Ortschefin Thallauer: „Nehme mir Zeit zum Nachdenken“. Bürgermeisterin Brigitte Thallauer zieht eine erste Bilanz, berichtet über anstehende Projekte und wie sich St. Margarethen für Starkregenereignisse rüsten will.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 06. September 2021 (06:12)
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Brigitte Thallauer über die Herausforderungen in ihren ersten eineinhalb Jahren als Bürgermeisterin von St. Margarethen.
Straubinger

St. Margarethens Bürgermeisterin Brigitte Thallauer ist die Nächste im Reigen der Sommergespräche. Sie zieht eine Bilanz über ihre ersten eineinhalb Jahre als Bürgermeisterin, spricht über die Herausforderungen der Corona-Krise und über Aktivitäten für den Klimaschutz.

NÖN: Sie sind seit eineinhalb Jahren Bürgermeisterin. Welche Bilanz ziehen Sie?

Brigitte Thallauer: Mein Start mit Corona war sehr herausfordernd. Zum Glück habe ich sehr gute Mitarbeiter, die mich in allen Bereichen unterstützen und mir dadurch auch den Einstieg erleichtert haben. Die nächste Herausforderung kam mit dem Hochwasser im August letzten Jahres, das viele Bereiche unseres Ortes schwer getroffen hat. Bis heute sind wir noch mit der Behebung der Schäden beschäftigt.

Welche Herausforderungen gibt es für Sie als Frau in der Funktion?

Entscheidungen muss man genauso treffen wie ein Mann, und es ist schon schwierig, sich zu behaupten. Besonders in den Bereichen Kanal- und Straßenbau musste ich mich einlesen, das ist immer wieder eine Herausforderung. Aber ich habe geschäftsführende Gemeinderäte, die mir eine große Stütze sind. Ich nehme mir auch die Zeit, über Dinge in Ruhe nachzudenken und erst dann eine sachliche Entscheidung zu treffen.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Gemeinde?

Corona hat uns getroffen wie alle anderen auch, aber ich denke, wir sind gut durchgekommen. Bei der ersten Welle hatten wir viele, die geholfen haben, um unsere alleinstehenden und älteren Gemeindebürger zu unterstützen. Unsere Nahversorger haben geliefert, das Gemeindeamt war die ganze Zeit erreichbar. Die Disziplin der Bevölkerung ist gut, wir haben bis jetzt nur 44 Fälle. Der wirtschaftliche Bereich trifft uns auch. Projekte verschieben sich, weil Baufirmen und Betriebe ausgelastet sind.

Wie ist die Gemeinde als Arbeitgeber mit der Pandemie umgegangen?

Wir haben im Schichtdienst gearbeitet, Heimarbeitsplätze eingerichtet und dafür gesorgt, dass unsere Mitarbeiter nicht zusammenkommen. Der Vizebürgermeister und ich haben uns die Aufgaben ebenfalls aufgeteilt, und wir haben uns in dieser Zeit nicht persönlich getroffen. Unsere Mitarbeiter sind geimpft und lassen sich laufend testen, um zusätzliche Sicherheit zu haben.

Wie hat sich die Pandemie auf die Bevölkerung ausgewirkt?

Die Menschen haben sich häufiger am Gemeindeamt gemeldet, und es war auch eine Unzufriedenheit über die Einschränkungen und Verordnungen spürbar. Besonders herausfordernd war es für die Senioren und die Familien. Arbeitende hatten eine Alltagsroutine, die Senioren und Kinder haben sehr gelitten.

Wie geht es der Wirtschaft inSt. Margarethen?

Vor allem die Wirte hatten sehr zu kämpfen. Sie sind aber mit dem Auskochen gut über die Runden gekommen. Auch unsere Dienstleister waren natürlich besonders betroffen. Es ist eine große Erleichterung für alle, dass es zur Zeit wieder fast normal läuft, und wir hoffen, dass es durch diszipliniertes Verhalten auch so bleibt.

Welche Projekte stehen in den nächsten Monaten an?

Ende August haben wir mit der Errichtung der Aufbahrungshalle gestartet. Unser Großprojekt, den Anschluss der Katastralgemeinde Türnau an Kanal und Wasserleitung, haben wir verschoben. Die Kosten waren zu hoch, deshalb wird es im Winter eine neue Ausschreibung geben. Das Feuerwehrhaus ist sowieso erst für nächstes Jahr geplant.

Thema öffentlicher Verkehr und Radwege. Wie ist die Gemeinde aufgestellt?

Beim öffentlichen Verkehr sind wir sehr schlecht aufgestellt. Vor allem die Anbindung der Ortsmitte ist sehr dürftig. Es gab viele Gespräche mit dem VOR, unsere Wünsche wurden aber leider nicht umgesetzt. Die Schulanbindung bis Ober-Grafendorf funktioniert einigermaßen gut, der Schulweg nach St. Pölten ist schon etwas herausfordernd. Bei den Radwegen laufen zur Zeit Gespräche für Anbindungen nach Bischofstetten und Ober-Grafendorf.

St. Margarethen ist immer wieder von Starkregen betroffen. Was wird dagegen gemacht?

Es wurde eine Studie über den Sierningbach-Wasserverband in Auftrag gegeben, um überregionale Lösungen zu finden. Wir können keinen Hochwasserschutz im üblichen Sinn bauen, wollen aber eine Alarmierung bei kritischen Pegelständen einrichten. Ein großes Problem bei uns sind auch die vielen Nebengerinne. Für Fasangasse und Sierningstraße haben wir einen Ziviltechniker beauftragt, der Entschärfungsmöglichkeiten prüfen soll. Auch die Eigenverantwortung wird eine große Rolle spielen. Viele Bürger haben selbst schon Vorkehrungen getroffen.

Was tut St. Margarethen für den Klimaschutz?

Den Grundsatzbeschluss für eine Photovoltaikanlage haben wir schon gefasst. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde die Vergabe für die Sonnenstromanlage auf dem Gemeindeamt, dem Kindergarten und dem Bauhof beschlossen. Damit wollen wir unseren Eigenbedarf abdecken. Das werden wir mit Bürgerbeteiligung machen. Weiters haben wir einen engagierten Bürger, der in Absprache mit dem Sierning-Wasserverband entlang der Sierning Bäume pflanzt und so für die notwendige Beschattung sorgt – und dadurch auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

Was fehlt in St. Margarethen?

Baugründe und Betriebsgebiete. Die Nachfrage ist groß. Ressourcen hätten wir genug, aber sie werden von den Eigentümern nicht freigegeben.