Martini-Gansl zum Mitnehmen im Pielachtal. Viele Pielachtaler Wirte bieten Abholung an. Weil zusätzliche Einnahmen fehlen, haben sie trotzdem Umsatzeinbußen.

Von Caroline Böhm. Erstellt am 12. November 2020 (06:38)

Im Kampf gegen Covid-19 müssen Restaurants bis Ende November zusperren. Einige Wirte liefern, viele bieten Speisen zum Abholen an. Die NÖN hat sich im Pielachtal umgehört, wie die erste Woche war.

Beim Kirchberger Haubenkoch Kalteis können Kunden am Wochenende Gansl abholen. „Das wird gut angenommen“, erzählt Sonja Kalteis. Schluss ist, sobald alle Weidegänse verkocht sind. Weiter produzieren sie ihre Wirtshausklassiker im Glas, die sie unter anderem über den lokalen Handel vertreiben. Weil die Wildwochen ausfallen und Einnahmen für Getränke sowie Vorspeisen fehlen, sei die aktuelle Situation trotzdem „ein Minusgeschäft“. Kalteis rechnet daher mit einem Minus von 90 Prozent im November.

„Für die Gansln kommen unsere Stammgäste von nah und fern“

Alfred Krassnig, Inhaber des Restaurants „Zum Alten Brauhaus“ in Rabenstein, schätzt, dass der Monat „ein Totalausfall“ wird. Er kritisiert, dass staatliche Hilfsgelder nicht rechtzeitig oder gar nicht ausgezahlt werden. Samstags und sonntags bietet Krassnig Abholung an. Mit dem ersten Wochenende ist er zufrieden: „Für die Gansln kommen unsere Stammgäste von nah und fern.“ Mittagsmenüs will er dagegen nicht mehr anbieten, dafür fehle die Nachfrage. Zudem beobachtet er, dass ihm vor allem Stammgäste die Treue halten und weniger Neukunden dazukommen.

Der „Voralpenhof“ in Frankenfels setzt schon seit dem Frühjahr auf Abholung. „Obwohl offen war, haben unsere Gäste das Angebot den ganzen Sommer genutzt“, berichtet Petra Hofegger. „Wir sind froh und dankbar, dass sie uns so unterstützen.“ Während Abholen beim ersten Lockdown nur am Wochenende möglich war, gibt es die Möglichkeit jetzt täglich. „Damit wir das Personal so lange und so gut wie möglich halten können“, erklärt die Inhaberin.

Yunus Yildirim musste dagegen zwei Mitarbeitern kündigen. Er habe den „Pizza-Treff“ in Ober-Grafendorf nur eröffnet, weil er nicht mit einem zweiten Lockdown gerechnet habe. Aktuell sei sein Umsatz deutlich schlechter. „Uns bleibt nur die Hoffnung, dass wir irgendwie überleben“, sagt er resignierend. Seit Kurzem bietet er einen Lieferservice an.

„Uns bleibt nur die Hoffnung, dass wir irgendwie überleben“

Ihre Pizzen brachten die Betreiber vom Ober-Grafendorfer Restaurant „San Marino“ nur im Frühjahr. Jetzt hat Inhaberin Renate Grünberger den „Lockdown-Pizza-Pass“ eingeführt, bei dem eine gratis Pizza lockt. „Man muss das Beste draus machen, erfinderisch sein und darf sich nicht unterkriegen lassen“, findet sie.

Unter der Woche gebe es wenig Nachfrage bei der Abholung, dafür sei das Wochenende „echt gut“. Unter ihren Stammkunden erlebt sie einen großen Zusammenhalt: „Die Leute sind loyal und lieb.“ Der Umsatz von ihrem Tanzcafé fällt weg. Trotzdem werde sie mit „einem blauen Augen davonkommen“, weil sie „einen gesunden Betrieb ohne Schulden“ habe.

„Die Zukunft ist sehr fraglich“, befürchtet dagegen Alfred Krassnig. Bei ihm fallen nicht nur die Weihnachtsfeiern im Dezember, sondern auch die Silvestergala und Frühjahrs-Bälle weg. Seine Kunden seien enttäuscht, weil sie eigentlich private Feiern nachholen wollten. Für ihn stellt die fehlende Planbarkeit ein großes Problem dar: „Man arbeitet ins Ungewisse.“

„Die Zukunft ist sehr fraglich“

Für die Zukunft spricht sich Sonja Kalteis für Gastro-Kontrollen aus und appelliert an ihre Kollegen: „Wir wünschen uns, dass sich alle an die Regeln halten.“ Verzicht auf Busse, Gäste-Registrierung und keine Feiern an mehreren Tischen – so ließe sich ihrer Meinung nach ein drittes Zusperren verhindern.