„Mit blauem Auge davon gekommen“. Die Lage entspannt sich, die Pegelstände gehen zurück.

Von Gila Wohlmann. Update am 23. Juni 2020 (06:56)

Es war ein hartes, herausforderndes Wochenende für die Pielachtaler Feuerwehren. Seit Sonntagmorgen standen diese unermüdlich im Einsatz, um Hochwasserschäden zu minimieren. Am Montagmorgen durften die Bürger großteils aufatmen. „Die Lage entspannt sich, die Pegelstände gehen langsam zurück“, sagt Abschnittskommandant-Stellvertreter Walter Bugl, selbst Kommandant der Feuerwehr Hofstetten-Grünau.  

Am Montagvormittag liefen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Dennoch hatte das Pielachtal Glück, die Schäden hielten  sich im Gesamten in Grenzen. Vor allem die bereits durchgeführten Hochwasserschutzmaßnahmen der letzten Jahre zeigten Wirkung.

Rund 50 Feuerwehren mussten über 175 Einsätze abarbeiten. Schwerpunkte waren in den Abschnitten Neulengbach (Eichgraben, Maria Anzbach, Neulengbach, Altlengbach) und Purkersdorf sowie Pielachtal.

„Wir haben den von Überflutungen betroffenen Menschen so rasch wie möglich geholfen, dafür möchte ich den hunderten Feuerwehrmitgliedern danken, die am Sonntag bis in die Nachtstunden im Einsatz standen. Ein Lob gebührt auch unserem neuen Disponenten-Team in der Bezirksalarmzentrale, die die im Sekundentakt eintrudelnden Hilferufe professionell abgearbeitet haben.“, meinte die Feuerwehr.

Die NÖN hat die wichtigsten Ereignisse zusammengefasst:

St. Margarethen an der Sierning: Hier gab es kaum Schäden. „Die Sierning hat im Bereich Rammersdorf und Kleinsierning Felder teilweise geflutet. Es war an der Grenze, aber wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, atmet Bürgermeisterin Brigitte Thallauer auf.

Ober-Grafendorf: „Es war ziemlich knapp, aber es ist nichts Gröberes passiert“, berichtet der Ober-Grafendorfer FF-Chef Karl Lechner. Das Überlaufbecken zwischen Wantendorf und Baumgarten ging über, Felder wurden geflutet.

Weinburg: In der Nacht zum Montag gab es keine gröberen Feuerwehreinsätze mehr. Wie bereits berichtet, stellten Verklausungen und Kanäle, die die Wassermengen nicht mehr fassen konnten, das Hauptproblem dar. „Die neue Messstelle hat sich ebenso wie das regelmäßige Ausbaggern von Schotteranlandungen unter der Wehr und unter der Pielachbrücke bei der Kletterhalle  bewährt. Es ist dadurch kein gröberer Schaden entstanden“, resümiert Vizebürgermeister Michael Strasser.

Hofstetten-Grünau: Hofstetten-Grünau zählte zur am stärksten betroffenen Gemeinde. Hauptproblem war hier die Überflutung der B 39 auf Höhe der „Pielachtaler Sehnsucht“, auch das Gewerbegebiet wurde überschwemmt. Mit Einschubwänden wurde vom Sportplatz bis zum Pielachpark ein Hochwasserschutz errichtet.  Starkes Hangwasser in der Lilien-  und Rosenstraße gefährdete dortige Häuser. „Keller standen hier unter Wasser. Außerdem ergoss sich im Aggschussgraben massiv Hangwasser Richtung Zinnergasse“, erzählt FF-Kommandant Walter Bugl. Seine Kameraden legten 15 Tonnen Sandsäcke aus, um das Gemeindegebiet zu schützen. In Mainburg wurde die Tanzbar „Bolleros“ überflutet. Als besonders fahrlässig empfinden er wie auch Bürgermeister Arthur Rasch, dass zwei Bürger die Sperre des Pielachdamms missachtet haben und sich selbst in Gefahr gebracht haben.

Rabenstein: Hier hat sich das neu angelegte Bachbett des Loitzenbaches bezahlt gemacht. „Auch wenn es durch die Baustelle noch sehr chaotisch ausgesehen hat, bestand keine Gefahr, dass der Bach über die Ufer treten würde. Auch die Wirkungsweise des Wildholzrechens konnte gut beobachtet werden“, resümiert Bürgermeister Kurt Wittmann. Es gab auch eine Begehung mit der NÖ Lawinen- und Wildbachverbauung am Sonntag. Der Beach-Volleyballverein sicherte seine Anlage ab. „Es wurde ein Hochwasserschutz aufgebaut, der dann letztendlich aber nicht mehr benötigt wurde“, so Wittmann. Das Erbauunternehmen Grasmann unterstütze diverse Arbeiten zur Schadensminimierung. Gottfried Auer, Obmann vom Pielach-Wasserverband, dankt überdies allen Einsatzkräften und Freiwilligen für ihren Beitrag zum Schutz der vom Hochwasserereignis betroffenen Bevölkerung und der Straßenbenutzer.

Kirchberg: Die Florianis mussten bei einer Baustelle eine Betonbirne in Sicherheit bringen, außerdem gab es noch einen kleinen Einsatz in Marbach. Der Hochwasserschutz im Ortsgebiet zeigte Wirkung.  „Es gab lediglich kleine, lokale Überflutungen. Wir waren aber die ganze Zeit in Bereitschaft“, sagt FF-Mann Franz Dirnbacher.

Frankenfels: Am Montagvormittag war der halbe Ort ohne Wasserversorgung. „Durch die Wassertrübung ist unsere UV-Anlage ausgefallen“, informiert Bürgermeister Heinz Putzenlechner. Diese könne man erst wieder starten, wenn das Wasser klar sei. „Das zeigt uns, wie wichtig die Errichtung eines weiteren Hochbehälters ist“, betont er. Dessen Bau soll übrigens sobald als möglich starten. Eine weiteres Problem war die Hangrutschung im Weißenbachtal. Außerdem verzeichnete die Gemeinde noch einen Bankettschaden am Güterweg „Frankenfelsberg“.

Loich: Hier gab es eine Böschungsrutschung auf der Zufahrt zur Kirchensiedlung, „Außerdem wurde das Betriebsgelände der Firma WKF überflutet“, führt Bürgermeister Anton Grubner aus, dass die Feuerwehr Loich  im Einsatz stand.

Schwarzenbach:  Diese Gemeinde hatte Glück. „Es gab nur kleinere Einsätze wie Auspumparbeiten“, berichtet Bürgermeister und zugleich Feuerwehrkommandant Andreas Ganaus.

Prinzersdorf, Markersdorf-Haunoldstein: Sonntag-Nachmittag waren die Augen der Bürgermeister auf die Pegelstände der Pielach gerichtet. Die Wasserstände in Hofstetten gelten als Maßstab für Prinzersdorf und Markersdorf-Haunoldstein. „Zwei Stunden dauert es, bis die Welle aus Hofstetten bei uns ankommt“, erklärt Prinzersdorfs Bürgermeister Rudi Schütz. So war es dann auch. Abgesehen von kleinen Überschwemmungen entlang der Pielach kam es zu keinen beträchtlichen Schäden.

In Markersdorf-Haindorf kam man ebenfalls mit einem blauen Auge davon. Sicherheitshalber wurde die Unterführung bei der Prinzersdorferstraße mit einer Dammsperre geschlossen. „Ab 19 Uhr hat sich die Situation dann entspannt“, erklärt Bürgermeister Fritz Ofenauer.

Zum zweiten Mal innerhalb von 14 Tagen hat es Keller in der Gemeinde Haunoldstein angefüllt. „Wir haben jetzt genug nasse Füße für dieses Jahr“, behält Bürgermeister Hubert Luger dennoch seinen Humor. Vor allem die Sierning ist über die Ufer getreten, die Pielach blieb gerade noch in ihrem Flussbett. Der neue Hochwasserschutz bestand also die erste Bewähungsprobe. Die Lage sei dennoch sehr angespannt gewesen. „Manche waren 30 Stunden durchgehend im Einsatz“, ist Luger dankbar. Ab 19 Uhr entspannte sich allmählich die Hochwasserlage an Pielach und Sierning. Um 22 Uhr wurde in Markersdorf der Hochwasserschutz wieder abgebaut.

Stadt St. Pölten: Unwettereinsätze gab es aber auch in der Stadt St. Pölten.

In der Stadt St. Pölten wurde die Traisen zum reißenden Fluss
privat

Zehnmal mussten die Freiwillige Feuerwehr St. Pölten-Stadt ausrücken. Bei den meisten ging es um Auspumparbeiten.

FF-St. Pölten-Stadt/Gemeinde Prinzersdorf

Pyhra: In Pyhra verklauste der Kanal eines Wildbaches. Das führte dort zu einem Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr.