Erstellt am 14. April 2018, 05:58

von Maria Prchal

Bitcoins: Ein „Goldrausch“ an der Pielach. Norbert Bauer schürft Kryptowährungen wie Bitcoin im Tal. Der Strom dafür kommt aus Wasserkraftwerken.

Hunderte Server liefern die Leistung, um im Pielachtal Kryptogeld zu schürfen.  |  NOEN, privat

Ein verlassenes Pielachtaler Gebäude wurde aufwendig modifiziert, nun wird dort Rechenleistung in Geld umgewandelt. Event-Unternehmer Norbert Bauer hat dort mit drei Kollegen in eine Server-Farm investiert. Mit hunderten Rechnern schürfen ihre Kunden dort verschiedene Kryptowährungen. Ihre Firma Coin-Factory stellt die Hardware zur Verfügung, mit der dann Bitcoin, Ethereum oder Litecoin gewonnen werden.

Ins Kryptowährungs-Geschäft eingestiegen sind die Gründer bereits 2016. Nach einiger Vorbereitungszeit gingen im September 2017 die Server ersten in Betrieb. „Man kann auch abseits des Event-Business nette Dinge machen“, schmunzelt Bauer. Der Kundenkreis umfasst den St. Pöltner Betriebsarbeiter ebenso wie Ärzte und Star-DJs.

Zur Gewinnung von Kryptowährungen braucht es auch Strom, und nicht zu wenig. Mehrere Hundert Kilowattstunden fressen die Server. „Da haben wir eine schöne Lösung vor Ort gefunden“, erzählt Bauer. Die Server werden mit Strom aus den Wasserkraftwerken an der Pielach gespeist: „Unser Kryptowährung-Mining läuft mit 100 Prozent Öko-Strom.“ Die Internetversorgung für die Farm ist stabil genug. Genutzt werden sowohl Glasfaserleitungen als auch Mobilfunk-Netze. Einzeln sind die Verbindungen schon ausgefallen, beide gemeinsam noch nicht.

In fünf Sekunden nach China überweisen

Im digitalen Geld sieht Bauer klare Vorteile: „Eine Überweisung nach China dauert über den regulären Bankweg eine Woche. Mit Kryptowährungen nur wenige Sekunden.“ Er selbst hat in der Vergangenheit zwar in Kryptowährungen investiert, spekuliert damit aber nicht. Die „Coin-Factory “ vergibt lediglich die Kapazitäten.

Bauer ist mit dem Geldgeschäft großgeworden, sein Vater Johann Bauer war Vorstandsdirektor der Volksbank. Der war am Anfang skeptisch: „Er wusste nicht, dass Kryptowährungen mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Seit einiger Zeit verfolgt er selbst den Kurs.“

Den genauen Standort der Serverfarm im Pielachtal kann Bauer aus Sicherheitsgründen nicht verraten. Allerdings ist bereits eine weitere Serverfarm im Traisental geplant. „Wir befinden uns derzeit in den Endverhandlungen“, verrät der Unternehmer.