Region Purkersdorf seit 1922: Hochquellwasser und Autobahn-Anschluss

Purkersdorf wurde 1967 zur Stadt erhoben. Pressbaum zog 2013 nach. Dazwischen ist in beiden Orten aber einiges passiert.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 05:17
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Das neue Pressbaumer Rathaus wurde am 26. September 1964 feierlich eröffnet - gleichzeitig wurde Pressbaum zum Markt erhoben. Hier stehen die Ehrengäste, u.a. Landeshauptmann Leopold Figl und Bürgermeister Josef Nemecek, vor der Kirche.
Foto: topothek.at/Stadtgemeinde Pressbaum

Am 1. Jänner 1922 gingen Wien und Niederösterreich getrennte Wege. Wien wurde ein eigenes Bundesland. „Hinter dieser Entscheidung, Wien als Hauptstadt von Niederösterreich mit dem Sitz der Landesregierung herauszulösen, standen vor allem parteipolitische Überlegungen“, weiß Purkersdorfs ehemaliger Vizebürgermeister Christian Matzka, auch Kustos des Stadtmuseums.

Man wollte das „rote“ Wien vom „schwarzen“ Niederösterreich trennen. Zudem „warnten die anderen Bundesländer vor einer Übermacht Niederösterreichs mit Wien, da in diesem Bundesland 51 Prozent der österreichischen Bevölkerung lebten“, so Matzka.

Bevölkerung nach wie vor stark nach Wien orientiert

Bis August 1954 war Purkersdorf noch Teil des 14. Bezirks in Wien. Am 1. September wurde die Gemeinde in den Bezirk Wien-Umgebung eingegliedert, der 2016 aufgelöst wurde. Seither liegt Purkersdorf im Bezirk St. Pölten.

Die im Jahre 1922 entstandenen Landesgrenzen seien aber für die stark nach Wien orientierte Bevölkerung in der Region einschneidend. „Geht es um die Versorgung der Umlandgemeinden mit Wiener Hochquellenwasser, die Anbindung des Abwasserkanals an den Wiener Kanal oder die Entsorgung des Mülls in Wiener Müllverbrennungsanlagen, braucht es jeweils großes politisches Geschick der handelnden Personen, dass solche Vorhaben Wirklichkeit werden können“, ist der ehemalige Vizebürgermeister überzeugt.

In den vergangenen 100 Jahren hat sich Purkersdorf von einer Gemeinde zu einer Stadt entwickelt. Die offizielle Stadterhebung erfolgte 1967. Zuvor wurde 1959/60 die B44 gebaut, „als Autobahnzubringer nach Pressbaum“, so Matzka. Es kam zur Errichtung mehrerer Gemeindebauten, darunter die Volksschule und zur Eröffnung des Wienerwaldbades. Nach 1970 startete die Stadt den Wasserleitungs- und Kanalbau. 1984 gestaltete man das Stadtzentrum um.

1961: Westautobahn-Anschluss für Pressbaum

Viel Veränderung in den vergangenen 100 Jahren gab es auch in Pressbaum. Vor genau 100 Jahren, im Jahr 1922, löste sich Eichgraben von Pressbaum und wurde eine selbstständige Gemeinde. Wie auch Purkersdorf wurde Pressbaum in den 1950er Jahren in den Bezirk Wien-Umgebung eingegliedert. Davor gehörte Pressbaum dem Verwaltungsbezirk St. Pölten an.

1961 erhielt Pressbaum einen Anschluss an die Westautobahn, die 1966 bis Wien fertiggestellt wurde und durch das Pressbaumer Gemeindegebiet führt. Der Bau der Westautobahn machte außerdem den Bau des Bihabergstollens notwendig, um weiterhin einen reibungslosen Betrieb der II. Wiener Hochquellenwasserleitung in diesem Bereich zu sichern.

Mit dem Bau des Stollens durch den Bihaberg wurde im Juni 1960 begonnen, nachdem die Talseite bei Pressbaum für die Westeinfahrt der Autobahn bestimmt wurde. An dieser Stelle verlief die Hochquellenleitung teils als Hangkanal, teils als Stollen. Der neue Bihaberg-stollen verbindet gradlinig die beiden Aquädukte in der Pfalzau und Brentenmais.

Pressbaum seit 2013 eine Stadt

Im Jahr 1964 wurde Pressbaum zur Marktgemeinde erhoben, gleichzeitig wurde am 26. September 1964 das neue Rathaus feierlich vom damaligen Landeshauptmann Leopold Figl eröffnet.

2013 wurde Pressbaum schließlich zur Stadt erhoben. Im Februar überreichte der damalige Landeshauptmann Erwin Pröll die Urkunde zur Stadterhebung an Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner. Der Beschluss vom Niederösterreichischen Landtag erfolgte dazu bereits einstimmig im Oktober 2012. Anlässlich der Stadterhebung wurde zudem eine eigene Pressbaumer Alltagstracht entworfen.

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