Gewalt gegen Frauen steigt: Zivilcourage zeigen ist wichtig

Bis Ende Oktober gab es im Bezirk St. Pölten mehr Betretungs- und Annäherungsverbote als gesamt 2020.

Erstellt am 03. Dezember 2021 | 05:41
Lesezeit: 2 Min
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Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und SPAR-Geschäftsführer Alois Huber präsentierten die Initiative gegen Gewalt an Frauen.
Foto: Kraus

Ein „Nein“ zur Gewalt gegen Frauen ist ein „Ja“ zu den Menschenrechten: Im Rahmen der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ wird weltweit vom 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen, bis zum 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte, das Recht auf ein gewaltfreies Leben eingefordert.

Im Bezirk St. Pölten-Land gab es heuer in Neulengbach einen Frauenmord. Ein 66-Jähriger erschlug seine Partnerin mit einem Maurerfäustel. Nur eine von 28 ermordeten Frauen bundesweit in diesem Jahr. 51 weitere wurden im Umfeld lebensgefährlich verletzt.

Im Bezirk St. Pölten-Land wurden von Jahresbeginn bis Ende Oktober 179 Betretungs- und Annäherungsverbote verhängt. Im gesamten Jahr 2020 waren es hingegen insgesamt 160 Fälle.

Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler stellt beim Blick auf die Statistik fest, dass Gewalttaten in der Familie sich im Juli und Dezember häufen. „Juli ist Urlaubszeit, Dezember die emotionale Zeit rund um Weihnachten und damit einhergehend das nähere und intensivere Beisammensein in der Familie“, begründet er dies.

Nur wenige Fälle sind im Vorhinein bekannt bzw. polizeilich evident.“ Gerhard Pichler Bezirkspolizeikommandant

Den Anstieg an Anzeigen im Bereich häuslicher Gewalt führt er aber auch darauf zurück, dass die Hemmschwelle, (Verdachts-)Fälle zu melden, sinkt. Pichler: „Gott sei Dank trauen sich die Menschen, zur Polizei zu gehen.“

Ebenso im ländlichen Bereich wagen sich immer mehr Menschen, nicht mehr zu schweigen. Denn hier war die Scheu oftmals groß, dass eine Anzeige die Situation schlimmer machen könnte. „Wichtig wäre auf jeden Fall ein Mehr an Bewusstseinsbildung. Das Angebot des Landes und in Schulen sollte weiter forciert werden“, meint Pichler, denn: „Nur wenige Fälle sind im Vorhinein bekannt bzw. polizeilich evident.“

„Merkwürdige“ Fälle bei der Polizei zu melden, zeuge von Zivilcourage: „Wir klären ab, inwieweit eine Gefährdung besteht“, sagt er. Corona mit all seinen Einschränkungen kann sich in Form häuslicher Gewalt zeigen, weiß Olinda Albertoni, Leiterin des St. Pöltner Frauenhauses: „Vor allem sind es die Frauen, die die ,pandemische Gewalt‘ in Form von massiven Belastungen in den Bereichen Arbeit, Haushalt, Kinderbetreuung oder Altenpflege erfahren.“

Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und die Firma Spar setzen ein wichtiges Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Mit dem Rechnungsbeleg erhält der Kunde einen „Nachkassenbon“ mit einer Telefonnummer und Webadresse (auch als QR-Code). Von Gewalt Betroffene finden hier Informationen oder einen direkten telefonischen Kontakt zu Hilfseinrichtungen.