Hofstetten-Grünau

Erstellt am 19. Februar 2019, 04:36

von Mario Kern

Tinktur soll Biber vertreiben. Tierschützer hoffen, dass Nager-Pärchen ohne Nahrung das Weite sucht.

Marion Löcker und Silvia Kernstock-Haselböck bestrichen Sträucher mit einer Tinktur, die das Biber-Pärchen vertreiben soll.  |  Tina Eder

„Diese Tinktur soll sogar einige Jahre halten“, verrät Marion Löcker beim Aufbringen einer durchsichtigen Flüssigkeit an den Bäumen und Sträuchern auf dem Areal der Pielachtaler Sehnsucht. Gemeinsam mit 13 Freiwilligen bestrich die Obfrau des Tierschutzvereins Robin Hood am Sonntag die Flora rund um den Badesee – die Kosten trägt der Verein. Der Quarzsand halte das Biber-Pärchen davon ab, an den Pflanzen zu nagen, erklärt Löcker. Ihrer Nahrungsquelle beraubt, sollen die an sich bereits zum Abschuss freigegebenen Biber so freiwillig die Sehnsucht verlassen. „Damit wäre allen gedient: Die Biber werden nicht getötet und die Gemeinde hätte nicht mehr das leidige Problem, die Tiere fortschaffen zu müssen.“

Ursprünglich wollte Löcker die Bäume und Sträucher nur mit einem Drahtgeflecht ummanteln. „Bei den Weiden hätte sich das aber schwierig gestaltet.“ Den Vorschlag, eine Tinktur anzubringen, habe sie von Experten der Landesregierung bekommen, so Löcker.

„Ich muss doch mit Tieren rechnen, wenn ich in einem Naturteich bade. Ein Biber wird außerdem kein Kind anfallen.“ Marion Löcker, Robin Hood

Auf die Biber-Misere aufmerksam geworden ist die engagierte Tierschützerin durch Medienberichte. Danach habe sie sich mit Bürgermeister Arthur Rasch getroffen. Das Dilemma der Gemeinde versteht Löcker: „Blöd, dass die Gemeinde in der Haftung ist. Das muss geändert werden. Ich muss doch mit Tieren rechnen, wenn ich in einem Naturteich bade. Ein Biber wird außerdem kein Kind anfallen. Aber ich verstehe natürlich den Bürgermeister, dass er nach dem Hecht-Vorfall vorsichtig ist, weil er für etwaige Vorfälle haftet.“

Bei der Aktion mit dabei war auch FP-Gemeinderätin Julia Nussbaumer, die Ende des Vorjahres eine Lösung finden wollte, um den Abschuss zu verhindern. „Gut, dass jetzt Tierschützer aktiv werden.“ Den Bibern die Nahrungsquelle zu entziehen, habe sie sogar im Gemeinderat vorgeschlagen gehabt. „Das hat leider keinen Anklang gefunden. Ich hoffe nun, dass es gelingt, die Tiere auf diese Weise zu vertreiben.“

 Ortschef hofft auf Biber-Rückzug

 Eine reibungslose Lösung des Biber-Problems würde auch VP-Bürgermeister Arthur Rasch begrüßen. „Wenn das gelingt, ist es gut. Ich habe nichts dagegen, das war mit mir so abgesprochen.“ Rasch gibt allerdings zu bedenken, dass sich die Biber theoretisch jederzeit wieder aufs Areal der Sehnsucht „stehlen“ könnten. „Derzeit sind die Zäune noch bewusst offen gelassen. Sollten die Biber verschwinden, könnten sie aber jederzeit wieder ein Loch graben.“

Rasch steht unter Druck: Wenn es nicht gelingt, die Tiere durch die Tinktur zu vertreiben oder notfalls zu erlegen, müsse die Badesaison in der Sehnsucht ausgesetzt werden. „Von April bis September ist Schonzeit, da darf dem Biber nichts zuleide getan werden. Bleibt er, macht er aber wieder alle Arbeiten am Gelände zunichte.“

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