Senior-Seilschaft klettert zu Rekord. Hans Stuphan und Toni Seeböck klettern seit 60 Jahren. Im STKZ schafften sie schon fast 4.500 Touren.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 07. Mai 2019 (04:28)
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„Das Alter setzt keine Grenzen“, sind sich Hans Stuphan und Toni Seeböck einig. Die beiden sind mit ihren 79 beziehungsweise 81 Jahren die absoluten Rekordhalter im Kletterzentrum Weinburg: 560 Mal besuchten die beiden Männer die Einrichtung seit ihrer Eröffnung vor fast zwölf Jahren. Insgesamt sind sie dort bald 4.500 Touren geklettert.

Dienstag ist für die beiden Weinburger Kletter-Tag. Sie treffen einander am Vormittag im STKZ. „Einer klettert, der andere sichert, dann umgekehrt. So machen wir das seit vielen Jahren“, erzählen die beiden. Besonders stolz sind sie darauf, dass sie von den 270 Routen, die in dem Freizeitzentrum bis zum Schwierigkeitsgrad 8B reichen, noch alle bis 5C schaffen. „Der Sport hält uns eben jung. Wenn wir uns mit Gleichaltrigen vergleichen, stehen wir schon noch ganz gut da“, schmunzelt Stuphan. Um noch mehr für die Fitness zu tun, unternimmt er neben dem wöchentlichen Besuch der Kletterhalle außerdem jeden Donnerstag eine Bergtour. „Ich war acht Mal am Großglockner, zwei Mal am Mont Blanc und mit 60 im Himalaya“, erinnert sich der 79-Jährige, der auch seine Lebensgefährtin für den Sport begeistern konnte.

Vom Krankenbett in die Kletterhalle

Klettern bedeutet für das sportliche Duo Lebensqualität. Unterkriegen lassen hat es sich selbst von gesundheitlichen Rückschlägen nicht: „Ich hatte einen Bandscheibenvorfall, sechs Wochen später bin ich wieder geklettert, dem Arzt hab‘ ich halt nichts davon erzählt“, schmunzelt Stuphan, der früher bei der Firma Reinberger in St. Pölten arbeitete.

Seinen Freund Seeböck traf es noch ein wenig schlimmer: Er erlitt vor einigen Jahren einen Gehirnschlag, lag einige Wochen im Koma, saß später im Rollstuhl. „Nach vier Monaten bin ich trotzdem wieder geklettert. Man fängt sich irgendwie wieder in der Halle“, erzählt der frühere Voith-Angestellte.

Die beiden Weinburger kennen einander von klein auf, sind seit der Kindheit befreundet. Vor der Eröffnung des STKZ gingen sie in der Natur gemeinsam Berg- und Kletter-Touren. „Aber so richtig gefallen hat mir das irgendwie nie, ich klettere gern, gehen mag ich weniger“, lacht Seeböck. Umso glücklicher war der heute 81-Jährige als 2007 das Kletterzentrum in seiner Heimatgemeinde eröffnete: „Kletterhallen kannte damals noch fast niemand. Für uns war das ein großes Geschenk“, erinnert er sich.

„Wenn wir uns mit Gleichaltrigen vergleichen, stehen wir gut da.“ Hans Stuphan

Dass sie ihre große Leidenschaft gemeinsam ausüben können, freut das Weinburger Duo: „Das ist auch wichtig. Es gehört viel Vertrauen zum Klettern. Das Leben hängt schließlich am Partner“, meint Stuphan. Unfälle haben die beiden in all den Jahren einige gesehen. „Wenn jemand einmal nicht aufpasst oder sich ablenken lässt, stürzt der andere ab. Das ist gefährlich“, weiß Stuphan, der beobachtet, dass viele das Sichern nicht ernst genug nehmen. Selbst ist den beiden in 60 Jahren voller Kletter-Abenteuer aber zum Glück nie etwas passiert.

Größer wird die Angst vor einem Unfall übrigens auch im Alter nicht, sind sich die beiden Weinburger einig. „Aber man schätzt die Gefahren mehr ab“, fügt Seeböck hinzu.

Genug haben die STKZ-Rekordhalter von ihrem Sport jedenfalls noch lange nicht. Wie lang sie noch klettern wollen? „Na solange wir raufkommen“, lachen Hans Stuphan und Toni Seeböck.