"Rammelhof" im Gespräch: „In mir brodelt der Wahnsinn“. General Geri und Urgos Brutalos von „Rammelhof“ über ihre Musik, kleine Konzerte und ihre Vorbilder.

Von Beate Riedl. Erstellt am 12. Juli 2019 (05:20)
Riedl

Wenn General Geri und seine Truppe von „Rammelhof“ am Freitag, 19. Juli, um 21 Uhr in Tradigist einrauschen und am Feuerwehrfest ihre Show abziehen, werden sie sich wohl fast wie zu Hause fühlen, ist doch der Ort Rammelhof im Waldviertel genauso zweigeteilt wie Tradigist. Die Rammelhofer sind zwar nicht durch einen Bach auf zwei Gemeinden aufgeteilt, aber ebenso gespalten, denn: „Die eine Hälfte von Rammelhof liebt uns, die andere hasst uns“, sagt General Geri, der Kopf der Truppe. General Geri und Urgos Brutalos (drums), der im Pielachtal mit dem Konzert ein Heimspiel hat, sprachen mit der NÖN über ihre Karriere, ihre Musik und ihre Pläne für das Konzert.

NÖN: Mit eurem ersten Lied „Wladimir (Put Put Putin)“ habt ihr euch über Österreichs Grenzen hinaus einen Namen gemacht und 2015 den FM4-Protestsongcontest gewonnen. Aber wie würdet ihr euch beschreiben, wenn man euch nicht kennt?

„Ich mag so kleine Konzerte, weil man das Publikum miteinbeziehen kann.“ General Geri, Rammelhof

General Geri: Wir machen durchgeknalltes Rocktheater, liefern Satire und Rock vom Feinsten mit einer ausgefuchsten Show. Unsere Hülle ist stachelig, aber im Kern sind wir weich.

„Wladimir (Put Put Putin)“ hat für großes Aufsehen gesorgt. Hat es einen Moment gegeben, in dem ihr Angst hattet und aufgeben wolltet?

Geri: Wir haben damit Schlagzeilen gemacht in der Ukraine und in Russland, um unsere erste Nummer ist ein Hype entstanden.

Urgos Brutalos: Aber nicht nur positiv, es hat sogar Morddrohungen gegeben. Irgendwann war das dann nicht mehr lustig. Wir haben sogar kurz überlegt, das Projekt „Rammelhof“ gleich wieder aufzugeben.

Geri: Aber wir waren uns dann gleich wieder einig, wir machen weiter und tauchen durch.

Von Beziehungen, Alltagsgeschichten bis zur Weltpolitik kommen in euren Liedern viele Themen vor. Wie entstehen eure Titel?

Urgos: Sobald Geri eine Hook, also eine Phrase oder einen Textteil hat, wie „Put Put Putin“ oder „Pa-pa-pa-Pumpgun“, ist auch schon das Video oder eine Show im Kopf. Die visuelle Show geht mit der Musik einher. Die Themen sind politisch und gesellschaftskritisch. Überall ist auch etwas zum Nachdenken dabei.

Geri: Das war auch bei „Gülle“ so. Ich hab‘ mir gedacht, wir gehen im Dreck baden und dann ist das Lied dazu entstanden.

Und wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Geri: Wir haben vielfältige Einflüsse. Von der Musik her würde ich sagen, die Rockband Helmet. Inhaltlich sehe ich uns bei der EAV, Drahdiwaberl oder Rammstein.

Eure Bühnenshows und auch die Videos sind sehr aufwändig und extravagant.

Geri: Für „Gülle“ haben wir mit einem Bagger ein Loch gegraben und mit Schlamm befüllt, damit wir für das Video baden konnten. Oder bei „Wladimir“ haben wir uns einen Panzer organisiert. Manchmal ist das gar nicht so einfach. Aber in mir brodelt der Wahnsinn, und das lasse ich künstlerisch heraus.

Urgos: Die Rakete für die Show zu „Kim Jong Un“ ist Geri etwas groß geraten, ich glaub‘, die muss er kleiner machen, sonst passt sie nicht ins Zelt. Mittlerweile haben wir einen ganzen Anhänger voll Zeugs mit. Das ist alles nur für die Show, mein Schlagzeug ist da noch nicht dabei.

Was wird es bei eurem Auftritt in Tradigist zu sehen und zu hören geben?

Urgos: Ich freue mich auf unsere Show in meiner Heimat. Das wird sicher extrem lässig.

Geri: Wir ziehen unsere volle Show ab, natürlich auch, wenn kein Eintritt verlangt wird. Das ist so, wie wenn man auf ein Date geht, da putzt man sich auch immer heraus. Und wir machen auch überall unser volles Programm. Ich mag so kleine Konzerte, weil man das Publikum miteinbeziehen kann.