„Altes Auto braucht ein altes Taferl“. Josef Wildburger und Rudolf Huber haben noch schwarze Kfz-Kennzeichen. Viele Oldtimer-Fans beneiden sie darum.

Von Teresa Lobinger und Lisa Röhrer. Erstellt am 06. August 2019 (03:28)
Max Steiner
Bauunternehmer Joe Wildburger präsentierte seinen ganzen Stolz. In seiner Garage steht ein Morgan und auch der hat noch ein schwarzes Nummerntaferl.

Ein weißes N, gefolgt von der Zahl 23 und einer dreistelligen Ziffernkombination – in den 80er-Jahren waren St. Pöltens Straßen voll mit Autos, die diese Kennzeichen trugen. Mittlerweile ist Josef Wildburgers dunkelgrüner Morgan damit ein echter Exot. Der Bauunternehmer ist einer von 644 Lenkern in der Stadt, auf deren Gefährt immer noch alte Taferl prangen. Für Wildburger ergänzt das nostalgische Kennzeichen seinen Oldtimer perfekt: „Es passt einfach zum Auto, deshalb hab‘ ich’s noch“, erklärt er. Dass man die schwarzen Kennzeichen, obwohl sie seit 1990 nicht mehr ausgegeben werden, nicht auf weiße Taferl in EU-Norm austauschen muss, freut den St. Pöltner: „Auf so ein altes Auto passt ja nichts anderes. Natürlich ist es kindisch, aber es hat schon einen gewissen Wert für mich“, schmunzelt Wildburger, der seinen Morgan schon seit über 30 Jahren besitzt.

Fahrzeuge mit schwarzen Nummerntaferln rollen auch im Bezirk noch durch die Straßen und über die Felder. Insgesamt gibt es dort noch 3.147 schwarze Exemplare. Eines davon – schon etwas verblasst – prangt am Traktor von Rudolf Huber aus Traismauer. „Wirklich wichtig ist mir das eigentlich nicht. Ich will den Traktor nur nicht abmelden, weil die Versicherung so billig ist“, bemerkt der Wagramer mit einem ehrlichen Lachen. Für das alte Stück Blech, über das er sich kaum Gedanken macht, wird der Traismaurer aber von vielen Auto-Liebhabern beneidet.

Schwarze Taferl sind in Oldtimer-Szene begehrt

Denn gerade bei Oldtimer-Fans sind die alten Taferl immer noch heiß begehrt, wie die NÖN-Recherche zeigt: „Ich bin ein großer Oldtimer-Fan und selbst frischgebackener Besitzer eines solchen. Natürlich hätte ich für meine Puch-500 lieber ein schwarzes Taferl, weil es einfach passender wäre, fürs Gesamtbild“, erzählt etwa der St. Pöltner Arzt Christof Remtisch.

Auch Café im Palais Wellenstein-Wirt Tezcan Soylu hätte für seinen Mercedes 280 Coupé sec, Baujahr 1969, gerne schwarze Kennzeichen. „Jeder Oldtimerfahrer legt Wert auf Originalität, sie würden viel besser passen als die neuen Nummertafeln“, ist er überzeugt. Ähnlich sieht das der Eisenstädter Robert Moser. Den Oldtimer- und Teilemarkt im VAZ besuchte er mit seinem Jaguar MKII 340, Baujahr 1968. Vorbesitzer des Wagens war Burgschauspieler Fritz Muliar. „Natürlich wären schwarze Taferl kultiger und würden viel besser zum Stil der Zeit passen. Noch wichtiger wäre aber, dass Oldtimerbesitzer nicht so viel Steuer zahlen müssten, wir fahren mit unseren Autos ja kaum 300 Kilometer im Jahr“, meint er.

"Natürlich ist es kindisch, aber die alten Taferl haben schon einen gewissen Wert für mich.“ Josef Wildburger

Dass der Sammlerwert der alten Taferl nicht zu unterschätzen ist, unterstreicht auch Roland Neuhauser. „Wir hätten wirklich gerne eins, haben aber leider keins“, lacht er. Der Obmann der Traisentaler Oldtimer-Freunde weiß, dass die alten Kennzeichen mit weißer Schrift auf schwarzem Grund in der Szene noch große Bedeutung haben. „Es ist sehr aussagekräftig, wenn ein Auto noch ein altes Taferl hat“, ist er überzeugt. Daran erkenne man, dass das Fahrzeug „schon ewig“ in der Familie ist und durchgehend angemeldet war. „Manchmal ist es zum Beispiel so, dass der Opa ein Auto hatte, das mittlerweile schon der Onkel fährt. Die Kennzeichen hat aber nie jemand gewechselt“, meint Neuhauser.

Trüben können die neuen Kennzeichen die Leidenschaft für alte Autos aber noch lange nicht: „Mit oder ohne altem Taferl – wir lieben unsere Puch“, grinst Remtisch. Selbst die Jugend könne man für das nostalgische Gefährt begeistern, betont der Mediziner: „Wenn ich meinen Sohn Julius von der Schule abhole, wollen immer mindestens zwei Freunde mit uns mitfahren. Mich freut’s, dass sich die Jugend für alte Autos interessiert und mein Sohn mich auf die Messen wie den Teilemarkt im VAZ begleitet – viel besser als vorm Computerspiel zu sitzen“, findet der Oldtimer-Freund.