Brandstifter zu zwei Jahren Haft verurteilt. Ein brennendes Auto in St. Aegyd, ein Schuss durchs Schlafzimmerfenster und drei angezündete Handymasten im Pielachtal: Zwei 29-Jährige erinnern sich vor Gericht an wenig.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 31. März 2021 (03:42)
Auch Internet-Masten soll der 29-Jährige angezündet haben: Von diesem Vorwurf wurde der Mann freigesprochen.
FF Tradigist, FF Tradigist

Im Februar 2020 um drei Uhr nachts setzt ein 29-Jähriger einen schwarzen Audi in einem Carport in St. Aegyd in Brand. Den Besitzer des Autos kennt er nicht. Der, der wirklich ein Problem mit dem Besitzer hat, ist ein Freund des Zündlers. In jener Nacht im Februar betrinken sich die beiden, der Freund beschreibt dem anderen die Lage und das Auto. Der Mann fährt hin, findet es und zündet es mit Kaminanzündern an. Allein - es ist das falsche Auto. Es gehört einem völlig Unbekannten.

Das weiß der Zündler zu dem Zeitpunkt aber nicht. Weil er nicht erwischt werden will, macht er sich schnell davon und fährt zurück nach Hause. Ein Glück, dass ein Unbeteiligter vorbeikommt, die Flammen bemerkt und es schafft, sie zu löschen.

Mit der Schrotflinte durchs Fenster

„Ich war betrunken und habe Drogen genommen“, sagt der 29-Jährige, der dazu vor Gericht geständig ist. Er kann sich an vieles nicht erinnern. Der Staatsanwalt sieht es als Versuch, die eigene Schuld herunterzuspielen. Auch der Richter ist skeptisch und fragt sich, wie der Angeklagte denn zum Tatort und wieder zurückfahren konnte, wenn er angeblich so „aus der Welt“ war, dass er sich an kaum etwas erinnern könne. Darauf hat der Angeklagte auch keine Antwort. Fünf Tage später fahren der Angeklagte und sein Freund von einem Gasthaus nach St.Aegyd. So weit, so gut, wäre da nicht eine geladene Schrotflinte auf der Rückbank. Weil der Freund die Waffe vom Angeklagten kaufen möchte, bleiben sie stehen, um sie zu testen – mitten in der Nacht, im Ortsgebiet, just vor dem Haus jenes Mannes, mit dem der Freund Streit hatte und dessen Auto der Angeklagte wenige Tage zuvor anzünden wollte.

Bevor es der Angeklagte laut eigener Aussage bemerkt, ist der Freund samt Schrotflinte auch schon ausgestiegen und feuert einen Schuss ab. Der geht durchs Schlafzimmerfenster des Mannes. Verletzt wird er nicht, da er sich zu der Zeit im Wohnzimmer befindet. Dass der Angeklagte vom Vorhaben seines Freundes nichts gewusst haben will und auch nicht bemerkte, dass dieser beim Aussteigen die Waffe mitnahm, glauben ihm weder Richter noch Schöffen.

„Ich wollte dem Mann nur einen Schrecken einjagen. Er (Anm.: der Angeklagte) hat es mitbekommen, aber zu spät. Ich habe gesagt, ich will zum Wald fahren, um die Waffe auszuprobieren“, sagt der Freund, der bereits zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde und in diesem Verfahren als Zeuge aussagen muss. Dass er bei seinem Schuss eigentlich das Wohnzimmer treffen wollte, macht die Sache nicht besser. Beide sagen, sie seien auch zu diesem Zeitpunkt betrunken gewesen. Aber damit nicht genug.

Der Angeklagte muss sich weiters vor Gericht verantworten, weil er drei Internet-Masten in Steinklamm, Mainburg und Tradigist angezündet haben soll. Dies bestreitet er jedoch, kann sich aber vorstellen, dass das sein Freund gewesen ist (derselbe, der den Schuss abgegeben hat). Der habe des Öfteren von gefährlicher Strahlung durch die Masten geredet. Der Freund behauptet allerdings das Gegenteil: Sie hätten das Anzünden der Masten gemeinsam geplant, er selbst sei es aber jedenfalls nicht gewesen. Er denkt, der Angeklagte habe den Plan ohne ihn durchgezogen. Wer auch immer es gewesen ist, hat einen Schaden von rund 15.000 Euro verursacht. „Ich bereue, dass ich mich habe beeinflussen lassen“, sagt der Angeklagte am Schluss des Beweisverfahrens. Der Schöffensenat zieht sich zur Beratung zurück. Nicht alle sind einer Meinung. Die versuchte Brandstiftung im Falle des Autos ist für das Urteil entscheidend, darauf steht eine Strafe von einem bis zehn Jahre Haft. Realistisch wären in diesem Fall drei Jahre.

Mildere Haftstrafe aufgrund von Fairness

Der Angeklagte bekommt zwei Jahre Haft - also genauso viel wie sein Freund erhalten hat. Zum Fall mit den Internet-Masten wird er freigesprochen, die Beweise reichen nicht aus. Schuldig ist er aber wegen versuchter Brandstiftung, gefährlicher Drohung und Sachbeschädigung. „Genau das sind die gefährlichen Täter, die die sich keine großen Gedanken machen, wenn sie etwas anzünden“, sagt der Richter. Das Urteil soll andere von ähnlichen Taten abhalten. Es ist rechtskräftig.