Alphorn in Schneckenbauweise. Sein Hörimplantat animierte den Kirchberger Heinz Kirchschlager zur Schaffung eines Alphorns, wie es bislang die Musikwelt noch nicht kannte.

Von Gerhard Hackner. Erstellt am 05. Mai 2021 (03:38)
Heinz Kirchschlager entwickelte ein Alphorn in Schneckenbauweise. Im Juni soll das Unikat erstmals öffentlich erklingen.
Hackner, Hackner

Sein erstes und äußerst originelles Alphorn hat Heinz Kirchschlager aus einem Fichtenbaum gebaut. Im Winter kam ein sogenanntes „Franzenhorn“ dazu. Jetzt baut er im Zuge eines Pilotprojektes ein 3,63 Meter langes Alphorn in Schneckenbauweise.

Warum der Kirchberger das tut, ist rasch erklärt: Auf dem linken Ohr ist er schwerhörig und trägt ein Hörgerät. Rechts ist er taub. Daher bekam er 2018 über diesem Ohr ein Cochlea-Implantat eingesetzt. Der Minicomputer ist mit der Hörschnecke im Ohrknochen verbunden, wodurch Kirchberger wieder hören kann. „Musizieren und Töne hören sind ein wichtiger Teil meiner Therapie“, erzählt er. Darum spielt Kirchschlager oft mit der steirischen Harmonika und tritt mit einem Musiker-Trio auf. Beim Alphornblasen entstehen ausschließlich Naturtöne. Das faszinierte ihn. Also besuchte er einen Kurs für Alphorn- und Weisenbläser. Dabei kam er auf die Idee, ein Alphorn zu bauen. Das erste Horn entstand im Vorjahr. „Ich besorgte einen schmalen Fichtenbaum mit 4,26 Metern Länge aus der Region, schnitt ihn auseinander, höhlte ihn aus und baute ihn wieder zusammen“, erinnert er sich. Danach entstand das Franzenhorn. Dieses dreiteilige Horn ist 3,63 Meter lang.

Gehörloser Musiker warnt vor Dauerlärm

Der Ring ist aus Nuss und das Mundstück aus Dirndlholz. Unterstützt hat ihn Tischlermeister Johann Gansch aus Bischofstetten, ein Experte für Drechslerarbeiten. Gemäß seiner Hörschnecke im Ohr kam Kirchschlager auf die Idee, mit dem Bau eines Alphorns in Schneckenbauweise ein Pilotprojekt umzusetzen. Bei den Fräsarbeiten unterstützt ihn Gerhard Hadinger aus Schwarzenbach. „Wenn das Horn fertig ist, sollte es den gleichen Ton und mit 3,63 Meter die gleiche Länge wie ein normales Alphorn haben“, verrät er. Zum ersten Mal soll mit dem Unikat im Juni bei einem Treffen in Schwarzenbach geblasen werden.

Kirchschlager war früher als Stahlbauschlosser und Maschinist tätig und dabei großer Lärmbelästigung ausgesetzt. Er bekam ein Knalltrauma, mit der Zeit drei Hörstürze, Tinnitus und wurde auf dem rechten Ohr schließlich taub. Durch das Implantat kann er wieder hören. Sein Hinweis an die Jugend: „Passt auf! Zu viel und ständiger Lärm schädigt die Ohren.“