100 Jahre NÖ: Ein Blick zurück in die Pielachtaler Landwirtschaft

Der Frankenfelser Universitätsprofessor Ernst Langthaler gewährte der NÖN Einblicke in seine Forschung und zeigte, wie sich die Agrarwirtschaft im Tal entwickelt hat.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 04:24
Lesezeit: 2 Min
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Dieses Foto aus den 1950er-Jahren zeigt Landarbeiter beim Getreideschnitt am Hof Oberhofstatt in Frankenfels.
Foto: Gemeinde Frankenfels

100 Jahre Niederösterreich und mittendrin das Pielachtal, eine seit jeher von der Landwirtschaft vorrangig geprägte Region. Der Frankenfelser und Universitätsprofessor an der JKU Linz, Ernst Langthaler, gab der NÖN aus einer seiner Forschungsarbeiten Einblicke in die landwirtschaftliche Entwicklung im Tal. Die Höfe haben sich von Selbstversorger-Betrieben über Hochleistungs-Milch-Betriebe bis in Richtung Bio-Landbau verändert.

Ackerfrüchte boten Überlebensbasis

Vor 100 Jahren waren Bauern vorwiegend Selbstversorger. Sie pflügten mit ihren Zugtieren die Äcker, um für sich und ihre Tiere sorgen zu können. Die Ackerflächen dienten als Lebensgrundlage der Landwirte.

„Vor allem in Kriegs- und sonstigen Notzeiten boten die Ackerfrüchte den Bauern- und Häuslerfamilien eine Überlebensbasis“, beschreibt Langthaler im Buch „Das Reich des Ötschers“ die damalige Situation.

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Dieses Bild aus den 1930er-Jahren erinnert an einen Bergbauernbuben mit Ziegenbock und Milchkarren am Bahnhof Frankenfels.
Foto: Marktgemeinde Frankenfels

Der Ackerbau wurde erst in den 1970er-Jahren von der Grünlandwirtschaft abgelöst. „Die Abnahme der Zugochsen seit den 1950er-Jahren wurde durch die Milchkuhhaltung mehr als aufgewogen; der Kuhanteil am Rinderbestand stieg. Das Rind im Allgemeinen und die Milchkuh im Besonderen wurden die ,Leitfossilien‘ der ,fortschrittlichen‘ Landwirtschaft im Voralpenland im 20. Jahrhundert“, lauten Langthalers Forschungserkenntnisse. 1960 entstand erstmalig ein Interessenskonflikt unter den Landwirten.

„Glaubenskrieg“ unter Bauern der 60er-Jahre

Die Umstellung der Rassehaltung sei der Grund gewesen. Über den Wechsel von Murbodner-Rasse zum Fleck- und Braunvieh waren sich die Vertreter der Bezirksbauernkammer uneinig. „Hinter dem ,Glaubenskrieg‘ verbarg sich ein Tauziehen zwischen Anhängern des ,Fortschritts‘, die einen Gutteil der Agrarfachleute und -funktionäre auf ihrer Seite hatten, und deren Gegnern, die auf die bäuerliche Eigenständigkeit pochten.“

Heute gilt das Murbodner-Rind als eine vom Aussterben bedrohte Rasse. Auch Milchleistungskontrollen der „Rinderzucht- und Absatzgenossenschaft Pielachtal“ starteten 1960. Die aufgezeichneten Protokolle waren Ansporn und „führten zu Quantitäts- und Qualitätssteigerungen“.

Der Übergang zur Hochleistungswirtschaft sei keine Einbahnstraße gewesen, „von ihr zweigte der Weg zum Bio-Landbau ab“, ist sich Langthaler sicher. Anfang der 70er-Jahre sei „Bio“ vom „Landkurier“ noch als „Unsinn“ betitelt worden. Erst in den 90ern wurde biologischer Landbau als „gleichwertige Alternative“ zur konventionellen Landwirtschaft gesehen. Ein Weg, der bis heute fortgesetzt wird.

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