Petition für Kinderarzt in Purkersdorf. Nur mehr eine halbe besetzte Kassen-Kinderarztstelle gibt es aktuell im Bezirk. Neue Initiative rund um Stadtrat Baum sammelt Unterschriften für eine Stelle im Raum Purkersdorf.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 16. Juli 2021 (04:07)
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Der Mangel an Kinderärzten mit Kassenvertrag in der Region bereitet vielen Eltern seit Jahren Kopfzerbrechen. Und eine Verbesserung der Situation ist nicht in Sicht: Nach der Pensionierung des St. Pöltner Kinderfacharztes Robert Artmann mit Anfang des Jahres gibt es in der Landeshauptstadt keinen Kinderarzt mehr mit Kassenvertrag. Im gesamten Bezirk ist von zwei halben Planstellen nur jene in Böheimkirchen besetzt. Für die zurückgelegten Kassenverträge der Purkersdorfer Ärztin Christa Levin-Leitner wird seit 2016 ein Nachfolger gesucht, genauso wie für die zwei restlichen Kinderarzt-Planstellen in St. Pölten, die seit 2019 unbesetzt sind. Somit gibt es für rund 187.000 Einwohner in St. Pölten Stadt und Land aktuell nur noch eine halbe besetzte Kassen-Kinderarztstelle.

Da die Lage für viele unzufriedenstellend ist, hat sich eine neue Initiative zusammengefunden, die sich seit heute, Mittwoch, mit einer Unterschriftenaktion für einen Kassen-Kinderarzt im Raum Purkersdorf stark macht. Einer der Initiatoren ist Stadtrat Josef Baum (Liste Baum und Grüne). „Frau Doktor Levin-Leitner, zuletzt Wahlärztin, geht im September in die verdiente Pension. Da wird es wahrscheinlich einen Nachfolger geben und es gibt noch einen zweiten Wahl-Kinderarzt, aber die Notwendigkeit einer Kassenstelle bleibt“, berichtet Baum über die Situation in Purkersdorf. In der Petition werden der Gesundheitsminister, das Land NÖ, die Krankenkassen, die Ärztekammer und die Gemeindevertreter ersucht, dafür zu sorgen, dass im Raum Purkersdorf ehestens wieder eine Kassen-Kinderarztstelle besetzt wird. „Denn die meisten Kinderärzte im Großraum Purkersdorf haben lange Wartezeiten oder nehmen keine neuen Patienten mehr und Refundierungen für Wahlarzt-Honorare sind minimal.

„Es gibt noch einen zweiten Wahl-Kinderarzt, aber die Notwendigkeit einer Kassenstelle bleibt.“ Stadtrat Josef Baum

So wird die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung für Kinder im Raum Purkersdorf zu einem zunehmenden sozialen Problem“, sind sich die acht Initiatoren einig. Darunter ist auch Martina Popp, Purkersdorferin und pensionierte Notärztin. Sie verfolgt schon seit Jahren den Kinderarzt-Mangel und sieht, warum sich Ärzte dafür entscheiden, ihren Kassenvertrag zurückzulegen, um zukünftig als Wahlärzte tätig zu sein. So kann die Qualität der Behandlung sichergestellt werden. „Ein Wahlarzt nimmt sich Zeit und verlangt dann dementsprechend auch eine adäquate Bezahlung“, sagt Popp. Durch die Zunahme von Wahlärzten werde aber Geld auf Kosten der Patienten gespart, obwohl diese im Rahmen ihrer Sozialversicherung in die Österreichische Gesundheitskasse einzahlen. „Die Patienten werden immer unzufriedener“, weiß die Purkersdorferin. Deshalb brauche es im Raum Purkersdorf einen Kinderarzt mit Kassenvertrag.

Gemeinde Himberg als positives Beispiel

Dass eine Verbesserung der Situation möglich ist, sieht man am Beispiel der Gemeinde Himberg, meint Baum. Dort habe sich die Gemeindepolitik für einen Kassen-Kinderarzt eingesetzt. „In Himberg ist es gelungen, ab Mai eine Kassen-Kinderarzt-Stelle einzurichten und zu besetzen“, so der Stadtrat. Wie lang die Petition laufen wird, ist noch offen, unterschrieben werden kann ab sofort.