Tradigister Duo: Die Rehkitz-Retter aus dem Pielachtal

Erstellt am 15. Juni 2022 | 05:53
Lesezeit: 3 Min
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Anita Hopferwieser und Peter Dohnal demonstrierten der NÖN, wie die Drohne samt Wärmebildkamera auf den Start vorbereitet wird.
Foto: Wohlmann
Astrid Hopferwieser und Peter Dohnal bewahren mit Drohne und Wärmebildkamera Rehkitze vor dem Tod durchs Mähwerk.
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Heute regnet es. Das bedeutet Pause für Astrid Hopferwieser und Peter Dohnal. Dieser Tage ist vielerorts Heuernte. Bei Schönwetter, wenn die Mahd vonstatten gehen kann, ist um 3.30 Uhr Tagwache, um 4.30 Uhr Treffpunkt mit Jägern und Landwirten.

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„Laut Jagdverband werden in Österreich 25.000 Kitze im Jahr durch die Mahd getötet“, bedauert Astrid Hopferwieser.
Foto: privat

Astrid Hopferwieser und Peter Dohnal aus Tradigist sind keines von beiden, aber sie sind Natur- und Tierfreunde – und sie haben sich eines zur Aufgabe gemacht: Kitze vor dem Mäh-Tod zu bewahren. „Das passiert leider noch viel zu häufig. Die Schreie der sterbenden Kitze, wenn diese vom Mähwerk erfasst werden, gehen auch oft den Landwirten sehr nahe“, weiß Hopferwieser.

Gemeinsam mit Partner Peter bereitet sie die mit einem Tablet verbundene Drohne vor. Diese ist mit einer Wärmebildkamera versehen. Dafür haben die beiden mehrere tausend Euro investiert. Ganz leise beginnt sie zu surren und steigt dann in die Höhe. Die Route ist vorab eingespeichert worden und schon zeigt die Drohne den ersten weißen Fleck auf der Wärmebildkamera. Das Funkgerät krächzt, die Sucher werden zum genannten Punkt gelotst.

Kitzrettung erfolgt gratis, Spenden gerne gesehen

Die Wiese ist so hoch, dass sich das Gras über ein kleines Lager wölbt. Darunter versteckt sich zusammengekauert ein Kitz. Nicht größer als ein Igel liegt es da und bewegt sich nicht. Behutsam setzt es der Sucher in einen mit einer Signalstange versehenen Korb, damit der Mäher es nach der Mahd befreien kann. Andere wiederum tragen mit Handschuhen oder in Wiese gewickelt das Kitz abseits der zu mähenden Wiese.

Peter Dohnal und Astrid Hopferwieser betreiben diese Art der Suche im Pielachtal und teilweise darüber hinaus. Auf diese Weise sorgen sie auch dafür, das Nutztierfutter frei von Kontamination durch Tierkadaver zu halten.

Bauern setzen zudem Schutzmaßnahmen für Kitze – durch Vergrämung mit Reflektierbändern oder vorhergegangener Wiesendurchstreifung. „Um dies zu vereinfachen, bietet die Drohne eine ressourcenschonende und einfache Alternative“, weiß Peter Dohnal. Die Rehkitzrettung findet nicht nur Fürsprecher. Denn der Wildfraß an Jungbäumen bereitet häufig Kopfzerbrechen.

Hopferwieser und Dohnal haben daher den „Wildtierschutzverein Mostviertel“ gegründet. Ziel: die Interessensgruppen mit dem Arten- und Naturschutz zu vereinen. Für ihre Suche bitten sie nur um eine Spende, bereichern wollen sie sich nicht. In den nächsten Tagen wird die Webseite des Vereins freigeschaltet. Dort findet man dann Infos und Kontaktdaten. „Wir wissen, dass uns nur der Erhalt der Biodiversität langfristig gesund hält“, betonen die beiden.

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