Drei tote Rehe geben Rätsel im Pielachtal auf. Drei tote Rehe und eine verdächtige Sichtung lassen Jäger aufhorchen.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 24. März 2021 (04:33)
Symbolbild
APA (dpa)

Ein Reh. Komplett ausgeweidet. Das Haupt fehlt. Einen traurigen Fund machte der Tradigister Landwirt und Weidmann Karl Egger letzte Woche.

„Der Kadaver lag mitten auf der Wiese, unweit meines Hochstandes“, erzählt er. Welches Tier das Reh gerissen hat, steht noch nicht fest. Spuren eines größeren hundeartigen Tieres befanden sich auf jeden Fall in diesem Bereich im Schnee. „Wenn es ein Hund war, müsste dieser aber auch dementsprechend blutverschmiert heimgekommen sein“, meint Egger und dass dies dem Besitzer aufgefallen sein müsste. Zu Hundehaltern aus der Gegend wurde Kontakt gesucht. Keiner will aber etwas Verdächtiges bemerkt haben, dafür aber ein Autofahrer vor einigen Tagen.

„Wenn es ein Hund war, müsste dieser aber auch dementsprechend blutverschmiert heimgekommen sein“

Das erzählt der Eschenauer Jagdleiter Franz Wögerer: „Dieser sah ein wolfsartiges Tier im Bereich der Gaiseben, das die Straße querte. Er rief mich sofort an. Auf unseren Wildkameras haben wir aber nichts entdeckt und einen Wolfshund, der so ähnlich aussieht, hat niemand in der Gegend“, erzählt Wögerer. Schon im Vorjahr gab es, erinnert er sich, einen äußerst mysteriösen Kadaverfund im Sonnleitgraben. „Ein Kalb wurde gerissen. Das war wirklich schlimm zugerichtet“, weiß Wögerer.

Komplett ausgeweidet lag dieses Reh mitten auf einer Tradigister Wiese. Welches Tier es gerissen hat, steht noch nicht fest.
privat, privat

Das Kalb war bis an die Knochen angefressen. Er schließt im damaligen Fall einen Wolfsriss nicht aus. Auch ein Luchs zieht, weiß er, meist einmal im Jahr durch. „Beim Luchs sind Risse aber ganz charakteristisch. Man sieht die Abdrücke der Zähne im Bereich des Genicks unter der Decke des verendeten Tieres oder seitlich Spuren von den Krallen.“ Nach dem verdächtigen Kadaverfund in Tradigist und der Sichtung durch den Autofahrer kann ein Wolf nicht völlig ausgeschlossen werden, auch wenn es noch keine konkreten Beweise dafür gibt. „Dass der Kopf beim jüngsten Fund fehlt, ist eigentlich charakteristisch für das Beuteverhalten eines Fuchses“, wissen Wögerer und Egger.

Das bestätigt auch Wolfsbeauftragter Georg Rauer. Füchse kämen oft erst zum Aas Nachfressen, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Haupt erst später abgetrennt wurde. Füchse fressen auch die Innereien raus. „Ein Fuchs kann aber durchaus ein schwächliches Reh reißen“, merkt Rauer an. Wolfssichtungen gab es laut ihm in letzter Zeit nur in Allentsteig und im Weinsberger Wald. „Ein tschechischer Wolfshund, der vielleicht entlaufen ist, kann weite Strecken zurücklegen und so einen Riss machen. Er sieht auch einem Wolf sehr ähnlich“, meint er.

„Der Schutz unserer Nutztiere ist sehr wichtig.“ Hubert Gansch, Jagdleiter

Zwei weitere verdächtige Risse gab es im Bereich Hinterer Rotengraben in Tradigist in Richtung Morigraben, berichtet Hubert Gansch, Jagdleiter des Reviers Rabenstein 3: „Im Jänner und Dezember wurden ein Kitz und ein Jährlingsstück gerissen.“ Auch hier konnte kein wildernder Hund als Übeltäter ausgeforscht werden. Eine DNA-Analyse, mit der man konkrete Hinweise auf einen etwaigen Wolf hätte, wurde aber bei keinem der gerissenen Rehe angeordnet. Die Weidmänner sind auf jeden Fall wachsam.

Wildkameras wurden aufgehängt. Normalerweise ziehen Wölfe nur durch, was gegen einen Wolf als Verursacher aller drei Risse sprechen würde. Sollten die Weidmänner doch eine Beobachtung eines Wolfes machen und weitere Risse verzeichnet werden, müsste man in Absprache mit der Bezirksverwaltungsbehörde weitere Schritte überlegen. „Der Schutz unserer Nutztiere ist sehr wichtig. Wir haben viele Schafhalter und Mutterkuhbetriebe; die Schafe haben bereits Lämmer“, gibt Gansch zu bedenken.

Erst im Vorjahr sah eine Schwarzenbacher Jägerin einen Wolf, der vor ihr die Straße querte und über eine Wiese lief. Das Tier scheint aber weitergezogen zu sein.