Vandale ausgeforscht, Drogendealer geständig. 16-Jähriger demolierte Skulpturen am Kunstbahnhof. Junger Mann gab indes Cannabis weiter.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 05. August 2020 (08:37)
Weingartner-Foto

Jetzt steht fest, wer die Holzskulpturen - „den guten und den bösen Politiker“ - von Manfred Lasser am Kunstbahnhof Klangen zerstört hat: Ein junger Pielachtaler konnte als Täter entlarvt werden. Nach wochenlangen Erhebungen verdichteten sich die Indizien, wer hinter der Tat stehen könnte. Ausschlaggebend für die Klärung war ein wichtiger Hinweis.

Ein Zeuge hatte sich den Teil eines Kennzeichens gemerkt, das in Verbindung mit dem Täter zu stehen schien. So konnte ein Jugendlicher ausgeforscht werden, der zum Tatzeitpunkt Anfang Juli sich mit zwei weiteren Freunden dort aufgehalten hatte. Einer seiner beiden Bekannten war der Verursacher des Vandalenaktes. Er hatte den Holzfiguren die Hände abgerissen.

Künstler Manfred Lasser (l.) und Jürgen Grazzi, Obmann des Kunstbahnhofs Klangen, wollen die demolierten Figuren wieder restaurieren.
privat

Die drei jungen Pielachtaler waren am Tag der Tat in Weinburg unterwegs gewesen und gelangten schließlich zum Bahnhof Klangen. „Der Jugendliche hatte ein wenig zu viel über den Durst getrunken und ließ sich dann zu dieser Tat verleiten“, schildert ein Ermittler.

Der Bursch wird wegen schwerer Sachbeschädigung angezeigt. Er zeigte aber Reue und entschuldigte sich beim Geschädigten im Beisein seiner Eltern. „So etwas ist nicht selbstverständlich“ , sagt Jürgen Grazzi, Obmann des Kunstbahnhofs Klangen.

Den mittlerweile behobenen Schaden bezahlen muss der Täter aber nicht. „Junge Leute haben oft selbst nicht viel Geld und dann müssen die Eltern, die nichts dafür können, dafür aufkommen“, gibt Grazzi zu bedenken. So eine Tat sei natürlich entbehrlich, aber die ehrliche Entschuldigung sei, so Grassi, wichtiger als eine harte Bestrafung. „Wir wollen ja Menschen bleiben“, sagt er. Gemeinnützige Sozialstunden wären, meint er, als Wiedergutmachung eine angemessene Strafe.
Die Skulpturen wurden mittlerweile wieder instandgesetzt.

Über das Geständnis des Vandalens zeigt sich auch Weinburgs Bürgermeister Peter Kalteis erfreut wie erstaunt: „So etwas ist heute nicht selbstverständlich, dass jemand zugibt, einen Fehler gemacht zu haben.“ Besonders beeindruckt zeigt sich der Ortschef, dass die Eltern des Täters diesen bei seiner Geständnis-Ablegung begleitet haben. „Das zeigt für mich, dass der Jugendliche in seiner Familie gut eingebettet ist. Er wird trotz seiner Tat von seinen Angehörigen nicht im Stich gelassen“, stellt Kalteis fest.

Künstler Manfred Lasser selbst meint, dass die Entschuldigung des Burschen nett und angebracht sei, aber dennoch ist er ein wenig enttäuscht. Der Grund: „Er hat getan, als ob er rein aus freien Stücken zu uns gekommen sei, um die Tat zu gestehen und sich zu entschuldigen. Was  er aber nicht gesagt hat, ist, dass er ja von der Polizei ausgeforscht wurde“, sagt Lasser.

Weiteres Strafdelikt geklärt

Die Polizei Ober-Grafendorf hat aufgrund des Vorfalls seine Streifentätigkeit im Bahnhofsbereich in den letzten Wochen verschärft. Mit Erfolg: Noch weiteres Strafdelikt wurde geklärt: Ein Drogendeal im Bereich des Bahnhofs Klangen. Vier junge Leute hielten sich dort auf. Dabei stachen sie der Polizei aufgrund ihres verdächtigen Verhaltens ins Auge.

Im Zuge einer Personenkontrolle konnte dann festgestellt werden, dass ein junger Mann dem anderen auf offener Straße Cannabis verkaufte. Dealer war ein 19-jähriger Pielachtaler, Abnehmer ein Gleichaltriger aus dem Raum Melk. Beide sind geständig. Sie hatten Cannabis bei sich. Die Drogen scheint der Pielachtaler in St. Pölten „erstanden“ zu haben. Derzeit laufen weitere Erhebungen zur genauen Suchtmittelbeschaffung und zu etwaigen weiteren Abnehmern. Ebenso erfolgte eine Anzeige nach dem Suchtmittelgesetz.