Zuchtstrategie für Dirndl im Pielachtal. Trockenheit verringert den Ertrag der Kornelkirsche im Pielachtal. Auch die gesundheitlichen Aspekte können mit Züchtungen künftig noch stärker genutzt werden.

Von Gerhard Hackner und Nadja Straubinger. Erstellt am 26. November 2020 (04:00)
Trockenperioden setzten der Dirndl zu. Zuchtstrategien sollen die Zukunft der Dirndl im Pielachtal sichern.
Johann Weiss, Johann Weiss

„Jede Dirndlstaudn ist anders!“, haben die Pielachtaler schon immer gesagt. Nun wurde diese Annahme und vieles mehr auch wissenschaftlich im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojektes von Pflanzenbiotechnologin Margit Laimer und ihrem Team von der Universität für Bodenkultur in Wien bestätigt.

„Jede Dirndlstaudn ist anders!“

Seit Jahrhunderten wird die Dirndl im Pielachtal und dem benachbarten Traisental genutzt. Aber auch der Dirndl macht die Klimaveränderung zu schaffen, besonders die Trockenperioden. „Die bisher als trockentolerant bekannte Kornelkirsche hat plötzlich keinen verwertbaren Ertrag mehr geliefert. Offensichtlich müssen wir im Jahr 2020 Trockenresistenz neu definieren“, erklärt Laimer. Regionale Wetterdaten haben gezeigt, dass die Jahresdurchschnittstemperatur in den vergangenen zehn Jahren im Pielachtal um besorgniserregende zwei Grad angestiegen ist.

Im Projekt untersuchte das Team 425 Dirndlsträucher und deren Früchte an 40 verschiedenen Standorten in drei verschiedenen Tälern (Pielach-, Traisen- und Gölsental). Jede Pflanze erhielt einen Pflanzenpass mit den Infos der Besitzer. Die Stauden waren von sechs bis 15 Jahren bis über 100 bis 150 Jahre (das waren die meisten), sogar Jahrhunderte alten Exemplare waren dabei. In der genetischen Analyse zeigte sich, dass keine Dirndl der anderen gleicht und sie somit eindeutig unterschieden werden können. „Wir sehen es als unsere Hauptaufgabe, intelligente Züchtungsstrategien zu entwickeln, um auch in Zukunft ertragreiche Dirndlpflanzen aufweisen zu können. Diese reichen von der Auswahl der geeignetsten Genotypen zu Anbaumaßnahmen wie Rückschnitt und Bewässerung. Züchterisch sind sowohl eine einheitlichere und verkürzte Reifezeit, eine bessere Kernlöslichkeit, ein erhöhter Fruchtfleischanteil von Bedeutung“, erklärt die Pflanzenbiotechnologin. Wichtig sei es, auch die Entwicklung von Krankheiten rasch zu erkennen, um Ausfälle zu vermeiden.

Hoher Vitamin-Gehalt und andere Wirkstoffe

In der Studie sahen sich die Forscher auch Zuchtstrategien für die gesundheitlichen Aspekte an. „Denn es ist schon länger bekannt, dass Kornelkirschen eine perfekte Vitamin-C-Quelle sind. Schon 100 Gramm der Früchte decken fast den kompletten Tagesbedarf eines Erwachsenen, der bei 110 Milligramm liegt“, erklärt Laimer. Sowohl die Farbpalette der Früchte hatte eine hohe Schwankungsbreite wie auch die Antioxidantien. „Spannend war das Vorkommen von Iridoiden und phenolischen Verbindungen, das im Zusammenhang mit gesundheitsrelevanten Aspekten aus der asiatischen Verwandten, der Cornus officinalis, bekannt war“, erklärt Laimer.

Dazu zählen unter anderem die antimikrobielle Wirkung zur Behandlung von Entzündungen, die Stimulierung der Blutzirkulation, die Verbesserung der Leberfunktion oder die positive Wirkung bei der Behandlung von Diabetes. „Die vorhandene genetische Vielfalt soll durch die Züchtungen keinesfalls verringert werden. Allerdings macht es für die Ernte durchaus einen Sinn, die sogenannten ,Lieblings-Dirndln‘, also die Sträucher mit besonders wohlschmeckenden und großen Früchten, zu fördern und zu veredeln“, führt die Universitätsprofessorin aus. Mit dem Dirndl-Projekt wurde ein Fundament gelegt, um die zukünftige Dirndl-Produktion in der Region sicherzustellen und zu erweitern. Außerdem könne die Wirtschaftlichkeit der bäuerlichen Betriebe durch eine Erweiterung der Produktepalette gestärkt werden, ist das Forschungsteam überzeugt.