Erstellt am 10. Juli 2018, 04:35

Unsicherheit nach Wolf-Attacke auf Weidetiere. Unsicherheit nach Wolf-Attacke auf Weidetiere in Mauerbach bei Landwirten auch im Pielachtal. Experten betonen: Gefahr für Menschen besteht nicht.

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Bilder von gerissenen Schafen lassen derzeit auch die Pielachtaler Bauern besorgt Richtung Wald blicken. Denn die DNA-Analyse hat nun bestätigt: Der Wolf ist zurück im Bezirk St. Pölten.

Mitte Juni wurden die Tiere auf der Weide eines landwirtschaftlichen Betriebs in Mauerbach tot aufgefunden. „Bei uns ist gerade der Teufel los“, sagt Mauerbachs Bürgermeister Peter Buchner, sieht aber selbst keinen Grund zur Beunruhigung: „Der Wolf ist sicher weitergezogen.“ Keine Angst vor der Rückkehr des Wolfes hat auch die Besitzerin der Schafe Claudia Radbauer, die für den Verlust bereits vom Land entschädigt wurde: „Meine Kollegen sind aber schon beunruhigt.“

„Wölfe müssen beschossen werden, wir müssen sie so erziehen, damit sie scheu werden.“ Hermann Schultes, Präsident Landwirtschaftskammer NÖ

Und so wird auch bei den Pielachtaler Landwirten das Thema sehr kontroversiell diskutiert. Die einen sehen Gefahr, die vom Wolf ausgeht, die anderen lässt es kalt. Alois Schachermayer hält im Pielachtal 100 ostfriesische Milchschafe. Er schließt nicht aus, dass der Wolf ins Pielachtal kommt oder vereinzelte Tiere auch schon durchgezogen sind. „Schafe vor diesem Raubtier zu schützen, wird, vor allem bei größeren Weideflächen, nicht einfach“, ist Schachermayer überzeugt. Die Litzen von Elektroweidezäunen brechen mit der Zeit. Wenn Gras in den Zaun wächst, funktioniert der Zaun nicht einwandfrei. Eine Lösung für ihn wären Herdenschutzhunde, aber „die kosten Geld und man kann sie ja nicht bei jedem Wetter rund um die Uhr im Schafgehege lassen.“ Er sorgt sich um den Mufflonbestand am Geisbühel. Außerdem fügt er hinzu: „Vor wenigen Tagen habe ich auf unserem Grund in Kilb zwei tote Rehkitze gefunden. Sie wiesen schwere Verletzungen auf. Ob das ein Wolf war, kann ich nicht beurteilen. Ausschließen will ich es aber auch nicht.“

Im Gegensatz zu seinem Pielachtaler Kollegen sieht Schafzüchter Josef Wanger aus Pyhra das Thema gelassen, schließlich gab es in der Region noch keine Probleme mit dem Wolf. Auch bei Wanger sind die Tiere mit einem elektrischen Zaun auf der Weide gesichert. Ebenso wenig besorgt ist der Böheimkirchner Reitstallbesitzer Christian Ruziczka: „Unsere Pferde sind über Nacht im Stall und daher nicht gefährdet. Ein einzelner Wolf wäre für ein gesundes ausgewachsenes Pferd aufgrund des Größenunterschiedes keine Gefahr.“

Maximal zehn Wölfe im ganzen Land

Der Wolfsbeauftragte der Veterinäruniversität Wien Georg Rauer vermutet, dass in ganz Österreich derzeit maximal zehn Wölfe unterwegs sind. Die DNA-Probe des Wolfes aus Mauerbach zeigte, dass das Tier aus den Westalpen gekommen ist. Gefahr für Menschen bestünde derzeit keine. „Es gibt Fälle in Polen, wo Kinder angegriffen wurden. Da wurde der Wolf aber angefüttert und an den Menschen gewöhnt. Das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden“, appelliert Rauer.

Dass der Mensch nicht als Beute in Frage kommt, betont auch Daniel Heindl von der Landwirtschaftskammer (LK). Er sieht vor allem im Wienerwald Vorsicht geboten: „Es ist ein riesiges Ausflugsgebiet. Dort sollten in nächster Zeit Hunde an der Leine geführt werden.“ Bei einer Begegnung mit einem Wolf rät Heindl, sich kurz bemerkbar zu machen und sich dann langsam zurückzuziehen: „Keine Selfies mit dem Wolf machen oder dem Wolf nachgehen.“ Zur Vorsicht rät auch Anton Hieger, Kammerobmann des Bezirks St. Pölten: „Wenn die Population zunimmt, werden sich Rudel bilden. Der Wolf wird, wenn er sich weiter vermehrt, sicher ein Thema sein, das uns in den nächsten Jahren beschäftigt.“

Der Wolf steht nach einem EU-weiten Gesetz unter strengem Schutz. Nach dem Vorfall in Mauerbach fordert LK-Landespräsident Hermann Schultes aber eine Änderung des Schutzstatus: „Wenn der Wolf bis hierher gekommen ist, dann haben wir ihn in den Siedlungen. Wölfe müssen beschossen werden, wir müssen sie so erziehen, damit sie scheu werden.“

Artenschutz-Experte Arno Aschauer vom WWF sieht hingegen in „rechtswidrigen Abschussfantasien“ keine Problem-Lösung. Stattdessen brauche es rechtskonforme Management-Konzepte mit Herdenschutz-Maßnahmen und Entschädigungen. „Anstatt Ängste vor dem Bösen Wolf zu bedienen, müssen international bewährte Lösungen ausgebaut werden.“