Dirndltaler Kindheit: Freud & Leid des Josef. Josef Oberleitner wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Weinburg auf. Schul- und Lehrzeit waren für ihn eine prägende Zeit. Viele Erlebnisse sind ihm unvergessen.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 14. Oktober 2020 (03:25)
Obwohl schon lange in Pension ist das Backen die großeLeidenschaft von JosefOberleitner.
Oberleitner

81 Jahre und kein bisschen leise: So präsentiert sich Josef Oberleitner der NÖN im Gespräch über seine Kindheit im Dirndltal. Der pensionierte Weinburger Bäckermeister stammt ursprünglich aus Hanau bei Bischofstetten.

In der Volksschulzeit übersiedelte die Familie nach Hofstetten-Grünau. Sein Vater fand Arbeit in der Papierfabrik Rennersdorf, die Mutter half Bauern der Umgebung bei Feldarbeiten. Das Wohnen damals war äußerst bescheiden, erzählt er: „Wir lebten in einer einfachen Baracke mit Küche und Schlafzimmer. Es gab nur ein Plumpsklo, das Wasser holten wir von der Quelle.“

„Ich bin dann acht Tage nicht zur Schule gegangen und habe mich im Wald versteckt"

Die ersten Jahre seiner Kindheit verbrachte Josef Oberleitner in einfachen Baracken in Hofstetten-Grünau.
Oberleitner

Den Volksschulunterricht hat er in besonderer Erinnerung. Da sei es oft „drunter und drüber gegangen.“ Seine Klassenlehrerin zählte nicht gerade zu seinen Lieblingsmenschen, auch ein Klassenkollege war nicht gerade sein bester Freund. „Er behauptete, ich hätte einen Spatz mit einer Steinschleuder erschossen. Ich musste mich zur Strafe eine Stunde hinter die Tafel stellen“, ärgert er sich noch heute über diese Lüge. Zornig sei er damals gewesen. „Ich bin dann acht Tage nicht zur Schule gegangen und habe mich im Wald versteckt“, schildert er. Das Ereignis bleibt ihm unvergessen. Der Vernaderer hatte, als bekannt wurde, dass die Steinschleudertat erfunden war, nämlich eine deftige Strafe erhalten. „Der Schüler wurde mit den Füßen hinter den Tisch getreten. Heute geht dafür ein Lehrer in den Häfen“, meint er.

Bald erfolgte der Umzug der Oberleitner nach Weinburg, in die heutige „Villa Seeböck“. „Es war nicht leicht, neue Freunde zu finden. Man wurde zwar nicht gemobbt, aber man musste sich seine Freundschaft erkämpfen“, schildert er. Gerne denkt er hier an „Herrn Lehrer Pfeiffer“ zurück. „Der war einmalig; er hat Spaß verstanden“, betont er. Manchmal hätten die Buben die Zöpfe der Mädchen heimlich an der Sessellehne festgeknotet. Dafür gab es aber keine Prügelstrafe. Jeden Tag, bei jedem Wetter sei der Pädagoge zu Fuß von Wilhelmsburg zu seinem Arbeitsplatz marschiert.

„Der Schüler wurde mit den Füßen hinter den Tisch getreten. Heute geht dafür ein Lehrer in den Häfen.“ Josef Oberleitner über Erlebnis in seiner Kindheit

Eigentlich wollte Oberleitner lieber Tischler oder Zimmerer werden, doch wurde es der Beruf des Bäckers. Er lernte bei der Bäckerei Schuhmeier in Weinburg. Der Arbeitstag begann um 22 Uhr und endete um 4.30 Uhr. Seinen Brotberuf zu Lieben lernte er erst bei der Bäckerei Hemerka in St. Veit/Gölsen. Einmal hätte er fast das Handtuch geworfen. „Der Strom fiel wegen Schnee aus. Alles musste von Hand gemacht werden. Der Semmelteig war so zach“, erzählt er.

Der pensionierte Bäcker hat noch eine weitere Anekdote parat: Er fragte ein Mädchen im Mini-Rock, ob sie mit ihm ins Kino will. Sie meinte, er solle lieber zu ihr in die Jugendmesse kommen. „Das habe ich natürlich nicht gemacht, sie ist aber mit mir ins Kino gegangen.“ Die beiden sind noch heute verheiratet.