte Leistungen nicht ausbessern kann, ist das belastend für die Jugendlichen“, sagt Rieder.

„Die Lage zuhause spitzt sich mittlerweile immer mehr zu“

Auch auf die Psyche hat die Situation Auswirkungen. „Die Lage zuhause spitzt sich mittlerweile immer mehr zu“, weiß Rieder. In Hofstetten-Grünau musste das Team von Streetwork Pielachtal eine Gefährdungsmeldung bei der Bezirkshauptmannschaft machen.

Solche Meldungen gehören zwar laut Bezirkshauptmann Josef Kronister zur täglichen Arbeit, denn alle Lehrer und Kindergartenpädagogen werden für das Thema sensibilisiert. „Mittlerweile erkennen wir aber eine leichte Tendenz nach oben. Das war beim ersten Lockdown noch nicht so“, führt der Bezirkshauptmann aus. Es sei jedoch eher ein städtisches Problem, am Land zeige sich die Entwicklung nicht so stark.

Kommt es zu einer Meldung, rücken zwei Sozialarbeiter aus und schauen sich die Lage vor Ort an, ob Sicherheit für Kinder und Jugendliche garantiert werden kann. „Die Maßnahmen gehen von Hilfe anbieten, über Betreuung bis zur Fremdbetreuung“, erklärt Kronister. Das Ziel seien der Schutz und die bestmögliche Betreuung für das Kind.

Die Anzahl der Wegweisungen steigt

Dass die Corona-Pandemie die Gesellschaft vor große Herausforderungen, vor allem ökonomisch, gesundheitspolitisch, bildungspolitisch, aber auch in vielen gesellschaftlichen Fragen stellt, weiß auch die Polizei. „Ziel muss es sein, jene Menschen, die von Gewalt im privaten Bereich betroffen sind, zu ermutigen die Polizei verständigen“, sagt Polizeisprecher Johann Baumschlager. 160 Betretungs- und Annäherungsverbote sprachen die Beamten des Bezirkspolizeikommandos im Vorjahr aus.

„In einer Novelle Anfang 2020 wurde das Gewaltschutzgesetz auf Annäherungsverbote ausgeweitet, zum Beispiel bei Kindern, die sich in Schulen oder Kindergärten aufhalten“, informiert Baumschlager. Heuer soll der Schutz vor häuslicher Gewalt noch weiter ausgebaut werden, etwa durch mehr speziell geschulte Polizisten. Österreichweit gibt es derzeit mehr als 500 Präventionsbeamte, diese sollen ab diesem Jahr auf über 700 ausgebaut werden.