„Kooperation ist wichtig“: Aus der Praxis des Roten Kreuz Purkersdorf

Erstellt am 10. August 2022 | 05:09
Lesezeit: 4 Min
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Notärztin Sandra Leeb hat bereits negative Erlebnisse mit Haustieren gemacht.
Foto: Monika Närr
Notärztin Sandra Leeb erläutert aufgrund eines Präzedenzfalles, welche Verhaltensregeln bei Einsätzen gelten.
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Sandra Leeb, Notärztin beim Roten Kreuz, wandte sich kürzlich nach einem Rettungseinsatz an die NÖN: „Leider bleiben wir auch in Purkersdorf nicht von Aggression gegenüber dem Rettungsdienst verschont und hatten da gerade ein sehr unangenehmes Erlebnis“, so die auf Krisensituationen spezialisierte Medizinerin.

Beim Notfall einer älteren Dame waren auch deren beide Hunde dabei, die das Rettungsteam sichtlich aufgeregt beim Betreten des Hauses anbellten. Berufssanitäter Philipp Gierlinger forderte den Sohn der Patientin erfolglos auf, die Hunde in ein anderes Zimmer zu bringen, da diese die Arbeit der Einsatzkräfte behinderten. „Und schlicht und einfach auch deshalb, weil es durchaus schon Hundeangriffe auf Rettungspersonal gegeben hat“, betont Leeb.

Der Sohn weigerte sich jedoch, die Hunde wegzusperren, wurde sehr aggressiv und herrschte die Mannschaft des Roten Kreuz an, dass sie unfähig und überfordert sei, wenn sie neben den Hunden nicht arbeiten könne.

Bei Widerstand kommt Polizei

„Nachdem auch seine Gattin und die Tochter begonnen haben, herumzuschreien, schien die Situation kurzzeitig zu eskalieren, bis ich gedroht habe, die Polizei zu rufen“, erzählt Sandra Leeb. „Gott sei Dank war die Patientin stabil und konnte mit dem Krankentransportwagen in eine Privatklinik fahren“, berichtet Leeb zum Ausgang dieses Einsatzes.

Und appelliert an alle, die im Zuge eines Notfalles anwesend sind oder dazu kommen: „Kooperatives Verhalten ist wichtig. Den Aufforderungen des Rettungspersonals ist in jedem Fall Folge zu leisten. Hunde sollen bei Einsätzen daheim generell nicht im Raum sein. Sie müssen aus unserem Arbeitsbereich herausgehalten werden, um die Tiere selbst und uns in dieser Ausnahmesituation zu schützen.“

Dazu ergänzt Gierlinger: „Am unmittelbaren Einsatzort haben ausschließlich Therapie- und Begleithunde sowie ausgebildete Vierbeiner der Hundestaffeln von Rettung oder Polizei etwas verloren, etwa bei Personensuchen, was mehrfach im Jahr vorkommt.“ Und erklärt weiter: „Wir kommen bis zu Sechst in roter Uniform an einen Einsatzort, das macht einem treuen Vierbeiner Angst und Stress, wenn wir seinen Besitzer medizinisch versorgen.“

So bereichernd das Zusammenleben mit Hunden und anderen Haustieren ist: Auch für die Tiere ist der Rettungseinsatz eine Ausnahmesituation, sie wollen den Besitzer schützen und gegebenenfalls auch verteidigen, wenn Hilfsmaßnahmen durchgeführt werden. Die Vierbeiner verstehen die Situation nicht, sind dadurch überfordert, in höchstem Erregungszustand und auch das gutmütigste Tier kann demnach unerwartet reagieren. Zudem sagt bereits die Leitstelle bei jedem Notruf dem Melder: „Außenbeleuchtung einschalten, Türe öffnen, Arzt- oder Krankenhausberichte bereit halten und Haustiere in einem eigenen Raum separieren.“

Rettungshunde sind stressresistent

Der aus Pressbaum stammende Rettungssanitäter Kurt Ursprunger ist Kommandant der Suchhundestaffel Marchfeld des Roten Kreuz, sein Hauptstützpunkt ist das Rote Kreuz Purkersdorf-Gablitz.

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Kurt Ursprunger war Mitte Juli mit seinem Australian Shepherd Elmo beim Ferienspiel in Wolfsgraben im Einsatz.
Foto: Rotes Kreuz

Gemeinsam mit seinem vierjährigen Australian Shepherd trainiert er zwei- bis dreimal pro Woche, meist am Wochenende. Die Ausbildung eines Hundes zum Diensteinsatz dauert zwei bis drei Jahre, die Einsatzfähigkeit zur Personensuche muss alle zwei Jahre wiederholt werden.

„Unsere speziell ausgebildeten Hunde sind stressresistent, stehen in Grundgehorsam und unterscheiden sich von Privathunden vor allem dadurch, dass sie mit Notfallsituationen vertraut sind“, betont Ursprunger. Bei einem Großeinsatz zur Suche vermisster Personen, oftmals Demente oder Kinder, sind zig Hunde verschiedener Staffeln beteiligt. Der Hundeführer ist immer auch Privatbesitzer seines vierbeinigen Teamkollegen.

So verhält es sich auch mit Begleithunden. Notfallsanitäter Georg Tertsch wurde, gerade als die NÖN beim Stützpunkt des Roten Kreuz war, zu einem Einsatz bei einer tauben Person gerufen. „Der Begleithund hat uns an der Türe abgeholt und zum Patienten geführt“, berichtet Tertsch auch über Begegnungen bei Einsätzen mit weiteren speziell geschulten Hunden.

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