„Animal hoarding“ im Pielachtal. 13 Hunde mussten zwischen Schlamm und Kot ihr Dasein fristen. Halter sollen sich als Leonberger-Züchter ausgeben. Zehn der Vierbeiner kamen ins St. Pöltner Tierheim.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 04. Juni 2021 (19:08)

Der Zivilcourage von aufmerksamen Tierschützern ist es zu verdanken, dass die Behörde über einen schweren Fall von „Animal Hoarding“ im Pielachtal in Kenntnis gesetzt wurde. 13 Hunde fristeten unter unzumutbaren Bedingungen ihr Dasein.

„Die Tiere mussten zum Teil im Freien hinter einem Baustellengitter vegetieren. Überall war Kot und die Tiere lagen darin!“, schildert eine Tierschützerin, die auf den Fall aufmerksam gemacht hat.

„Es war einfach ein Wahnsinn. Die Tiere litten seit längerer Zeit unter schwersten Durchfällen. Ihr Fell war voller Schlamm und Exkrementen.“Der St. Pöltner Tierheim-Leiter Stojanovic

Lediglich alte Holzpaletten hatten die Vierbeiner als Liegefläche, mitten im Schlamm. Andere Tierfreunde hätten sie informiert, dass die Hunde nicht mit ausreichend Futter und Wasser versorgt würden. „Wenn es Futter gab, wurde dieses einfach am Boden im Dreck aufgestreut“, ist die Hundefreundin entsetzt.

Am Dienstag machte aufgrund der Anzeige die Polizei mit dem Amtstierarzt und Vertretern des Tierschutzvereins St. Pölten eine Nachschau. Und wirklich: Sämtliche Vorwürfe bestätigten sich.

„Es war einfach ein Wahnsinn. Sechs Hunde wurden im Freien gehalten, sieben in der Wohnung. Dort war alles voller Kot. Die Tiere litten seit längerer Zeit unter schwersten Durchfällen. Ihr Fell war voller Schlamm und Exkrementen“, ist Davor Stojanovic, Leiter des St. Pöltner Tierheims, fassungslos.

Die Hundehalter sollen sich als Leonberger-Züchter ausgeben. Es waren auch zwei Welpen dabei. Besondere Sorgen macht sich Stojanovic um zwei Hündinnen. Diese sind in besonders erbärmlichen Zustand „Sie bekommen jetzt Infusionen. Ich hoffe, dass sie überleben“, sagt Stojanovic.

Sämtliche Tiere sind stark untergewichtig. Keiner hätte sich wirklich um sie gekümmert oder sei mit ihnen Gassi gegangen. Ein weiterer Hund soll sogar vor kurzem verstorben sein.

„Es ist kein Kavaliersdelikt, Tiere so zu quälen. Das ist das Schlimmste, was ich in den letzten fünf Jahren gesehen habe“Davor Stojanovic

Die Behörde hat zehn Hunde umgehend beschlagnahmt; sie sind nun im St. Pöltner Tierheim. Drei Vierbeiner, deren Zustand nicht so schlecht ist, sind vorläufig noch bei den Besitzern. „Wir hoffen aber, dass wir auch diese bekommen“, sagt der Tierheimleiter.

Die Tierhalter seien sich nur bedingt der Tragweite ihres Fehlverhaltens bewusst. „Man darf aber auch nicht vergessen, dass Personen, wo es so weit kommt, selbst Unterstützung für ihre Lebensführung brauchen“, meint er.

Dennoch hofft er, dass die Behörde ein fixes Tierhalteverbot gegen die beiden ausspricht. „Es ist kein Kavaliersdelikt, Tiere so zu quälen. Das ist das Schlimmste, was ich in den letzten fünf Jahren gesehen habe“, grollt der Tierheimchef.

Dem St. Pöltner Tierschutzverein entstehen durch die medizinische Betreuung der Hunde nun hohe Kosten. Spenden werden jederzeit entgegen genommen. Sobald alles behördlich geklärt ist und die Tiere gesund sind, werden sie vergeben. „Man kann sich aber jetzt schon voranmelden“, hofft Stojanovic auf einen tollen Lebensplatz für jeden der geretteten Vierbeiner.