Ärger wegen Biberbau in Rabenstein. Johann Weiß kritisiert das spontane Entfernen eines Biberbaus. Die Gemeinde und Wildbachverbauung entgegnen, dass es „nur“ ein Bauwerk von Kindern war.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 02. April 2020 (03:29)
Biberbau oder kein Biberbau? Das ist hier die Frage. Unterschiedlicher Ansicht sind Gastronom Johann Weiß, die Gemeinde Rabenstein und die Wildbachverbauung.
Johann Weiß

„Es ist wirklich nicht zu fassen, wie hierbei vorgegangen wurde“, ärgert sich Johann Weiß vom Steinschalerhof. Grund seines Unmuts: ein Biberbau im Tradigistbach wurde einfach entfernt.

„Immer habe ich den Biber gesehen. Diese Attraktion kam auch bei unseren Gartenführungen sehr gut an“, erinnert er sich. Dies bestätigt auch eine Mieterin auf seinem Anwesen. Auch sie hätte „sich immer wieder am Biber erfreut“. Doch plötzlich war der Bau weg. Entfernt von Gemeindemitarbeitern.

„Gerade in einer Zeit, wo der Biber bald seine Jungen bekommt. Das war wirklich nicht notwendig“, meint Johann Weiß. Es sei, beteuert er, keine Gefahr in Verzug gewesen, denn: „Der Bau war an drei Stellen durchlässig.“ Bürgermeister Kurt Wittmann bestätigt, dass aufgrund eines Anrufs eines besorgten Anrainers agiert wurde. Gestautes Wasser hätte mitunter die nahe gelegene Siedlung gefährdenden könnten. „Es handelte sich aber um keinen Biberbau. Hier haben Kinder aus Holz etwas gebaut“, betont Wittmann. Der Biber hätte an anderer Stelle im Tradigistbach agiert.

„Der mutmaßliche Damm war meines Erachtens ein von Menschenhand geschaffener Querriegel.“ Eduard Kotzmaier, Lawinen-/Wildbachverbauung

Eduard Kotzmaier von der Lawinen- und Wildbachverbauung erklärt indes auf NÖN-Anfrage: „Der mutmaßliche Damm beziehungsweise die Absperrung war in etwa 0,4 Meter hoch und bestand aus Steinen, mehreren Holzpfostenstücke von rund einem Meter Länge sowie viel Geäst. Meines Erachtens war es wahrscheinlich ein von Menschenhand geschaffener Querriegel.“

Zudem hätte es dadurch im bachabwärts folgenden rechtsseitigen Außenbogen zu Abflusserhöhungen sowie bei den bachabwärts folgenden Querungen zu Verklausungen kommen können.

Grundsätzlich einiges bei der Biberthematik zu beachten, erklärt er: „Angenagte Bäume können bei Gefahr in Verzug wie Gefährdung eines Wanderweges, eines Hausgartens oder Kinderspielplatzes vom Grundeigentümer selbst entfernt werden. Die begleitende Dokumentation mit Foto ist wichtig.“ Bei einem von einem Biber errichteten Damm ist die Naturschutzbehörde (Land Niederösterreich, Bezirkshauptmannschaft) zu verständigen. „Die selbstständige Entfernung ist hier zu unterlassen“, so Kotzmaier.

Anders sieht die aktuelle Entfernung im Tradigistbach Steinschalerhof-Hotelier Johann Weiß und beruft sich dabei auch auf Unterlagen von Biberexperten. „Das war ein Biberbau. Wenn Gefahr im Verzug ist, muss man natürlich was machen, aber das war hier sicher nicht der Fall.“