Pielachtaler Schulen: Pistenunterricht gibt‘s noch. Angebot in der Region noch immer gefragt, Schulen um geringe Kosten bemüht.

Von Bernhard Burmetler, Corina Berger und Marlene Groihofer. Erstellt am 14. Januar 2020 (05:11)
Spaß im Schnee: Durch Schulskikurse kommen viele Kinder erstmals auf die Bretter, die die (Ski-)Welt bedeuten.
Fahrnberger

Kommt der Schnee, dann geht es für die Schülerinnen und Schüler auf die Piste. Oder etwa nicht mehr? Der heimische Skinachwuchs ist nicht im Steigen begriffen, der einstige Volkssport wird immer teurer, für manche unleistbar. Ob der Schulskikurs trotzdem noch Saison hat?

„Unsere zweiten Klassen fahren heuer nach Lackenhof, die dritten Klassen nach Radstadt“, sagt der Direktor der NMS Ober-Grafendorf, Peter Kärcher, der es für wichtig hält, dass jedes Kind zumindest einmal die Möglichkeit bekommt, Skifahren zu probieren. Keinesfalls hält Kärcher den Schulskikurs darum für ein Auslaufmodell: „Ich finde sehr wichtig, dass es dieses Angebot weiterhin gibt.“

Man sei außerdem bemüht, die Kurse so günstig wie möglich zu gestalten: „Jeder kann über den Elternverein um finanzielle Unterstützung ansuchen“, so Kärcher, „und es gibt Kooperationen vor Ort, wo man eine Skiausrüstung leihen kann.“ In den letzten Jahren habe man stets gute Erfahrungen gemacht.

Mehr als 90 Prozent der Schüler nehmen auch an der NMS Frankenfels nach wie vor am Pistensport teil, im März geht es nach Salzburg. Das Interesse der Frankenfelser am Skisport ist nicht zuletzt durch den örtlichen Skistar Marc Digruber ungebrochen: „Die Begeisterung ist groß. Und wir haben auch einen Skiclub in der Gemeinde“, so Direktor Reinhard Wilhelm.

NMS Frankenfels: Langlauf als Alternative

Nichtsdestotrotz, Ski fahren sei ein teurer Sport: „Es gibt einen Großsponsor, der die Familien finanziell unterstützt“, sagt Reinhard Wilhelm, „je mehr Kinder mitfahren, desto günstiger wird es.“ Und es gebe Alternativmöglichkeiten, wie etwa eine Langlaufgruppe: „Ich würde unser Angebot daher eher als Wintersportwoche bezeichnen“, so der NMS-Direktor.

Auch die Pielachtaler Volksschüler zieht es nach wie vor auf die Pisten: Die Volksschule Rabenstein/Tradigist organisiert einen Skitag in Lackenhof. „Mit dem Programm ‚ski4School‘ der Firma Blaguss ist das sehr gut leistbar“, so Leiterin Anneliese Brandner. Zwei Drittel der Rabensteiner Schüler nehmen daran teil, aus Tradigist sind alle mit dabei. „Wir wollen den Skitag auch in Zukunft beibehalten, da die Kinder sehr sportbegeistert sind“, so Anneliese Brandner.

Auch die Volksschüler aus Hofstetten-Grünau fahren mit ‚ski4school“ auf den Annaberg – das Angebot inkludiert etwa Busfahrt, Tageskarte und Ski-Verleih-Option. „Auch Gemeinde, Kindergarten und NMS bieten in Hofstetten-Grünau Skikurse an“, so Volksschul-Leiterin Brunnhilde Frühwirth, die vor allem den „sozialen Aspekt“ und die „gemeinsame Freude an der Sache“ betont.

„Tolle Sache für die Gemeinschaft“

„Für die Schule sind die Kurse sehr wichtig, da sie eine super Sache für die Gemeinschaft sind“, betont auch der Direktor der HTL St. Pölten, Martin Pfeffel. 90 Prozent der Schüler seien nach wie vor dabei. Das Finanzielle sei nur in Ausnahmefällen ein Problem, „da der Elternverein sofort unterstützt, sollte es Probleme geben.“

350 bis 400 Euro kostet eine Woche etwa. „Angeboten werden neben Ski fahren und Snowboarden auch Langlaufen, Skating und ein bisschen Biathlon“, so Pfeffel, „auch eine Alternativgruppe gibt es, die Rodeln, Schneeschuhwandern und Eislaufen gehen kann.“

„Letzte Chance das Skifahren zu lernen“

In der HAK St. Pölten liegt der Schwerpunkt mittlerweile auf der Sommersportwoche, „da die Kinder einfach immer weniger Wintersport machen“, erklärt Direktor Thomas Huber. Neben mangelndem Interesse sei auch die finanzielle Belastung ein Grund für weniger Wintersport.

Dabei habe man versucht, mit Schneeschuhwandern auch ein Angebot für finanziell Schwächere auf die Beine zu stellen. „Allerdings gab es dafür zu wenig Interesse.“ Skitage gibt es an der HAK aber weiterhin: „Dieses Jahr fahren wir aufs Hochkar.“

Die Tourismusschule hält nach wie vor an der Wintersportwoche fest, nicht nur aufgrund ihrer inhaltlichen Ausrichtung.

Direktor Michael Hörhan sieht den Schulskikurs für manche Kinder als rare Chance, die Piste überhaupt noch zu erobern: „Heute, wo viele Eltern mit ihren Kindern gar nicht mehr sportlich tätig sind, ist das schulische Angebot oft die letzte Möglichkeit, das Skifahren kostengünstig zu erlernen.“

Umfrage beendet

  • Skikurse werden nach wie vor für die Schüler des Pielachtales organisiert. Findet ihr es wichtig, dass Kinder noch Ski fahren lernen?