Bundesforste in Purkersdorf: Naturtalente für den Wald. Die Österreichisches Bundesforste suchen Lehrlinge, bereits zum zwölften Mal auch am Girls`Day.

Von Monika Närr. Erstellt am 18. Februar 2021 (04:43)
Nach Windwürfen müssen Aufforstungsarbeiten durchgeführt werden.
Österreichische Bundesforste

Einen Arbeitsplatz in den schönsten Regionen des Landes bieten die Österreichischen Bundesforste (ÖBF) mit Sitz in Purkersdorf ab sofort wieder jungen, motivierten Naturtalenten. Gesucht werden Lehrlinge für die Berufe Forstfacharbeiter, Berufsjäger und Bürokaufmann/Bürokauffrau in ganz Österreich. „So vielfältig wie die Natur ist, sind auch unsere Lehrberufe“, betont ÖBF-Vorstand Rudolf Freidhager. In insgesamt fünf unterschiedlichen Disziplinen bilden die Bundesforste junge Menschen aus – spezifisch als Forstfacharbeiter und Berufsjäger und Jägerin, weiters als Kfz-Mechaniker und Mechanikerin, Bürokaufmann/Bürokauffrau und Immobilienkaufmann/Immobilienkauffrau.

Regina Reiter erläutert NÖN-Journalistin Monika Närr (v. l.) bei einem Waldspaziergang am Pressbaumer Mariazellerweg, was die Bundesforste beim Girl`s Day zu bieten haben.
Monika Närr

Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Outdoor-Berufen. Allein in den letzten zehn Jahren machten über 70 Lehrlinge ihren Abschluss bei den Bundesforsten, aktuell befinden sich 25 junge Menschen in Ausbildung.

„Der Wald ist in Zeiten der Erderwärmung unser wichtigster Klimaschützer, er speichert Tonnen von CO2, reinigt Luft und Wasser und schützt uns besonders im Alpenraum vor Naturgefahren. Aber auch er selbst ist von den Auswirklungen der Klimakrise stark betroffen und muss daher so naturnah wie möglich gepflegt, geschützt und bewirtschaftet werden“, erläutert Freidhager dazu.

Junge lernen von Erfahrenen

Der Zusatznutzen bei der internen Lehrlingsausbildung besteht vor allem darin, dass man den jungen Menschen schon in der Ausbildung die spezifische Arbeitsweise der Bundesforste näher bringen kann. Zum Beispiel, was es in der Praxis bedeutet, einen Wald nachhaltig und naturnah zu bewirtschaften. Oder welche Vorkehrungen zur Arbeitssicherheit und damit zur Vermeidung von Forstunfällen im Wald unabdingbar sind. Die Jugendlichen vertiefen damit die schulischen Inhalte und lernen in der Praxis von älteren und erfahrenen Mitarbeitern, die ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben.

Hohe Alterspyramide

Knapp 1.000 Mitarbeiter beschäftigen die Bundesforste, die Alterspyramide ist relativ hoch.

Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 44 Jahren, die Tendenz ist leicht sinkend. Die am stärksten vertretene Altersgruppe sind mit einem Drittel die pensionsnahen 51- bis 60-Jährigen beziehungsweise mit einem Fünftel die 41- bis 50-Jährigen. Um vorausschauend für Nachwuchs zu sorgen, pflegen die ÖBF sehr intensive Kooperationen mit der Forstfachschule, der HBLA für Forstwirtschaft in Bruck an der Mur sowie der Universität für Bodenkultur (BOKU). Dadurch können sie zeitgerecht gut ausgebildete Absolventen und Absolventinnen ansprechen und gewinnen. Zwei Drittel aller ÖBF-Mitarbeiter sind angestellt, ein Drittel als Arbeiter tätig. Der Frauenanteil bei den Bundesforsten ist seit Jahren im Steigen, betrug zuletzt dennoch weniger als 20 Prozent.

Frauenanteil steigt nur langsam

Nur langsam steigt dieser auch in Führungspositionen. So wird etwa Christina Laßnig-Wlad als Nachfolgerin von Gerald Plattner ab Mai den wichtigen Bereich Naturraummanagement und Naturschutz leiten. Sie kommt aus dem Unternehmen und ist mit den aktuellen Themen und Projekten bestens vertraut.

Hier ist ein Mitarbeiter jagdlich in einem Bundesforste-Revier unterwegs.
 
Österreichische Bundesforste

Mit Johanna Heuser wird ab Jahresmitte auch der Forstbetrieb Pinzgau eine Betriebsleiterin erhalten.

Auch für das in Errichtung befindliche Haus der Wildnis im niederösterreichischen Lunz am See wurde eine Managerin gefunden: Die 31jährige Biologin und Wildtierökologin Ramona Schmidt hat ihre Tätigkeit für das Haus der Wildnis bereits im Dezember aufgenommen, die Eröffnung des neuen Besucherzentrums ist für das Frühjahr geplant.

„Wir wollen sowohl intern Karrieren forcieren als auch frisches Know-how in das Unternehmen bringen“, freut sich Vorstand Rudolf Freidhager über die Aufsteigerinnen. Und ergänzt: „Auch versuchen wir, in einer stark männerdominierten Branche den Frauenanteil kontinuierlich zu heben.“

Pionierin der Forstwirtinnen

Im gesamten Sektor gibt es bis dato unter den heimischen Forstwirtinnen nur eine einzige exponierte Pionierin: Maria Patek, als Sektionschefin für Forstwirschaft und Nachhaltigkeit Spitzenbeamtin sowie Kurzzeitministerin der Übergangsregierung 2019 im Landwirtschaftsministerium.

Sie gilt vielen ihr Nachfolgenden, auch in den Bundesforsten, als Vorreiterin und Vorbild und weiß aus Erfahrung: „Als Frau in einer männerdominierten Sparte wie der Forstwirtschaft oder dem Naturgefahrenmanagement zu arbeiten, verlief für mich nicht immer ohne Reibungen und Vorurteile. Ich sehe aber deutliche Verbesserungen in den letzten Jahren. Auch eine Initiative wie beispielsweise die internationale Forstfrauenkonferenz im April in Traunkirchen trägt zum Sichtbarmachen von Expertinnen bei.“ Insgesamt freut sie sich sehr, „dass die Bundesforste vermehrt Expertinnen in Führungspositionen einsetzen. Diversität in Betrieben bringt neue Dynamiken und Ideen mit sich, jeder und jede profitiert davon.“

ÖBF am Girls` Day

Bereits zum zwölften Mal nehmen die Bundesforste heuer auch wieder am Girls` Day teil, diesmal allerdings Covid-19 gerecht. „Die Veranstaltung findet erstmals digital und über eine virtuelle Woche lang im April statt“, informieren Alexandra Wieshaider und Regina Reiter als Verantwortliche seitens des Forstbetriebs Wienerwald-Biosphärenpark dazu. Am Girls` Day öffnen sich üblicherweise die Türen der Unternehmen speziell für Mädchen und auf interessierte Fragen gibt es Antworten von denen, die es wissen müssen: Von Frauen, die direkt im jeweiligen Beruf tätig sind. Der internationale Aktionstag hat es sich zum Ziel gesteckt, Mädchen einen Einblick in für Frauen untypische Bereiche der Arbeitswelt zu gewähren. „Zu den Berufen innerhalb der Bundesforste, die bisher nur in sehr geringer Zahl von Frauen ausgeübt werden, gehören Förster, Naturraummanager, Jäger und Forstbetriebsleiter“, ermutigt Reiter junge Frauen, diese Berufsfelder künftig stärker in Betracht zu ziehen.