Theater Purkersdorf: Letztes Stück für Cambruzzi

Erstellt am 31. Juli 2022 | 05:55
Lesezeit: 4 Min
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Drei Generationen Cambruzzi haben bei der Sommerproduktion von Don Camillo und Peppone mitgewirkt: Clemens (Jesus), Sandro (Mesner Luca), Manfred (Regie, von rechts nach links).
Foto: Foto privat
Beim heurigen Sommertheater Don Camillo und Peppone im Steinbruch hat Manfred Cambruzzi zum letzten Mal Regie geführt.
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Seit 29 Jahren ist Manfred Cambruzzi beim Theater Purkersdorf, bei 45 Produktionen hat er Regie geführt. Jetzt hat er das Regiezepter für immer an den Nagel gehängt.

Die heurige Produktion Don Camillo und Peppone war sein letztes Stück. Traurig macht ihn der Abschied nicht, wie er im NÖN-Gespräch verrät: „Natürlich ist man sentimental, wenn man auf den gemeinsamen Weg zurückblickt und auch Wehmut ist da. Ich habe meine Tätigkeit sehr genossen.“

„Meine erste Produktion war im Jahr 1993 die Pension Schöller.“

Besonders berührt hat ihn, als er bei der letzten Vorstellung für jedes Stück, bei dem er als Regisseur fungierte, eine Rose überreicht bekommen hat. „Die habe ich gerne mit nach Hause genommen und werde sie trocknen lassen“, freut sich Cambruzzi über das schöne Abschiedsgeschenk.

Da er sich aber vorgenommen hat, fit in die Pension zu starten, sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen: „Ich wollte nicht wegen Krankheit oder einem sonstigen tragischen Ereignis aufhören.“

Zum Theater Purkersdorf ist er gekommen, weil ein Mitgründer ausgefallen ist und er gefragt wurde. „Meine erste Produktion war im Jahr 1993 die Pension Schöller“, erzählt Cambruzzi. 2003 sei dann die Geburtsstunde im Steinbruch gewesen. „Damals haben wir im Winter das Apostelspiel aufgeführt und aus Paletten eine Bühne gezimmert“, erzählt der Purkersdorfer.

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Nach der letzten Vorstellung heuer gab es für Manfred Cambruzzi vom Ensemble für jede der 45 Produktionen der letzten 29 Jahre eine Rose mit einem Kärtchen mit dem Namen des Stückes.
Foto: privat

Der Platz im Steinbruch sei ein ehemaliger Holzablageplatz der Bundesforste gewesen, man habe alles mühsam herbeischaffen müssen. Jetzt habe man für die Technik sogar eine eigene Firma. „Das ist wichtig, damit das Publikum die Schauspieler auch klar verstehen kann“, ist Cambruzzi überzeugt. Auch Unterstützung von großen Theaterhäusern habe man bekommen. Das sei von Vorteil gewesen und man habe nicht „mit irgendwelchen Basteleien anfangen müssen“.

Für ihn war jedes Stück eine Herzensangelegenheit, besonders in Erinnerung sind ihm aber „Der Bockerer“, „Der Besuch der alten Dame“ und „Die letzten Tage der Menschheit geblieben“. „Beim ‚Besuch der alten Dame‘ standen beispielsweise 30 bis 40 Leute auf der Bühne und auch dahinter waren unzählige beschäftigt.“

Feuer auf die Schauspieler übertragen

Mehrere tausend Stunden hat er nur für die Proben als Regisseur aufgewendet. „Dazu kommen dann noch Vorstellungen und Fahrten in die Kostümleihanstalten oder das Besprechen der Spezialeffekte“, sagt Cambruzzi. Bei seiner Tätigkeit hat er immer versucht, seinen Eifer und sein Feuer auf die Schauspieler zu übertragen. „Ich habe immer gesagt, die Leute müssen brennen. Und ich habe versucht, sie zu fordern aber nicht zu überfordern.“

Wichtig sei ihm auch gewesen, dass sich die Darsteller nicht blamieren und beispielsweise ohne „Slang“ sprechen. „Bei einem Amateurtheater sind das wesentliche Dinge“, weiß Cambruzzi. So spiele auch die Sprechgeschwindigkeit eine große Rolle. „Viele haben das Gefühl zu langsam zu sprechen, dabei ist das Gegenteil der Fall.“

Für die Zukunft würde sich Cambruzzi wünschen, dass noch mehr Werbung fürs Theater Purkersdorf gemacht wird. „Vor zehn bis 15 Jahren haben wir händisch Flyer an alle Haushalte verteilt.“

Außerdem schlägt er vor, an Schulen Jugendliche anzusprechen und für den Verein zu gewinnen. „Natürlich ist das Knochenarbeit und man braucht dafür auch Leute, die das machen“, meint Cambruzzi. Und zu betonen sei auch, dass man für jede Vorstellung genug Helfer finden muss. „Man braucht jemanden, der beispielsweise die Toiletten reinigt oder sich um die Kartenabwicklung kümmert. Da kommen viele Handgriffe und Tätigkeiten pro Vorstellung zusammen“, weiß der Purkersdorfer.

Er selbst hat sich jedenfalls schon um Nachfolge gekümmert – und zwar in der eigenen Familie. Denn bei Don Camillo und Peppone haben neben ihm auch Sohn Clemens und Enkelsohn Sandro mitgewirkt.

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