Zu wenige Retter im Pielachtal. Im Pielachtal gibt es einen Engpass an Erstversorgern. Grund dafür sind die fehlenden Zivildiener.

Von Cornelia Weninghofer. Erstellt am 27. August 2019 (06:07)
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Victoria Roth, Anika Schleifer, Enrico Nitsche und Samuel Schagerl (von links) vom ASBÖ Rabenstein absolvierten die Rettungssanitäterprüfung.

Seit einigen Jahren gibt es im Pielachtal, und nicht nur dort, ein Problem, das immer größer wird. Es finden sich nämlich weniger und weniger Zivildiener. Diese früher sehr begehrten Stellen bleiben immer öfter unbesetzt.

„Es ist nicht so, dass wir keine haben, aber es werden definitiv weniger“, erzählt Manfred Hössl vom Samariterbund Frankenfels. Seiner Meinung nach gibt es dafür einige Gründe. Einerseits sind das unumstritten die geburtenschwachen Jahrgänge. Andererseits ist es die mittlerweile relativ große Auswahl für Wehrdienstverweigerer und die steigende Zahl der für den Wehrdienst als untauglich befundenen jungen Männer.

Diese sind damit auch für den Zivildienst untauglich. Außerdem soll die Dauer von neun statt sechs Monaten wie beim Heer für viele abschreckend sein und sie dazu bewegen, sich für den Wehrdienst zu entscheiden.

 „Für viele ist es selbstverständlich, dass die Rettung kommt, aber keiner will einen Finger rühren.“ Martin Schweiger

 Freiwillige Mitarbeiter gibt es hingegen viele, allerdings hat sich die Dauer ihres Wirkens verändert. „Früher, wenn man bei der Rettung, oder auch anderen Organisationen wie der Feuerwehr, angefangen hat, ist man bis zu seinem Lebensende dabei geblieben. Viele fangen jetzt an, wenn sie jung sind, oft auch nach dem Zivildienst.

Wenn sich dann aber die Lebenssituation ändert, wie durch einen Umzug, Familiengründung oder den Einstieg ins Berufsleben, hören sie wieder auf“, erklärt Sebastian Frank, Geschäftsführer der Bezirksstelle St. Pölten vom Roten Kreuz. Das Interesse ist allerdings groß.

Trotzdem wird die Besetzung der Außenstellen schwieriger und schwieriger. „Die Dienste füllen muss gehen, es wird aber immer schwerer. Wir sind die einzige Stelle im Pielachtal, bei der sich ein 24-Stunden-Dienst noch ausgeht.“, meint Hössl, „Es funktioniert bei uns noch besser als wo anders.“ Mittlerweile arbeiten beim ASBÖ Frankenfels zwei hauptberufliche Rettungssanitäter, da unter der Woche die meisten Freiwilligen arbeiten und zu wenige Zivildiener zur Verfügung stehen.

Zivildiener haben große Praxiserfahrung

Laut Manfred Hössl brauchen sie aber auch genau diese Zivildiener, um zu bestehen: „Wir rekrutieren unsere Freiwilligen am liebsten aus den Zivildienern, das hat den einfachen Grund, dass Zivildiener schon neun Monate Praxis haben. Das ist wertvolle Erfahrung, die die meisten neu eingestiegenen Freiwilligen nicht haben.“

Auch in Hofstetten-Grünau sieht es schlecht aus, was Zivildiener angeht. Die Zivildiener beim Roten Kreuz werden in der Bezirksstelle St. Pölten ausgebildet und dann tageweise den verschiedenen Orten zugewiesen. „Für uns ist das definitiv zu wenig“, meint Ortsstellenleiterin Manuela Glaubacker. Noch dazu fehlen auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter, und oft können nicht mehr alle Dienste besetzt werden. Diese müssen von den Nachbarorten übernommen werden. „Es hilft auch keine Werbung mehr. Ich weiß nicht, was ich noch machen soll“, so Glaubacker.

Gar keine Zivildiener mehr gibt es in Kirchberg an der Pielach. Die Ortsstelle hat zu wenige freiwillige Mitarbeiter, um die Zivildienstleistenden zu beaufsichtigen, denn diese dürfen keinen Dienst alleine übernehmen. Aushilfe schafft da das freiwillige soziale Jahr.

FSJ hilft

Junge Menschen zwischen ihrem 18. und 24. Lebensjahr können dadurch Erfahrungen im sozialen Bereich sammeln. So erhofft sich das Rote Kreuz mehr jungen Zuwachs zu bekommen. Es besteht ein großes Interesse dafür, denn im Bezirk gab es letztes Jahr über 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

In Rabenstein beim ASBÖ ist die Lage etwas entschärfter, trotzdem gibt es im Prinzip das selbe Problem. „Wir nehmen gerne Leute aus der Region. Früher konnten wir aus den Bewerbern aussuchen, mittlerweile ist es schon schwierig, alle Plätze zu besetzen. Man muss immer sehr dahinter sein“, erzählt Wilhelm Vorlaufer vom ASBÖ Rabenstein.

Bei den Freiwilligen sei es das Gleiche. Allerdings gibt es, zur Freude von Obmann Vorlaufer, sehr viele junge engagierte Ehrenamtliche, von denen zwei erst vor Kurzem die Sanitäterprüfung absolviert haben. Auch zwei Zivildiener wagen demnächst, sich diesem Examen zu stellen.

Jugendgruppen im Fokus

Auch am Nachwuchs wird fleißig gearbeitet. Fünf Jugendgruppen gibt es im Bezirk, eine davon ist in Hofstetten-Grünau. Mario Schaberger leitet eine Gruppe von 14 Mädchen, ab zehn Jahren. Während der Schulzeit wird 14-tägig am Samstagvormittag eine Gruppenstunde abgehalten. Dort wird spielerisch über Erste Hilfe gelernt. Außerdem werden Ausflüge unternommen, etwa zum Baden oder Wandern.

Eine weitere Jugendgruppe gibt es in Kirchberg an der Pielach. Dort lernen 24 Mädchen und Buben von Sandra Schweiger spielerisch Erste Hilfe kennen. 14-tägig wird auch hier eine Gruppenstunde abgehalten, in der eine Stunde lang gelernt und eine Stunde lang gespielt wird. Mitmachen kann man ab dem Volksschulalter.

„Schwierig wird es dann ab der vierten Hauptschule. Die Überbrückung ins Rot-Kreuz-Leben fällt oft schwer“, meint Martin Schweiger, Ortsstellenleiter.

Auch in Rabenstein wird alle zwei Wochen eine Jugendstunde abgehalten. Kinder ab acht Jahren können hier über Erste Hilfe und Gesundheit lernen, aber auch eine Menge Spaß haben. Alle zwei Jahre nimmt die Truppe am Landesjugend-Bewerb oder am Jugend-Bundesbewerb teil und bringt oft Trophäen mit nach Hause.

Aber auch hier ist der Übergang zwischen Jugend und Rettungsarbeit schwierig. Mit 16 oder 17 Jahren sind die Nachwuchs-Sanitäter oft zu alt für die Gruppenstunden, aber zu jung für die Sanitäterprüfung und springen dann meistens ab. „Öfters kommen dann welche nach zwei, drei Jahren zurück und sagen, sie wollen wieder dabei sein“, schildert Vorlaufer.

Schwierige Situation für Rettungsdienste

Fazit ist, dass alle im Grunde das selbe Problem haben: Die Zivildiener werden immer weniger. Das mag verschiedene Gründe haben, von den geburtenschwachen Jahrgängen bis zum Mangel an freiwilligen Mitarbeitern, dennoch bedeutet es eine Erschwernis für den Rettungsdienst.

Martin Schweiger von der Rot-Kreuz-Ortsstelle in Kirchberg ruft nach Veränderung: „Die Bevölkerung sollte etwas wach gerüttelt werden. Für viele ist es selbstverständlich, dass die Rettung kommt, aber keiner will einen Finger rühren.“

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