Purkersdorfer Kinderärztin tritt nun leiser. Christa Levin-Leitner wird auch die restlichen Krankenkassen-Verträge abgeben und sich nur noch um ihre Patienten als Wahlärztin kümmern. Belastung zu hoch.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 19. April 2019 (04:05)
Shutterstock.com/Evgeny Atamanenko
Auch für die Kinderärzte wird es immer schwieriger Nachfolger zu finden.

Da hilft alles Bitten und Betteln nichts, das Alter fordert allmählich seinen Tribut. Kinderärztin Christa Levin-Leitner (64) wird auch die letzten Kassenverträge abgeben und nur noch als Wahlärztin weiterarbeiten. Zu stressig war der Job in letzter Zeit.

Gruber-Dorninger
Christa Levin-Leitner wird ab 1. Juni nur noch als Wahlärztin arbeiten. Es wird ihr momentan einfach zu viel.

„Vergangenen Dienstag hatte ich 60 Patienten bei mir. Das geht einfach nicht mehr. Es war in letzter Zeit dermaßen viel, dass mir der Körper auch schon Signale geschickt hat“, fasst Christa Levin-Leitner die Situation zusammen. Diese habe sich in den letzten Jahren noch zusätzlich verschärft, weil sie weit und breit die einzige Kinderärztin mit Kassenverträgen ist. „Ich will gesund alt werden“, ist das berechtigte Begehr von Levin-Leitner. Dass Ärzte bis ins hohe Alter arbeiten sollen, so wie die Politik das vorsieht, hält sie für unrealistisch. „Dadurch soll das Gesundheitssystem aufrecht erhalten werden“, begründet Levin-Leitner, die mit 1. Juni nur noch als Wahlärztin tätig sein wird.

Gemeinde soll Ärzte nach Purkersdorf locken

Von einigen enttäuschten Patienten wurde sie in der Vergangenheit für den Kinderärztemangel in Purkersdorf verantwortlich gemacht. „Ich bin nicht deren Anlaufstelle. Die Gemeinde hat die Verpflichtung, Ärzte herzulocken. Vielleicht könnten sich die Eltern auch formieren“, sieht Levin-Leitner hier Handlungsbedarf. Sie meint außerdem, dass sehr viel in der Stadt gebaut werde, da müsste es der Gemeinde wert sein, Infrastruktur für Kassenärzte zu schaffen. Das will Bürgermeister Stefan Steinbichler auf NÖN-Anfrage auch machen. „Sollte ein Kinderarzt nach Purkersdorf kommen, stellen wir Räumlichkeiten für ein halbes Jahr zur Verfügung“, verspricht der Ortschef. Die Zeit drängt, denn die Kassenstelle wird derzeit auch im Primärversorgungszentrum in Böheimkirchen ausgeschrieben. Sollte sich hier jemand vorher melden, wird es schwer, einen Kassenarzt nach Purkersdorf zu bekommen.