Schulbilanz nach Corona: Vieles muss wiederholt werden. Ein ungewöhnliches Schuljahr ist zu Ende. Die NÖN fragte Direktoren, Lehrer, Schüler und Eltern, wie es ihnen ergangen ist.

Von Nadja Straubinger, Gila Wohlmann und Gerhard Hackner. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:28)
Die Rabensteiner Volksschüler Jannik Niklas Tiefenbacher, Anna Sophie Zöchbauer, Philip Sieder und Paula Stark (v. l.) blicken auf ein nicht alltägliches Schuljahr zurück.   Foto: Wohlmann
Wohlmann

Dieses Schuljahr wird bestimmt bei Klassentreffen in kommenden Jahrzehnten Thema sein, denn ein Sommersemester wie dieses gab es noch nie in der Geschichte der heimischen Bildungsinstitute.

Der Corona-Lockdown mit 16. März hat schlagartig die Klassenräume verwaist. Homeschooling war bis wenige Wochen vor Schulschluss angesagt.

Doch welche Spuren hat der Lockdown hinterlassen? Wie ist Homeschooling in der Region tatsächlich gelaufen? Die NÖN hat ein Resümee erstellt.

Homeschooling kann normalen Unterricht nicht ersetzen

„Die Zusammenarbeit zwischen Schülern, Lehrerin und Eltern hat sehr gut funktioniert“, sagt Anneliese Brandner, Direktorin der Volksschulen Rabenstein und Tradigist.

Die Kinder hätten brav die aufgetragenen Aufgaben erledigt, jene, die keinen Laptop haben, nutzten via Smartphone die Schulapp. „Auch jene Kinder, die in der Schule betreut wurden, hatten denselben Stoff durchzuarbeiten, waren daher nicht bevorteilt“, betont sie.

Dennoch kann Homeschooling für Brandner den normalen Unterricht nicht ersetzen. Im Herbst müsse man sicher, vor allem bei den schwächeren Schülern, einiges wiederholen und festigen. „Ich hoffe, dass keine zweite Corona-Welle kommt. Wir wollen im Herbst in einen normalen Schulalltag starten.“

„Es war sehr schön zu sehen, dass alle zusammengehalten und geholfen haben.“Natalie Pieber, Schulsprecherin NMS Frankenfels

Auch in der Mittelschule Kirchberg waren die letzten Monate eine Herausforderung. „Unsere Lehrkräfte haben verschiedene Möglichkeiten gewählt, um die Schüler zu betreuen: persönliche Zustellung der Materialien oder per Post und Mail. Es gab aber auch Lernprogramme und Videounterricht“, berichtet Direktor Alfred Bruckner.

Dennoch sei die Verunsicherung noch immer groß. „Die Eltern sorgen sich, dass Schüler das Versäumte nicht nachholen werden“, sagt Bruckner und hebt hervor, dass die Situation besonders für Kinder, die niemanden haben, der ihnen helfen kann, einen Nachteil bedeutet. „Manche Eltern waren überfordert. Lehrer konnten einige wenige Kinder gar nicht erreichen“, gibt Bruckner zu bedenken.

Dass das Homeschooling gut funktioniert hat, aber anstrengend war, betont die Schulsprecherin der Mittelschule Frankenfels, Natalie Pieber. „Man war auf sich alleine gestellt und musste sich den neuen Arbeitsstoff selbst beibringen.“ Dennoch sei es aber immer möglich gewesen, die Lehrer zu kontaktieren, wenn man Fragen hatte. Per Anruf, Textnachrichten und Videokonferenzen kam dann die Antwort.

Durch den Wegfall von Schularbeiten und Tests fiel der Lernstress. Bei all den Einschränkungen sieht Pieber auch etwas Positives in der Situation: „Es war sehr schön zu sehen, dass alle zusammengehalten und geholfen haben. COVID-19 hat uns Schüler jedoch sehr zum Nachdenken gebracht, da wir noch nie in so einer Situation waren.“

Heindl: Zusammenrücken trotz Abstandhalten

„Es war eine Zeit des Zusammenrückens, trotz des Abstandhaltens“, sagt auch der Direktor des BG/BRG Lilienfeld, Josef Heindl, der an seiner Schule auch viele Pielachtaler Schüler hat. Während anfangs noch Arbeitsaufträge per Mail verschickt wurden, kam danach Schoolfox zum Einsatz.

„Bei uns waren alle Schüler erreichbar“, hebt Heindl hervor. Natürlich sei nicht von allen Schülern und Schülerinnen gleich viel gekommen, aber das sei ja in der Schule nicht anders. Nach kleinen Anfangsschwierigkeiten griffen Lehrer in manchen Fächern auf verschiedene Plattformen zurück, um direkt zu unterrichten.

In der HLW Türnitz, wo ebenfalls viele Pielachtaler unterrichtet werden, verwendeten die Schüler vor dem Ausbrechen der Corona-Pandemie Online-Tools. „Es war ein Vorteil, dass wir das System seit etwa zehn Jahren verwenden und der Großteil der Lehrer damit gut vertraut ist“, erklärt HLW-Direktorin Bärbel Koupilek. Trotzdem sei es herausfordernd gewesen, alles innerhalb von 48 Stunden auf Homeschooling umzustellen.

Anfangsschwierigkeiten habe es zwar gegeben, das habe aber an den überlasteten Servern gelegen. „Die Schulen konnten da wenig dafür“, führt sie aus. Nach ersten Problemchen haben alle Schüler ihre Aufträge erfüllt und zum Teil nachgearbeitet. „Der Aufwand war sehr groß. Besonders bei neuen Themen musste man sich überlegen, was man an der Tafel erklären würde und die Unterrichtsmaterialien entsprechend vorbereiten“, sagt die Direktorin. Für den Herbst sind die Direktoren optimistisch und hoffen „normal“ ins Schuljahr starten zu können. Man ist aber auch für den Ernstfall vorbereitet.

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