Große Feier in Pressbaum zum Jubiläum. Die Kulturinitiative ist Ort der Begegnung und Teil der Bühnenwirtshäuser in NÖ.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 02. Oktober 2019 (04:05)
Nadja Büchler
Marina Scheutz-Tatic und Ilona Eggl neben der Büste von Wilfried. Seine Präsenz ist in so manchem Winkel noch zu spüren und zu sehen.

Das Baumaterial kam von einem Kloster in Breitenfurt. Dort mussten die Nebengebäude einem Parkplatz weichen. Und bereits nach drei Monaten Bauzeit war sie fertig – die Vereinsmeierei. Mittendrin steht ihr Herzstück. Ein alter Küchenherd aus einem südsteirischen Gasthaus. Darauf werden die berühmten „Pfandln“ oder andere Köstlichkeiten zubereitet. Eine Rück- und Vorschau von Inhaberin Marina Scheutz-Tatic und Vereinsobfrau Ilona Eggl.

NÖN: Die Vereinsmeierei feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Warum habt ihr einen Kulturverein gegründet?
Marina Scheutz-Tatic: Wir haben bereits vor 20 Jahren begonnen. Zuerst im Gasthaus Seewirt in Tullnerbach als „SehwirtKultur“ und dann in Pressbaum als „AlpFiction-Plattform für Kulturaustausch“ mit Veranstaltungen im Stadl vom Gasthaus Hartner. Nachdem beide Gasthäuser geschlossen hatten, wollten wir unabhängig werden. So kam es zur Entscheidung, bei uns im Garten ein eigenes Vereinshaus zu bauen. Am 11. Oktober 2009 fand die erste Veranstaltung unter dem neuen Namen „Kulturinitiative Vereinsmeierei“ bei uns in der Pfalzau statt. Aufgetreten sind Joni Madden & Andy Cutic, Hanibal und Max von 5/8erl in Ehren und ich mit Wilfried.

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Marina und Wilfried haben die Vereinsmeierei auf ihrem Grundstück gebaut.

Die Vereinsmeierei bietet mehr als „nur“ Veranstaltungen an, was kann man bei oder mit euch noch machen?
Scheutz-Tatic: Wir sind ein Ort, an dem man sich kennenlernen kann. Viele Freundschaften sind so schon entstanden, und daraus haben sich wieder neue, gemeinsame Aktivitäten – auch abseits des Vereins – entwickelt. Wie zum Beispiel die Xangsmeierei. Anfangs noch unter der Leitung von Wilfried. Jetzt ist Franz Alexander Langer der Chorleiter. Eine gute Gelegenheit, bei uns vorbeizuschauen, ist das alle zwei Wochen am Mittwoch stattfindende Frühstück. Da sitzen Menschen mit den unterschiedlichsten Ansichten und Vorlieben zusammen und genießen den Vormittag. Ohne den gemeinsamen Anker „Vereinsmeierei“ hätten sie sich ziemlich sicher nicht kennengelernt. Genau solche Begegnungen wollten wir ermöglichen und fördern.

Gab es Startschwierigkeiten?
Scheutz-Tatic: Ja, die gab es. Die Nachbarschaft war anfangs sehr skeptisch und erreichte bei der Gemeinde ein Veranstaltungsverbot. Große Unterstützung erhielten wir von Vizebürgermeister Alfred Gruber. Es wurde dann alles geklärt und mittlerweile sind viele Nachbarn ebenfalls Mitglied bei uns.

Ihr seid Mitglied der Bühnenwirtshäuser, habt drei Spielstätten und mit Roland Mayer einen wichtigen Partner gefunden. Wie kam es dazu?
Scheutz-Tatic: Im Sommer 2011 hatten wir ein Konzert mit dem brasilianischen Volksmusiker Renato Borghetti. Da haben wir Roland kennengelernt, und er hat uns den alten Saal in seinem Gasthaus in Rekawinkel gezeigt. Das war der Startschuss für unsere Zusammenarbeit, und gemeinsam sind wir die „vereinsMAYERbühne“. Ilo (Anmerkung: Ilona Eggl ist Obfrau der Vereinsmeierei) und ich kümmern uns um das Programm und Roland um das leibliche Wohl der Gäste. Unser Eröffnungskonzert im neu hergerichteten Saal im Gasthaus Mayer war mit Werner Schneyder. Seit März 2012 sind wir Mitglied der Bühnenwirtshäuser.

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Auch Vereinskater Karl genießt den Aufenthalt in der Vereinsmeierei.

Der Verein „Bühnenwirtshäuser Niederösterreich“ feierte heuer ebenfalls sein zehnjähriges Bestehen. Dieter Juster ist Mitinitiator des Vereins und Vorreiter in diesem Bereich. Wie wichtig war er für das kulturelle Leben am Land?
Scheutz-Tatic: Dieter hat bereits in den 90er Jahren mit einem kulturellen Angebot in seinem Gasthaus begonnen. Wilfried hat gemeinsam mit 4xang bei ihm gespielt. So haben wir Dieter persönlich kennengelernt. Wilfried hat gemeinsam mit Dieter die Eröffnung der Bühnenwirtshäuser am 2. September 2009 moderiert. Für uns war klar. Mit dem Mayer Roli gemeinsam wollen wir dabei sein.

Ist es schwierig, im Speckgürtel von Wien Kultur zu organisieren und Menschen dafür zu begeistern?
Ilona Eggl: Ja. Wien hat natürlich ein großes und vielfältiges Angebot. Daher fahren viele Kulturinteressierte in die Stadt. Wir bemühen uns, ein interessantes Programm zusammenzustellen. Das ist eine Gratwanderung zwischen bekannten Künstlern und Musikrichtungen, und weniger Bekanntem. Wir versuchen, regionale Künstler zu fördern. Qualität ist uns aber sehr wichtig. Wir schauen uns alle Künstler an, bevor wir sie zu uns einladen oder ihrem Wunsch bei uns zu spielen nachkommen. Unsere Gäste wissen das und verlassen sich darauf. Darum kommen sie auch zu Veranstaltungen mit Künstlern, die sie noch nicht kennen.

Viele Künstler sind gleichzeitig Vereinsmitglieder. Wer zum Beispiel?
Scheutz-Tatic: Von Anfang an dabei sind Joni Madden & Andy Cutic, Gandalf, Frank Hoffmann und Else Ludwig, Renee Schüttengruber und Wolfgang Gratschmaier, Franz Alexander Langer, Niki Eggl und natürlich auch mein Sohn Hanibal.

Das Vereinshaus ist auch zu mieten?
Scheutz-Tatic: Genau. Hier wurden schon Feste gefeiert und sogar Hochzeiten – inklusive dem Standesbeamten. Es gab Workshops, Filmvorführungen oder Besprechungen. Selbst Tonaufnahmen wurden hier gemacht. Wilfried hat zwei seiner CDs hier aufgenommen. Auch Orges & the Ockus Rockus Band, die Musikkanten oder STERNpunktSTERN haben das Vereinshaus wegen der guten Akustik für ihre Aufnahmen gewählt.

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Das Angebot beim Frühstück in der Vereinsmeierei ist vielseitig und liebevoll zubereitet. Kredenzt werden auch auf Reisen gekaufte Spezialitäten.

Was wird bei der 10-Jahres-Feier geboten?
Scheutz-Tatic: Wir feiern in der Vereinsmeierei und im Garten. Dort gibt es ein Zelt. Wir haben alle unsere Künstler der letzten zehn Jahre eingeladen. Von ihnen haben wir bereits 40 Zusagen. Auf die improvisierte musikalische Unterhaltung dürfen wir gespannt sein. Fixes Musikprogramm kommt vom Trio „Löschl/Skrepek/Zrost“. Kulinarisch geht es nach Kroatien, Slowenien, Bosnien, Rumänien und Griechenland. Roli Mayer kocht eine „Wienerwald-Paella“. Wir freuen uns auf zahlreiche Gäste. Die Besucher sollen sich aber anmelden unter „marina@vereinsmeierei.at“, damit wir ausreichend zu essen und trinken haben.

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