Sommergespräch mit Peter Kalteis: Bauprojekte behindert

Weinburgs Bürgermeister Peter Kalteis über Verzögerungen bei Projekten, die Veränderung der Bevölkerung durch Corona und Maßnahmen für den Klimaschutz.

Erstellt am 10. Oktober 2021 | 04:05
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Peter Kalteis berichtet von den nächsten Projekten in der Gemeinde Weinburg.
Foto: Straubinger

Bürgermeister Peter Kalteis stellte sich zuletzt den Fragen der NÖN beim Sommergespräch. Er zieht eine erste Bilanz der aktuellen Funktionsperiode, spricht über wichtige Projekte und über Aktivitäten der Gemeinde Weinburg für den Klimaschutz.

NÖN: Rund 1,5 Jahre sind seit der Wahl vergangen. Welche Bilanz ziehen Sie?

Peter Kalteis: Wir haben in den eineinhalb Jahren nichts ausgelassen. Wir haben das Gemeinderatsteam neu aufgestellt. Wir haben es deutlich verjüngt. Mit der Strukturveränderung wollten wir mehr Dynamik hineinbringen. Mit dem Ergebnis in den Ausschüssen bin ich aber nur in Grundzügen zufrieden. Mit Corona konnte man aber vielleicht nicht mehr erwarten.

Wie hat sich Corona auf dieGemeinde ausgewirkt?

Kalteis: Unsere Bauprojekte werden massiv behindert. Die Auftragsbücher der kleinen Firmen sind voll. Außerdem gibt es beim Baumaterial immer wieder Lieferschwierigkeiten und die Preise sind um 20 bis 30 Prozent höher. Das ist bei neuen Projekten schwierig. Bei uns steht die Sanierung der Volksschule im Fokus. Der Zeitpunkt dafür ist aufgrund des Preisniveaus nicht so glücklich, aber notwendig.

Wie ist die Gemeinde als Arbeitgeber mit der Pandemie umgegangen?

Kalteis: Die Bevölkerung muss sich auch in Krisenzeiten darauf verlassen können, dass wir unsere Aufgaben erfüllen. In der ersten Phase haben wir Notfallpläne abgerufen aus Verantwortung für die Mitarbeiter. Das ist nicht mehr machbar. Die Mitarbeiter wurden geimpft, weil das zusätzlich Sicherheit gibt. Wir sind den Bürgern verpflichtet.

Wie hat Corona die Bevölkerung verändert?

Kalteis: Der Großteil ist offen und menschlich. Da hat sich nichts geändert. Die Situation hat uns bei der Eröffnung unseres Adeg-Markts geholfen. Weil die Leute jetzt mehr auf kurze Distanzen achten und Dinge vor der Haustür mehr zu schätzen wissen. Sie verbringen hier ihre Freizeit und genießen Kräutergarten, Motorik- und Freizeitpark. Andere wenige hingegen haben viel Zeit und es gibt Anzeigen wegen möglicher Schwarzbauten oder Ähnlichem. Das sind zwar Einzelfälle, aber es ist anstrengend, weil sie viel zusätzliche Arbeit bringen.

Kletterhalle und Kräutergarten werden immer wieder diskutiert auch im Gemeinderat. Wie ist die Lage derzeit?

Kalteis: Es hat mich nie abgelenkt, wenn es als Politikum gespielt wurde. Ich bin von den Projekten überzeugt. Man sieht, dass die Qualität unserem Ort Außenwirkung gibt. Die neue Führung der Opposition ist pragmatisch und unterstützend. Ich habe den Eindruck, dass man gemeinsam versucht, das Beste für den Ort zu erreichen.

Wie geht es der Wirtschaft?

Kalteis: Das Kleingewerbe in der Gemeinde hat offensichtlich volle Auftragsbücher. Beim Hauptarbeitgeber der Großregion, Constantia Teich, ist die Kommunalsteuer die Messlatte. Da muss man sagen, das Unternehmen ist sehr gut mit der Situation umgegangen. Das Gasthaus Gapp hat Liefer- und Abholservice angeboten. Das war sozial sehr wichtig. Unser Bistrochef hat auch die Kletterhalle als Geschäftsführer übernommen.

Was sind die wichtigsten Projekte der nächsten Monate?

Kalteis: Die Vorbereitungen für die Volksschulsanierung laufen. Es gibt mehrere Ansichten zu etwaigen Baumaßnahmen. Wir haben schon Fachleute an Bord. Lange beschäftigt mich das Projekt zur Weiterführung des Radweges entlang der Mariazellerbahn. Der liegt in der roten Zone des Gefahrenzonenplanes. Dabei werden auch drei Bauparzellen für Jungfamilien sowie ein Entlastungsweg für die Sonnenblumengasse mit eingeplant. Nun konnten endlich erste Schritte gesetzt werden.

Die Hangwasserstudie ist schoneinige Zeit her. Was ist darausgeworden?

Kalteis: Wir haben alles im Kopf und wissen, wo wir nachschauen müssen. Es war nicht wirklich etwas dabei, was uns beeinträchtigt. Allerdings muss derzeit ein Rückhaltebecken hinter Constantia Teich um 1,8 Millionen Euro errichtet werden, um die Firma nachhaltig vor solchen Ereignissen zu schützen.

Thema öffentlicher Verkehr. Wie ist Weinburg aufgestellt?

Kalteis: Die Himmelstreppe ist ein Segen für das Tal. Wir haben den Gmoa-Bus für den Mikroverkehr. Der wird gut angenommen. Da waren wir im Tal die Ersten. Wir haben drei E-Ladestations-Standorte für je zwei Pkw und drei für Fahrräder. Wir bemühen uns, dass wir das Gemeindegebiet speziell für Jungfamilien gefahrenfreier begehbar und nutzbar machen. Ein paar schöne Punkte haben wir schon erreicht. Etwa in Klangen oder auch in Waasen.

Was tut Weinburg für den Klimaschutz?

Kalteis: Wir haben vor 15 Jahren als eine der ersten Gemeinden ein umfassendes Energieentwicklungskonzept wissenschaftlich erstellen lassen. Das Maßnahmenpaket daraus ist noch immer die Grundlage dessen, was wir bei gemeindeeigenen Gebäuden sanieren und Privaten eine entsprechende Förderkulisse für Alternativenergie und Gebäudesanierungen anbieten.

Was fehlt in Weinburg?

Kalteis: Was wir schon haben in dieser Qualität, muss erst einmal erhalten werden. Ich meine, dass wir für eine Gemeinde unserer Größe in jedem Bereich top aufgestellt sind. Da und dort gibt es immer etwas zu verbessern und zu ergänzen. Ein paar Ideen habe ich noch im Köcher.

Sie werden diese Perioden nicht fertigmachen, sondern an ihren Nachfolger übergeben. Gibt es schon einen fixen Zeitpunkt?

Kalteis: Mir ist wichtig, dass die Bevölkerung weiß, woran sie mit mir ist und dass ich plangemäß während der Periode mein Amt übergebe. Der Zeitpunkt steht fest und die engsten Mitarbeiter kennen ihn. Schon auf dem Wahlplakat war ich mit Michael Strasser abgebildet. Wir setzen viele Projekte gemeinsam um. So kann er sich vorbereiten und seine Familie kann sich auf die Situation einstellen.