Saatgut aus dem Pielachtal in ganz Europa. Einige Schritte sind notwendig, bis der fertige Zucker auf den Tellern landet. Aufwendiger Pflanz- und Ernteablauf steckt hinter Rübenproduktion.

Von Bernhard Burmetler. Erstellt am 07. April 2021 (03:34)
Die Rüben zur Saatgutproduktion werden mit einem Abstand bis zu 25 Zentimetern gesetzt.
Burmetler

Wie viel Produktionsaufwand hinter einer handelsüblichen Haushaltspackung Zucker steckt, zeigen mehr als 6.000 Rübenbauern in Österreich. So ist etwa Familie Schmidl einer der Vermehrerbetriebe im Raum St. Pölten. In Zusammenarbeit mit 32 weiteren Betrieben von Tulln bis Melk stellen sie ihr eigenes Rübensaatgut auf 250 Hektar her.

Die Produktion für das perfekte Saatgut erstreckt sich über zwei Jahre. Im ersten Jahr werden die Stecklinge angebaut, die dann im Herbst in Kisten frostfrei gelagert werden. Im darauffolgenden Jahr werden auf dem Feld acht Zeilen weibliche und dazwischen zwei Zeilen männliche Stecklinge gesetzt. Die „Männchen“ werden nach der Blüte wieder herausgehäckselt und im Herbst werden die bestäubten „Weibchen“ mit dem Mähdrescher geerntet.

Stefan Schmidl hilft bei der Setzung der Stecklinge mit
Burmetler

Bei idealen Bedingungen wird dann daraus das Saatgut für die Zuckerrübe und aus der Rübe dann der Zucker. Somit braucht es einige Schritte bis der fertige Zucker auf den Tellern landet.
Beim Pflanzen gibt es allerdings einiges zu beachten. „Der Steckling wird mit der Spitze nach unten mit einem Abstand von 20 bis 25 Zentimetern in die Erde gesetzt“, schildert Doris Schmidl. Dafür gibt es keine Maschine, es ist Handarbeit erforderlich. „Wir möchten bewusst machen, wie viel Aufwand hinter einer Packung Zucker steckt“, erzählt Doris Schmidl. Das Schwierigste an dem ganzen Prozess sei, die Sortenreinheit zu erhalten. „Wir produzieren in Österreich sehr hochwertiges Saatgut“, weiß Schmidl. Bis zu 60 Prozent des in Österreich produzierten Rübensaatgutes gehen europaweit in den Export. Schweden, Holland oder Italien sind nur einige Beispiele.

„Wir möchten bewusst machen, wie viel Aufwand hinter einer Packung Zucker steckt“ Doris Schmidl, Landwirtin in St. Margarethen

Der Klimawandel und die Witterung spielen eine entscheidende Rolle bis zum fertigen Produkt. „Die Rübe hat es gerne warm und feucht. Alle zwei Wochen ein Landregen wäre am besten und natürlich Sonnenschein“, informiert Schmidl. Extremer Frost wäre bei jungen Blättern besonders fatal. Trockenheit und Hochwasser sind für die Rübenproduktion ebenfalls verheerend.

Das fertige Saatgut wird mit einer Beize gegen Schädlinge geschützt.
Burmetler


Falls das Wetter mitspielt, ist die Pflege der nächste Ankerpunkt. „Die Blattkrankheit Mehltau und Läuse sind die größten Herausforderungen. Zudem müssen wir schauen, dass das Feld unkrautfrei bleibt“, berichtet Doris Schmidl. Gefahr besteht auch für die Jungpflanzen. Hier kann der Drahtwurm oder der Rübenerdfloh das Wachstum und die Ernte beeinflussen. Eine Beize des Saatgutes schafft hierbei Abhilfe.

„Heuer bauen wir acht Hektar Zuckerrüben an. Pro Hektar brauchen wir eine Packung mit cirka 100.000 Samen“, informiert Schmidl abschließend.